Iraks Fußball-Auswahl für Olympia qualifiziert

Iraks Fußball-Auswahl für Olympia qualifiziert
Iraks Fußball-Auswahl für Olympia qualifiziert
Bernd Stange (l) spricht mit dem Präsidenten des irakischen Fußballverbandes.

Bagdad (dpa) – Die Fußball-Nationalmannschaft des Irak hat sich für das olympische Turnier in Athen qualifiziert. Damilt hat das ehemals von dem Deutschen Bernd Stange trainierte Team dem vom Krieg erschütterten Irak ein klein wenig Hoffnung gegeben.

Nach dem 3:1-Erfolg im entscheidenden Spiel in Amman über Saudi-Arabien stürmten in Bagdad Tausende auf die Straßen und ließen ihrer Begeisterung mit Schüssen in die Luft freien Lauf. Ermöglicht wurde das kleine Wunder, weil sich die Gruppen-Rivalen Kuwait und Oman zur gleichen Zeit 0:0 trennten.

«Das ist ein sensationeller Erfolg. Darauf bin ich persönlich sehr, sehr stolz», sagte Bernd Stange, der den Irak vor einigen Wochen auf Druck der deutschen Behörden verlassen musste, in der jordanischen Hauptstadt. Und ergänzte: «Das ist nach den schrecklichen Bildern der letzten Wochen endlich wieder eine gute Nachricht für die Iraker. Was das für dieses Land bedeutet, kann man nur ermessen, wenn man sieht, welche Freudenfeste die Menschen in Bagdad veranstaltet haben. Es zeigt, was der Sport selbst unter fürchterlichsten Begleiterscheinungen möglich macht.»

Dabei hatte der frühere Coach der DDR-Auswahl alles andere als günstige Voraussetzungen, um seine Spieler auf die Aufgaben in der Qualifikation einzustellen. Er sah die Akteure zuletzt nur selten und musste das Training seinem Assistenten überlassen. «Daher ist es eine kleine Sensation, dass wir ein Land wie Saudi-Arabien geschlagen haben», betont der Coach.

Die Freude bedeutet für die irakischen Bürger einen Tropfen in einem Meer von Frustrationen. Der Alltag im besetzten Land ist gefährlich und beschwerlich. Anschläge, Kriminalität, Strom- Abschaltungen und das kränkende Gefühl, dass einem alles von einer fremden Besatzungsmacht diktiert wird, lassen kein Wohlbefinden aufkommen. Auch die Sportler, die sich auf Athen vorbereiten, können sich dem nur schwer entziehen. Die Fußballer mussten wegen der Sicherheitslage im Land ihre Heimspiele in der Olympia-Qualifikation im Ausland bestreiten.

Doch all das war plötzlich vergessen. Die Iraker feierten auf ihre Weise. Ein ohrenbetäubendes Geknall zerriss die spätabendliche Ruhe. «Die irakische Elf hat ein großartiges Match gespielt», betonte Ahmed el Samarrai, der Präsident des Irakischen Olympischen Komitees. «Kurzum: Das ist der größte Augenblick in der olympischen Geschichte unseres Landes.»

Mit der Qualifikation der Fußballer erhöht sich die Zahl der irakischen Olympia-Teilnehmer auf 30. Sechs Startplätze hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) dem Land in den Sportarten Leichtathletik (2), Boxen, Schwimmen, Gewichtheben und Taekwondo (je 1) zugewiesen. Der Beschluss erfolgte im Rahmen des Verfahrens, das Startplätze für kleine Nationen reserviert. Iraks Auswahlkicker haben sich nun aus eigener Kraft qualifiziert. Für die Iraker mit Recht ein Grund, sich zu freuen – und ein wenig in die Luft zu schießen.

Schreibe einen Kommentar