Friedel Rausch ­ Ein Kind der Bundesliga wird 70

Friedel Rausch ­ Ein Kind der Bundesliga wird 70
Friedel Rausch ­ Ein Kind der Bundesliga wird 70
Schalkes Trainer Friedel Rausch beobachtet1976 das Spiel seiner Mannschaft gegen Hertha BSC

Luzern/Frankfurt/Main (dpa) ­ Friedel Rausch bezeichnete sich mal als ein «Kind der Bundesliga». Den Start in eine der größten Sport- Erfolgsgeschichten hat er 1963 als Spieler von Schalke 04 miterlebt. Kaum zu glauben, aber wahr: Am 27. Februar wird dieses Kind schon 70 Jahre alt.

«Es ist doch egal, wie alt man ist. Hauptsache, man ist gesund», sagt der Jubilar aus dem Ruhrpott, der in der Schweiz wohnt. Seinen runden Geburtstag wird Rausch im Kreis seiner großen Familie mit Ehefrau Marlies, seinen beiden Söhnen und Schwiegertöchtern, sowie vier Enkelkindern feiern. Letztere halten den Privatier («Das klingt doch besser als Rentner») im beschaulichen Luzern auf Trab, in der Schweiz fühlt sich der Junge aus Duisburg längst wohl. Mit Tennis und Golf (Handicap 14) hält sich Rausch auch sportlich fit. Und wenige Tage vor seinem 70. erwischte man ihn mal wieder auf einer der Skipisten rund um den Vierwaldstätter See.

Rausch erfuhr aber auch am eigenen Leib, wie wichtig die Gesundheit ist. Nach zwei Embolien zog er sich vor drei Jahren vom Posten des Sportdirektors beim FC Luzern aufs Altenteil zurück. Endgültig. Dabei blickt Rausch auf ein bewegtes Fußballerleben zurück. «16 Mal sind wir umgezogen», berichtet der mittlerweile sesshafte Globetrotter, der nach seiner aktiven Karriere als eher rustikaler Abwehrspieler (170 Bundesligaspiele für Schalke) die Trainerlaufbahn einschlug. Erst als Assistent von Max Merkel, dann als Chefcoach der «Königsblauen», die er 1977 zur Vize-Meisterschaft führte.

Es folgten die Stationen Eintracht Frankfurt (Gewinn des UEFA-Cups 1980), Fenerbahce Istanbul (Pokalsieger 1982), MVV Maastricht, Iraklis Saloniki, FC Luzern (Meister 1989/Pokalsieger 1992), FC Basel, 1. FC Kaiserslautern (Vize-Meister 1994). Borussia Mönchengladbach rettete er 1998 vor dem Abstieg. Zwei Jahre später misslang ihm diese Mission mit dem 1. FC Nürnberg. Bei Eintracht Frankfurt gab er 2001 noch ein letztes kurzes, erfolgloses Intermezzo.

«Gefeiert und gefeuert» titelte einst das Fachmagazin «kicker» über das Stehaufmännchen Rausch, das auch bei Rückschlägen sein optimistisches Naturell nie verlor. Mit seiner jugendlichen Unbekümmertheit galt der Kumpeltyp stets als großer Motivator, der die Sprache der Spieler sprach. Dass er nicht bei jedem Gehör fand, liegt in der Natur der Sache.

Auf eines ist Rausch jedenfalls stolz: «Überall, wo ich weg bin, bin ich im Guten gegangen.» So pflegt er bis heute Kontakt zu seinen ehemaligen Spielern Stefan Kuntz (Kaiserslautern) und Stefan Effenberg (Gladbach) oder Nürnbergs Ex-Präsidenten Michael A. Roth. Ansonsten verfolgt er das Bundesligageschehen aus gebotener Distanz und mit großem Interesse.

Die Rückkehr auf einen der vielen Schleudersitze kommt für Rausch nicht mehr infrage. «Ich warte auf keine Anrufe mehr. Das Kapitel ist abgeschlossen, ich bin mit mir im Reinen», sagt er glaubwürdig. Er hat sich mit dem Ruhestand arrangiert. Damit steht fest: In den Hintern wird ihm kein Fußball-Funktionär mehr treten. Sein Allerwertester hatte 1969 durch einen schmerzhaften Hundebiss beim Revierderby in Dortmunds Stadion «Rote Erde» Berühmtheit erlangt.

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