Gladbachs Sportdirektor Hochstätter zurückgetreten

Gladbachs Sportdirektor Hochstätter zurückgetreten
Gladbachs Sportdirektor Hochstätter zurückgetreten
Christian Hochstätter nach dem Spiel gegen Mainz.

Mönchengladbach (dpa) – Mit einem radikalen Austausch der sportlichen Führung will Borussia Mönchengladbach den drohenden Abstieg aus der Fußball-Bundesliga verhindern. Drei Tage nach Cheftrainer Dick Advocaat erklärte auch Sportdirektor Christian Hochstätter seinen Rücktritt.

Nachfolger wird mit sofortiger Wirkung Peter Pander. «Ich bin kein Messias und als Feldspieler auch nicht mehr tauglich, aber ich kann das Umfeld beruhigen», sagte der Ex-Manager des VfL Wolfsburg bei seiner Vorstellung. «Das ist ein Neuanfang», sagte Borussia-Präsident Rolf Königs, der ungeachtet aller Turbulenzen um Gelassenheit bemüht war. «In der Bundesliga herrschen eben andere Gesetze. Und ich gehe damit ruhig um», meinte der Geschäftsmann. Pander, dem erst am Vortag der neue Job offeriert wurde, erhält einen Vertrag bis Juni 2008.

Dem 41-jährigen Hochstätter, der seit 1999 als Sportdirektor in Mönchengladbach tätig war und einen bis 2007 datierten Vertrag hatte, wird vor allem verfehlte Personalpolitik angelastet. So hatte er sowohl bei der Auswahl der Trainer als auch der Spieler keine glückliche Hand. Nach dem langjährigen Chefcoach Hans Meyer gaben Ewald Lienen (7 Monate), Holger Fach (13 Monate) und Advocaat (167 Tage) lediglich Kurz-Gastspiele am Niederrhein. Auch von den für diese Saison verpflichteten 16 Profis – allein in der Winterpause kamen sieben Neue für zusammen 3,5 Millionen Euro zur Borussia – konnte keiner kontinuierlich überzeugen. Die Gladbacher trennt als Tabellen-15. nur noch ein Punkt von einem Abstiegsplatz.

Der Abschied von Hochstätter, der dem Club 23 Jahre angehört und in 16 Jahren als Profi 339 Mal für die «Fohlen» in der Bundesliga gespielt hatte, war bereits am Wochenanfang besiegelt, aber noch geheim gehalten worden. Es sollte kein Vakuum in der Sportführung entstehen und ein ordentlicher Übergang zum Nachfolger gewährleistet sein.

Bei den Fans war er schon seit langem eine Reizfigur. So hatten sie auf einem Transparent beim ersten Training von Advocaat- Nachfolger Horst Köppel unverhohlen gefordert: «Herr Hochstätter – auch ihre Zeit ist abgelaufen.» Mit einer Klage wegen Rufschädigung drohte zudem Borussia-Profi Marcelo Pletsch, der sich von Hochstätter diffamiert («Der ist eine linke Bazille und lügt») glaubt. Die Führung der Borussia reagierte auf diese Drohung mit Härte und schickte dem zuvor schon aus dem Profi-Kader verbannten Abwehrspieler die fristlose Kündigung, wie Königs mitteilte.

Offen ließ Pander, ob Köppel nach den verbleibenden fünf Spielen wieder als Trainer zu den Amateuren zurückkehrt oder über das Saisonende hinaus im Amt bleibt. «Er ist unser Trainer, und wir müssen den Vorsprung zu einem Abstiegsplatz wieder ausbauen», sagte Pander. Auch für Köppel selbst zählt zunächst nur der Klassenerhalt und die nächste Partie beim 1. FC Nürnberg: «Ich hoffe auf den Effekt des Trainierwechsels. Auf jeden Fall habe ich das Gefühl, die Mannschaft brennt.»

Der neue Sportdirektor Pander war im August 2004 beim Liga-Rivalen VfL Wolfsburg zurückgetreten. Damals hatte er die Verantwortung für die Pleite im DFB-Pokal gegen die Amateure des 1. FC Köln übernommen. Die Niedersachsen hatten das Spiel trotz eines 3:0-Sieges verloren, weil der gesperrte Profi Marian Hristow eingesetzt worden war. In der Ära von Pander entwickelten sich die «Wölfe» von einem Drittliga-Team zum Bundesligisten, der 1995 ins DFB-Pokalfinale einzog und 1999 die UEFA-Cup-Teilnahme schaffte. «Das wird ein arbeitsreicher Sommer», sagte Pander zu seiner neuen Aufgabe in Mönchengladbach.

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