HSV Erster vor VfB: Aber noch viel Arbeit für Favoriten

HSV Erster vor VfB: Aber noch viel Arbeit für Favoriten
Bildhinweis: Karlsruhes Torwart Benjamin Uphoff ärgert sich nach der Niederlage gegen Holstein Kiel. Foto: Frank Molter

Düsseldorf (dpa) – Selbstkritik trotz Tabellenführung in Hamburg, Erleichterung in Stuttgart und Hannover, Frust in Nürnberg: Bei den vier Aufstiegsanwärtern der 2. Fußball-Bundesliga war am dritten Spieltag die Stimmungslage wieder höchst unterschiedlich.

Was das Quartett eint: Vor den vier neuen Trainern liegt noch eine Menge Arbeit, soll die Rückkehr in die Bundesliga gelingen. Auch wenn Hamburg und Stuttgart die Tabelle schon anführen.

Der HSV eroberte durch das 1:0 gegen den VfL Bochum die Tabellenführung, allzu große Zufriedenheit wollte Dieter Hecking aber nicht zulassen. «Ich fand, es war die schwächste Halbzeit in einem Pflichtspiel, seit ich hier bin», monierte der Trainer-Routinier. Immerhin habe sein Team «mit viel Mentalität» den Sieg, den der Ex-Bochumer Lukas Hinterseer sicherte, erarbeitet.

Dennoch müssten sich die Mannschaft und auch das Umfeld von alten Denkmustern verabschieden. «Es ist ein Fehler, dass man einfach glaubt: Wir sind der HSV, der gefühlte Erstligist», sagte Hecking. «Dieser Anspruch ist falsch.» Die nächsten Wochen werden für den HSV wegweisend: Erst geht es zum starken Aufsteiger Karlsruher SC, dann kommt Hannover, dann steht das Stadt-Derby auf St. Pauli an. Darmstadt könnte am Montag theoretisch mit einem klaren Sieg in Osnabrück übrigens noch vorbeiziehen.

Diese Chance verpasste am Sonntag nach zuvor zwei Siegen Aufsteiger Karlsruher SC durch das 1:2 bei Holstein Kiel. «Es ärgert mich, dass wir wieder unkonzentriert waren», schimpfte Trainer Alois Schwartz. Der KSC ist nun Dritter. Punktgleich mit dem HSV Zweiter ist der VfB Stuttgart. Doch das 2:1 gegen St. Pauli, das Joker Nicolas Gonzalez erst in der 90. Minute sicherstellte, zeigte, dass auch vor den Schwaben noch viel Arbeit liegt. «Wir müssen uns verbessern, wir müssen mehr Tempo reinbringen», sagte Trainer Tim Walter: «Wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen. Aber wir bleiben dran.» Ex-Nationalspieler Holger Badstuber analysierte: «Wir haben uns rausgekämpft. Und mit dem späten Tor ist es dann ein geiler Sieg.»

Recht souverän gewann Mit-Absteiger Hannover 96. Doch das 3:0 beim noch punktlosen Aufsteiger SV Wehen Wiesbaden war der erste Sieg im vierten Pflichtspiel. «Das tut uns sehr, sehr gut», sagte Coach Mirko Slomka: «Jetzt sind wir in der zweiten Liga angekommen.»

Richtige Sorgen hat dagegen der dritte Absteiger aus Nürnberg. Nach dem 0:4 zu Hause gegen den HSV verloren die Franken nun auch mit 2:3 in Sandhausen. «In der ersten Halbzeit haben wir kollektiv versagt», sagte Torschütze Sebastian Kerk. Nach einem 0:2-Rückstand glich der Club nach Umstellungen von Trainer Damir Canadi aus, eine Minute vor Schluss kassierte Nürnberg aber das 2:3 durch Philip Türpitz (89.). Für mehr Wucht im Angriff soll der Schweizer Michael Frey sorgen. Der ehemalige Juniorennationalspieler kommt vom türkischen Traditionsverein Fenerbahçe Istanbul.

Im Keller ist nur noch Wehen ohne Punkt, nachdem Dynamo Dresden am Sonntag mit 2:1 gegen Heidenheim gewann. Der schwedische Nationalspieler Alexander Jeremejeff, der bei seinem ersten Einsatz gleich das 2:0 schoss, schwärmte vor allem von der Kulisse: «Das ist verrückt. So etwas habe ich noch nie gesehen. Das ist meine neue Heimat, und ich liebe es.»

Nur einen Punkt haben derweil St. Pauli und Bochum. Die Stimmung ist entsprechend angespannt. «Es ist möglich, dass es um den Klassenerhalt geht», sagte Pauli-Trainer Jos Luhukay.

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