Herrlich plant zweite Karriere als Trainer

Herrlich plant zweite Karriere als Trainer
Herrlich plant zweite Karriere als Trainer
Heiko Herrlich im Trikot des Bundesligisten Borussia Dortmund.

Dortmund (dpa) – Manchmal kehrt die Angst zurück. Wenn bei Heiko Herrlich eine Nachuntersuchung ansteht, steigt die Anspannung. Dann sind die Erinnerungen an den Herbst 2000 wieder allgegenwärtig.

An die schockierende Hirntumor-Diagnose, an die quälende Ungewissheit, an die Nebenwirkungen der Strahlen-Therapie. «Ich muss jedes halbe Jahr zur Kernspintomographie. In den Tagen vorher werde ich etwas unruhig. Das ist schon eine Strapaze», gibt der ehemalige Krebspatient zu.

Die Bilder vom kahlköpfigen und abgemagerten Leistungssportler bewegten damals die Massen. Genau wie die Art und Weise, wie er sein plötzliches Schicksal meisterte. Kein halbes Jahr später stand er wieder auf dem Fußball-Platz – voller Hoffnung, wieder an sein altes Leistungsvermögen anknüpfen zu können. Doch just, als er seinem Ziel nahe schien, hatte er Pech. Bei einem Zusammenstoß im Training zwei Tage vor dem Meisterschafts-Finale 2001/2002 mit Sunday Oliseh brach er sich das Nasen- und Jochbein.

Danach war nichts mehr wie früher. «Nach dieser Verletzung bin ich meine Ängste nicht mehr losgeworden», bekannte Herrlich, «meine rechte Gesichtshälfte war total zerstört.» Schon im Krankenhaus kamen ihm erste Gedanken an das Karriereende. «Ich habe vier Monate gebraucht, um wieder geradeaus schauen zu können. Noch heute trage ich eine Metallplatte unter dem Auge.»

Erneut kämpfte er um Anschluss. Da sich das alte Feuer jedoch nicht mehr entfachen ließ, zog der 32-Jährige vor wenigen Wochen einen Schlussstrich – ungeachtet der üppigen Bezüge, die ihm ein bis 2005 datierter Profi-Vetrag garantiert hätte. Ein Praktikum in der Amateur- und Nachwuchs-Abteilung der Borussia soll ihn auf seine in der kommenden Saison anstehende Ausbildung zum Fußball-Lehrer vorbereiten. «Er ist hervorragend geeignet, seine Erfahrungen an junge Spieler weiterzugeben», glaubt BVB-Manager Michael Meier.

Wer es ohne Übermaß an Talent zum Bundesliga-Torschützenkönig (1995) gebracht hat, kennt den Weg zum Erfolg: «Ich bin in meiner Karriere nicht so weit gekommen, weil ich ein klasse Arschwackler war wie ein Amoroso.» Mit ähnlicher Professionalität geht der fünfmalige Nationalspieler nun seine zweite Karriere an. An der Seite seines Entdeckers und derzeitigen BVB-Amateurcoaches Horst Köppel sammelt er erste Erfahrungen. «Der Club erfüllt mir einen Traum. Darauf bin ich stolz», betont Herrlich.

Und schon ist der alte Ehrgeiz wieder da. All jene Talente, die auf dem Sprung stehen, sollen von seinen Erfahrungen profitieren. «Viele junge Spieler wissen gar nicht, was sie erreichen können. Dass ihnen nur ein paar Prozent zur richtigen Einstellung fehlen», sagt Herrlich. Neben der Professionalität will er sie zu mehr Individualität ermuntern. Auf eine Sache aber legt er besonders großen Wert: «Die Jungs sollen von mir lernen, dass sie aufstehen müssen, wenn sie auf die Nuss gekriegt haben.»

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