Turbulenter Start für Middendorp in Südafrika

Turbulenter Start für Middendorp in Südafrika
Turbulenter Start für Middendorp in Südafrika
Ernst Middendorp bei seiner Präsentation in Johannesburg im Juni.

Johannesburg (dpa) – So hatte sich Ernst Middendorp seine ersten 100 Tage als Trainer von Südafrikas Elite-Club Kaizer Chiefs eigentlich nicht vorgestellt.

Nach einer Serie eher mäßiger Spiele, die überwiegend mit einem Unentschieden endeten, werden öffentliche Rücktrittsforderungen der Kaizer Chiefs-Fans («Amakhosi») gegen den 46-jährigen Deutschen immer lauter. «Chiefs Trainer unter Beschuss», titelte die Zeitung «The Citizen». Genüsslich berichteten die Medien, dass er am vergangenen Spieltag unter Polizeischutz das Feld verlassen musste. «Das ist natürlich Blödsinn, weil wir zu jedem Spiel mit Polizeischutz an- und abreisen», sagte Middendorp der dpa.

Die für ihr ungestümes Temperament bekannten Amakhosi bündelten nach dem 1:1-Remis gegen die Moroka Swallows all ihren Zorn gegen Arminia Bielefelds einstigen Chefcoach. Die Stimmung erzeugt Druck. Doch Middendorp zeigt sich unbeirrt: «Ich bin Druck-Situationen aus meinen Zeiten in Bielefeld und Bochum gewöhnt.» Der Deutsche erlebte seit seinem Amtsantritt bei dem erfolgsverwöhnten Johannesburger Club aus nächster Nähe die Empfindlichkeiten der Fans. Seit der 1970 von Club-Direktor Kaizer Motaung gegründete Verein in der Castle Premiership schwächelt, schlägt die Ungeduld der Amakhosi Kapriolen. Nach einem Spiel, das nicht ihren Erwartungen entsprach, setzten die Fans sogar schon mal die Bestuhlung der Tribünen in Brand.

Middendorps neuer Arbeitgeber ist für Südafrika in etwa das, was Bayern München für Deutschland ist. Obwohl die Kaizer Chiefs ihre Heimat in Johannesburgs schwarzem Township Soweto haben, kommen sie landesweit auf eine Fan-Gemeinde von 14 Millionen Menschen. Für 36 Prozent aller Südafrikaner ist es ihr ihr Lieblingsclub. Kaum ein Sammeltaxi zwischen Kapstadt und Durban, das am Heck nicht ein Aufkleber der Chiefs oder ihres Erzrivalen Orlando Pireates ziert, von denen sich Middendorps Truppe einst abspaltete. Der vor allem bei der schwarzen Bevölkerung hoch im Kurs stehende Fußball bot schon zu Apartheid-Zeiten ein Ventil, um Dampf abzulassen.

Middendorp, der sich Ende Juni bei den Kaizer Chiefs für zwei Jahre verpflichtet hatte, sind Afrikas Besonderheiten nicht fremd. Zuvor hatte er in Ghana die Top-Clubs Asante Kotoko und Hearts of Oak trainiert. «Es gibt hier die Neigung zur Überschwänglichkeit, die Stimmung schlägt sehr schnell um», hat Middendorp beobachtet. Er lässt sich nicht entmutigen von der Tatsache, dass Südafrika in Sachen Trainern eine schnelle Verfallzeit hat. In sieben Jahren hat der Kap-Staat, der sich nicht für die Fußball-WM in Deutschland qualifizieren konnte, acht Nationaltrainer verschlissen.

So mancher wie der spätere Real Madrid-Trainer Carlos Queiroz hat Südafrika in Ungnade verlassen, um dann an anderem Ort die eigenen Fähigkeiten aufblitzen zu lassen. Middendorp dagegen ist fest entschlossen, es den Fans zu beweisen und nicht einfach schon nach dem ersten Gewitter hinzuschmeißen: «Ich habe jetzt eine Richtung eingeschlagen, an der ich auch weiter festhalten will.» Ob er zur Fußball-WM 2010 in Südafrika noch Trainer sein wird? «Das schließe ich nicht aus», sagt Middendorp. Allerdings, so gibt er zu bedenken, sei bis dahin noch eine Menge Arbeit nötig – gerade bei den WM- Organisatoren. «In Sachen Sicherheit, Transport und Stadien», so meint er nachdenklich, «bin ich nicht davon überzeugt, dass sich Südafrika schon da befindet, wo es sein sollte.»

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