Hoeneß bestätigt Trennung von Trainer Hitzfeld

Hoeneß bestätigt Trennung von Trainer Hitzfeld
Hoeneß bestätigt Trennung von Trainer Hitzfeld
Ottmar Hitzfeld während einer Pressekonferenz am 13. Mai.

München (dpa) – Die Ära Ottmar Hitzfelds beim FC Bayern München ist mit dem letzten Spieltag der aktuellen Bundesliga-Saison nach sechs Jahren und acht großen Titeln zu Ende. Manager Uli Hoeneß bestätigte den vorzeitigen Trainerwechsel nach längerem Schweigen.

«Ich habe Ottmar die Erklärung gegeben, und die hat er auch akzeptiert», sagte er der Münchner «Abendzeitung». In einem Gespräch in seinem Privathaus habe er dem 55 Jahre alten Fußball-Lehrer eröffnet, dass sich der FC Bayern vorzeitig von ihm trennen werde. Doch während sich der Erfolgstrainer erst nach einem Freundschaftsspiel in Ungarn zum Wechsel äußern sollte, wurde bereits vorher scharfe Kritik an der Politik der Bayern-Führung laut.

Ausschlaggebend war laut Hoeneß das 1:3 gegen Werder Bremen vor zehn Tagen. «Das Spiel hat die Welt verändert. Da ist mir klar geworden, dass wir nicht noch ein Jahr durchstehen. Nach dem Spiel fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Es geht nicht», sagte Hoeneß. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) würdigte bei einem von einem Sponsor (Audi) vereinbarten Freundschaftsspiel der Bayern beim ungarischen Club FC ETO Györ die Verdienste Hitzfelds, begrüßte aber den Wechsel. Hitzfeld sei ein «großer Trainer, dem der FC Bayern ungeheuer viel zu verdanken hat». Aber: «Es ist nicht zu verkennen gewesen, dass diese Mannschaft an Feuer und Leidenschaft verloren hatte. Ich hoffe, dass das wieder entfacht wird.»

Ob wie allgemein spekuliert Felix Magath vom VfB Stuttgart als Hitzfeld-Nachfolger zu den Bayern kommt, wollte Hoeneß nicht bestätigen: «Das werden wir am Wochenende nach dem Ende der Bundesliga bekannt geben.» Magath selbst gab sich geheimnisvoll. «Wir sind hier in Stuttgart und nicht in München», sagte der VfB- Teammanager auf dpa-Anfrage. «Für mich gilt der Stand vom letzten Samstag. Alle Konzentration gilt dem Spiel gegen Leverkusen», sagte VfB-Präsident Erwin Staudt.

Für den unwürdig wirkenden Umgang mit dem Gentleman Hitzfeld erntete die Bayern-Führung scharfe Kritik. Lothar Matthäus bezeichnete die Vorgänge bei seinem Ex-Verein als «traurige Geschichte» und Hitzfeld als «Bauernopfer». Der ungarische Nationaltrainer erklärte in Györ vor Journalisten: «Wie die Sache abgelaufen ist, zeigt die fehlende Souveränität des FC Bayern in den letzten zwölf Monaten. Ist nur der Trainer schuld an der Situation? Der Fisch fängt immer am Kopf zu stinken an.» Bayern-Kapitän Oliver Kahn sagte: «Ich denke, es wäre klüger gewesen, zu einem früheren Zeitpunkt klar Schiff zu machen.»

Hitzfeld wird im «Endspiel» um die direkte Champions-League- Qualifikation gegen den SC Freiburg zum letzten Mal bei einem Bundesliga-Spiel als Trainer auf der Bayern-Bank sitzen. Die vorzeitige Trennung kam nach Tagen der Spekulationen und einer äußerst unklaren Informationspolitik der Bayern-Führung nicht mehr unerwartet. Zuvor hatte die «Bild»-Zeitung berichtet, dass Hoeneß den Trainer von der angeblich in den Führungsgremien des Vereins schon länger beschlossenen Trennung zum Saisonende unterrichtet habe. Offizielle Erklärungen von Bayern-Seite gab es jedoch bis nach dem Györ-Spiel trotz eines TV-Auftritts von Hoeneß nicht.

Hitzfeld soll angeblich eine Abfindung von rund 4,5 Millionen Euro erhalten. Der erfolgreichste deutsche Vereinstrainer war seit 1998 in München engagiert. In sechs Jahren holte er mit den Bayern den Weltpokal (2001), die Champions League (2001), vier Meistertitel sowie zwei Mal den DFB-Pokal.

Der Erfolgstrainer erntete für sein loyales Verhalten viel Lob. «Er reagiert auch hier mit unglaublich viel Charakter, mit sehr viel Stil», sagte Kahn. Sein Kollege Michael Ballack fand: «Man muss den Hut vor ihm ziehen, wie er die Situation wegsteckt.» Ähnlich äußerte sich Hitzfelds designierter Nachfolger Magath: «Ich bewundere Ottmar Hitzfeld, wie er mit dieser Situation umgeht. Dem gebührt höchster Respekt.»

Schreibe einen Kommentar