Kandidat Schäfer sucht Lösung für Fußball-Misere

Kandidat Schäfer sucht Lösung für Fußball-Misere
Kandidat Schäfer sucht Lösung für Fußball-Misere
Kameruns Nationaltrainer Winfried Schäfer spricht auf einer Pressekonferenz.

Frankfurt/Main (dpa) – Der von Franz Beckenbauer als Kandidat für den Posten des Bundestrainers ins Spiel gebrachte Winfried Schäfer hat einen weiteren prominenten Fürsprecher bekommen und sich bereits Gedanken über Wege aus der Misere des deutschen Fußballs gemacht.

Grundsätzlich würde den 54-Jährigen die Aufgabe reizen. Doch habe er seine eigenen Vorstellungen und es wäre gegebenenfalls zu prüfen, ob diese zum Konzept des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) passen würden. In der Bundesliga gäbe es genügend junge Spieler, die den Sprung schaffen könnten, sagte Schäfer der dpa. «Das ist aber eine Sache der Geduld und man muss viel, viel arbeiten.»

Die aktuellen Nationalspieler forderte er nach dem EM-Vorrunden- Aus in Portugal zur Selbstkritik auf: «Einige Spieler müssen auch mal sagen, was haben wir für einen Mist gemacht.» Ein neuer Trainer, unabhängig vom Namen, habe nur eine Chance, «wenn die Bundesliga hundertprozentig hinter ihm steht und mitzieht», meinte der Kameruner Nationalcoach aus Ettlingen in einem Interview mit der «Stuttgarter Zeitung».

Zudem mahnte Schäfer einen dringenden Umschwung an. Die Stimmung sei «im Moment doch fürchterlich – und das ist tödlich für den Fußball». Schnellstens müsse wieder eine Begeisterung entfacht werden. «Das ist das Erste und Wichtigste, was der neue Trainer anpacken muss.» Wichtig ist für Schäfer, dass Trainer und Manager der 36 Profi-Clubs mit Blick auf die WM 2006 an einem Strang ziehen. Diese müssten sich mit Beckenbauer («Das ist nun mal die große Figur im deutschen Fußball») an einen Tisch setzen und ihre Solidarität zeigen. Im Idealfall könne Deutschland 2006 Weltmeister im eigenen Land werden, so Schäfer: «Und dieser Idealfall wird wahrscheinlicher, wenn wir die Clubs dazu bringen, mehr deutsche Spieler einzusetzen.»

Für Schäfer als Nachfolger Rudi Völlers, der vor über drei Wochen seinen Stuhl vorzeitig geräumt hatte, macht sich unterdessen auch Nationalkeeper Oliver Kahn stark. Er kenne Schäfer aus gemeinsamen Zeiten beim Karlsruher SC, dort habe der Coach etwas Fantastisches aufgebaut. «Warum soll man Leute bitten und betteln. Es gibt viele, die nicht wollen. Aber es gibt auch welche, die den Job mit Begeisterung machen würden, die sogar zu Fuß zum DFB laufen würden», sagte Kahn der Tageszeitung «Die Welt».

Doch nicht alle alten Schäfer-Weggefährten teilen Kahns Meinung. Ex-Nationalspieler Thomas Berthold, der beim VfB Stuttgart unter Schäfer trainierte, sagte dem Internetanbier «Sport1»: «Für mich hat er nicht das Profil, als Bundestrainer zu arbeiten.» Ex-KSC-Präsident Roland Schmider ist indes geteilter Meinung: «Ich kenne ihn als Trainer, der den täglichen Umgang mit den Spielern braucht. Und das wäre als Bundestrainer ja genau das Gegenteil.» Andererseits habe er erfolgreich mit Kamerun gearbeitet. «Wenn er sich da geändert hat, kann ich ihn mir als Bundestrainer durchaus vorstellen», so Schmider.

Obwohl Schäfer seine Bereitschaft zu Gesprächen immer wieder signalisiert, «bedeutet das nicht, dass ich ein mögliches Angebot automatisch unterschreiben würde». Der ehemalige Bundesliga-Coach des KSC und des VfB Stuttgart gilt nach den Absagen Ottmar Hitzfelds und Otto Rehhagels als neuer nationaler Anwärter auf das Bundestrainer- Amt. Weiterhin gehören der Niederländer Guus Hiddink, Coach und Club- Direktor beim PSV Eindhoven, und vor allem der dänische Nationalcoach Morten Olsen zu den Top-Favoriten. Beide kommen aber offenbar nur schwer auch ihren laufenden Verträgen heraus. Und der DFB gibt weiterhin keine «Wasserstandmeldungen» zu diesem Thema ab.

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