Jürgen Klinsmann: «Solche Ereignisse prägen die Mannschaft»       

Jürgen Klinsmann: «Solche Ereignisse prägen die Mannschaft»           
Jürgen Klinsmann: «Solche Ereignisse prägen die Mannschaft»           
Jürgen Klinsmann spricht während einer Pressekonferenz.

Was nehmen Sie mit vom ersten Länderspiel in Iran?  

Klinsmann: «Zum einen, wie sich diese sehr junge Mannschaft beweist und in so einer Atmosphäre zeigt. Das verdient allerhöchsten Respekt, vor über 100 000 Zuschauern 2:0 zu gewinnen, vor allem die Art und Weise, wie die Mannschaft das Spiel in der zweiten Halbzeit dominiert hat.»

Und der andere Aspekt?

Klinsmann: «Wichtig war auch, dass die Mannschaft eine persönliche Erfahrung machen konnte. Ob es beim Spiel war oder draußen bei einem Palastbesuch, Eindrücke zu sammeln von einer ganz anderen Kultur. Die Spieler machen eine berufliche Entwicklung durch auf dem Platz und eine persönliche mit all dem, was nebenher abläuft. Und für diese persönliche Entwicklung war diese Reise eminent wichtig. Solche Ereignisse prägen die Mannschaft.»

Was gibt es denn zu bemängeln?  

Klinsmann: «In der ersten Halbzeit hatten wir hier und da unsere Probleme, einen Spielfluss zu bekommen, das Spiel in die Spitze schnell hinzubekommen. Das lag auch ein bisschen daran, dass die Iraner eine sehr gute Mannschaft sind. Bei uns war hier und da ein bisschen Zerfahrenheit drin, da war der Spielrhythmus nicht gleich da wie beim Brasilien-Spiel. Aber es war eine ganz andere Konstellation. Aber vor allem die zweite Halbzeit haben wir das Spiel kontrolliert und waren einem dritten Tor näher als der Iran dem Anschlusstreffer.»

Sie hatten überraschend Thomas Brdaric in der Startelf, warum?

Klinsmann: «Es ist uns wichtig, dass wir uns einen Überblick verschaffen, die Stärken jedes Einzelnen kennen lernen. Und da haben wir gesagt, heute ist der Thomas dran. Und er hat seine Aufgabe sehr gut gemacht. Wenn man es mit dem Tor krönen kann, umso schöner, das tut einem gut. Ich kenne das ja als ehemaliger Stürmer, das sind die besten Argumente.»

Zuletzt war der Torwartstreit Thema Nummer eins. Was sagen Sie zur Leistung von Jens Lehmann?

Klinsmann: «Das Thema hat ja mehr in der Heimat als in Teheran einige Wellen geschlagen. Alles, was da in den letzten Tagen vorgekommen ist, wer was gesagt hat – das werden wir nächste Woche intern diskutieren und überlegen, wie wir mit dieser Situation umgehen. Respekt und Achtung füreinander sind die Basis für jede Gemeinschaft.»

Wie bewerten Sie den Auftritt von Lehmann in Teheran?

Klinsmann: «Jens Lehmann hat ein hervorragendes Spiel gemacht, hat uns hier und da vor dem Ausgleichstreffer bewahrt und hat eine sehr starke Präsenz gehabt. Dazu habe ich ihn beglückwünscht, das war prima. Wir werden diesen Konkurrenzkampf bis 2006 vor uns haben. Es muss nur so sein, dass dieser Konkurrenzkampf von Respekt und Achtung geprägt ist. Da ist es notwendig, das mit ein paar Worten intern deutlich zu machen. Das werden wir alles angehen.»

Was sagen Sie zu der unglaublichen Atmosphäre in Teheran?

Klinsmann: «Wir sind der iranischen Bevölkerung wahnsinnig dankbar für die unglaubliche Gastfreundschaft und Freundlichkeit, die uns überall entgegengebracht wurde. Das sind Momente, die vergisst kein Spieler. Diese Lebenserfahrung ist enorm wichtig. Deshalb war es wichtig, der Mannschaft klar zu machen, dass alle Nebengeräusche zweitrangig waren.»   

Aufgezeichnet von Jens Mende, dpa