Herthas Rettungsfeier ohne «Glücksgriff» Meyer

Herthas Rettungsfeier ohne «Glücksgriff» Meyer
Herthas Rettungsfeier ohne «Glücksgriff» Meyer
Hertha-Trainer Hans Meyer hebt den Daumen.

München (dpa) – Der glücklichen Rettung folgten die große Erleichterung und eine lange Party, doch nur eine schonungslose Analyse der Pleitenserie 2003/04 kann Hertha BSC neues Unheil ersparen.

«Wir werden aus dieser Saison unsere Lehren und Erfahrungen ziehen», versprach Manager Dieter Hoeneß gleich nach dem erlösenden 1:1 (0:1) beim TSV 1860 München. Das Zitterspiel bei den «Löwen» hatte in 90 Minuten noch einmal die komplett verkorkste Spielzeit widergespiegelt: «Aufstehen, dann wieder ein Rückschlag, Aufstehen, Rückschlag», beschrieb Hoeneß die «Horror-Monate».

Hans Meyer blieb nach den finalen Minuten mit dem späten Ausgleich durch Jungprofi Alexander Madlung (82.) und dem verschossenen Elfmeter des Münchners Francis Kioyo (89.) ungewöhnlich cool: «Das ist eine Riesenfreude, das ist logisch nach einer verrückten Saison.» Hoeneß, der seinem Coach nach Schlusspfiff in München mit feuchten Augen um den Hals gefallen war, meinte: «Das war ein Glücksgriff für uns. Er hat einen tollen Job gemacht.» Zu Beginn der Rückrunde hatte Meyer den Niederländer Huub Stevens abgelöst. Viel zu spät – müssen sich die Hertha-Macher als größten Fehler der Saison eingestehen.

Ob der Hauptstadt-Club, noch immer mit dem Anspruch die dritte Kraft im deutschen Fußball zu werden, die vergangenen Monate richtig einordnet, wird sich spätestens auf der Mitgliederversammlung am 24. Mai zeigen. Mit Ambitionen auf einen Platz im internationalen Geschäft und einer vermeintlich verstärkten Mannschaft waren die Berliner in die Saison gestartet. Der Irrtum ist entlarvt, doch die Gefahr der Selbstüberschätzung lauert weiter. «Ungeachtet der nicht guten Saison: In der Rückrunde haben wir fast alles richtig gemacht. Und die Mannschaft hat Charakter gezeigt», meinte Hoeneß.

Nur wenn der Club und der neue Trainer Falko Götz dem Team ein völlig neues Gesicht geben und dabei auch unpopuläre Maßnahmen nicht scheuen, lässt sich eine Wiederholung der schwarzen Saison vermeiden. Der aktuellen Hertha-Elf fehlen Charisma, Führungskräfte und Klasse. Erst im Endspurt zeigten die Berliner Profis Herzblut, reparierten durch drei Heimsiege in Serie den Draht zu ihren eigenen Fans.

«Dass die Jungs nicht so schlecht waren, wie sie in der ersten Halbserie gespielt haben, war klar. Aber es war kompliziert, mit 13 Punkten zu starten», erklärte Meyer, der überraschend bei der Rettungsfeier in einem Charlottenburger Restaurant fehlte. Stattdessen blieb der Trainer in München und saß bei seinem reaktivierten Partner DSF am TV-Stammtisch.

«Ich bin froh, dass wir uns den Krimi am letzten Spieltag gegen Köln erspart haben», sagte Meyer zum vorzeitig gesicherten Klassenverbleib. Und aus den Niederlanden meldete sich Ex-Coach Stevens mit einem Eingeständnis: «Natürlich habe ich gezittert. Es war ja meine Mannschaft, es waren meine Spieler, so eine anstrengende Saison haben ich noch nie erlebt. Ich bin ja mitschuldig geblieben», schrieb Stevens im Berliner «Tagesspiegel».

Mit Meyer holten die Berliner 23 Zähler, trotzdem sagte der Früh-Rentner: «Vergessen Sie das Retter.» Fans, Funktionäre und auch die Profis sehen das anders. Marcelinho & Co. präsentierten stolz ein T- Shirts mit der Aufschrift «Danke Hans». Meyers Ruhestand im heimischen Bad Hersfeld wird mit einer Nichtabstiegsprämie versüßt, die irgendwo zwischen 250 000 und 500 000 Euro liegen soll.

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