Herthas Trainer Meyer gibt Hoeneß einen Korb

Herthas Trainer Meyer gibt Hoeneß einen Korb
Herthas Trainer Meyer gibt Hoeneß einen Korb
Hans Meyer gestikuliert während der Partie in Gladbach.

Berlin (dpa) – Die definitive Absage von Hans Meyer bringt die abstiegsgefährdete Hertha in neuen Zugzwang. Ab sofort sucht der Hauptstadtclub ganz offiziell einen Cheftrainer, der für die kommende Saison ein neues, stärkeres Team formen soll – unabhängig von der Spielklasse.

«Es gibt einige Kandidaten, die in unser Anforderungsprofil passen. Zwei, drei sind favorisiert», erklärte der Manager des Berliner Fußball-Bundesligisten, Dieter Hoeneß, nachdem sein Buhlen um eine Vertragsverlängerung mit dem 61-jährigen Meyer endgültig gescheitert war. Als erste Kandidaten gelten der ehemalige Hannoveraner Ralf Rangnick und der bei 1860 München entlassene Ex-Berliner Falko Götz.

«Ich habe entschieden, dass mein Leben anders aussieht als auf der Bank. Und das nicht erst jetzt», bekräftigte Meyer. Die Rettungsaktion bei Hertha BSC, das fünf Spieltage vor Ende der Saison auf Abstiegsplatz 16 steht, bezeichnete er als «Unterbrechung des Rentnerdaseins». Dass der Korb von Meyer einen negativen Einfluss auf die laufende Saison haben könnte, ist für Hoeneß kein Thema: «Erstens hat Hans Meyer überhaupt kein Autoritätsproblem. Und zweitens ist die Motivation, in der 1. Liga zu bleiben, völlig unabhängig vom Trainer. Sonst müsste sich der betreffende Spieler einen neuen Job suchen.»

Auch viele Gespräche und reichlich Geld konnten Meyer nicht von seinem Entschluss abbringen, den er beim Amtsantritt in Berlin im Dezember vergangenen Jahres nannte und nun wiederholte: «Nach fünf Monaten wird die Cheftrainer-Funktion von Meyer für Hertha nicht mehr existieren.» Das Werben von Hoeneß sei zwar «legitim» gewesen, aber da hätte er sich schon «in einen Spieler verlieben» oder «die Ehrenbürgerschaft von Berlin bekommen» müssen, um seine Meinung zu ändern, ergänzte der «harte Hans».

Hoeneß will nun ohne weiteren Zeitverzug die Gespräche mit den Trainer-Kandidaten aufnehmen und geknüpfte Kontakte intensivieren. So hatte er bereits in der Zeit des ominösen Ultimatums für Huub Stevens mit Islands Nationalcoach Asgeir Sigurvinsson gesprochen. «Unser Bestreben ist es, das Thema möglichst frühzeitig zu erledigen», betonte er mit dem Hinweis auf die zu lösenden Fragen im Profikader. Dass beim Tabellen-16. insgesamt einiges mehr im Argen liegt, deutete Meyer an: «Es ist da ein bisschen was an Arbeit nötig, unabhängig ob in der 1. oder 2. Liga.»

16 Punkte aus 12 Spielen hat Meyer bisher mit Hertha geholt. Dennoch bleibt die Lage prekär. «Ich bin nicht ganz sicher, ob wir drin bleiben. Aber unsere Chancen sind noch sehr solide und sehr robust», sagte Meyer und stellte die Zuversicht in den Vordergrund. Hoeneß hatte dem erfahrenen Trainer auch für einen Neuaufbau in Liga zwei ein Angebot gemacht. Bis zuletzt hatte er bei Meyer auf einen Stimmungsumschwung gehofft – vergeblich. Er wünsche «dem Dieter eine glückliche Hand», gab der alte Trainer dem Manager bei der Suche nach dem neuen mit auf den Weg.

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