Frankfurter fassungslos nach drittem Abstieg

Frankfurter fassungslos nach drittem Abstieg
Frankfurter fassungslos nach drittem Abstieg
Frankfurts Trainer Willi Reimann verlässst enttäuscht die AOL-Arena in Hamburg.

Hamburg (dpa) – Fassungslose Frankfurter Spieler und ein hilfloser Willi Reimann, der nach dem ersten Abstieg als Trainer um seinen Arbeitsplatz bangen muss – das war das trostlose Bild, das die Hessen angesichts ihres dritten Abstiegs in acht Jahren boten.

«Ich habe noch ein Jahr Vertrag und bin willens, diesen zu erfüllen», sagte der traurige Reimann, dessen Profis beim 1:2 in der AOL-Arena gegen den Hamburger SV noch einmal alles gaben. Aber es war zu wenig. «Es gibt keine automatische Trainerentlassung. Wir werden uns in Ruhe zusammensetzen und alles analysieren», sagte Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Mit Reimann wird er sich jedoch vorerst nicht treffen, denn der fuhr direkt in den Urlaub nach Sylt.

«Was die Punktzahl angeht, habe ich dem Trainer keine Vorwürfe zu machen», sagte Bruchhagen vieldeutig. Auch Reimann ist klar, dass jetzt noch einmal sein Wutausbruch von Dortmund und die folgenschwere Fünf-Spiele-Sperre auf den Tisch kommen werden. «Das wird auch in der Nachbetrachtung eine Rolle spielen, darüber bin ich mir im Klaren», meinte Reimann, der sich in Zukunft aber nicht verändern will: «Ich denke, ich bleibe der Alte.»

Mit versteinerter Miene verschwanden die Hessen in den Katakomben, kaum einer weiß bis jetzt, wie es weiter geht, denn Verträge für die kommende Saison gibt es bei der Eintracht noch nicht. «Ich werde wahrscheinlich nicht in der 2. Bundesliga spielen, aber unterschrieben habe ich noch nirgends», sagte Ioannis Amanatidis, dessen sechs Tore nicht für den Klassenverbleib reichten. Auch, weil ihm die Qualität im Team fehlt, wird er wohl von dannen ziehen. «Wir haben uns heute nichts vorzuwerfen, wir pfeifen aus dem letzten Loch», sagte Henning Bürger, der sich wahrscheinlich zum letzten Mal von den 10 000 mitgereisten Anhängern feiern ließ. Für Reimann hat der erst in der Winterpause verstärkte Aufsteiger zu oft an der Leistungsgrenze gespielt: «Entscheidend war die schwache Hinrunde mit nur zwölf Punkten. Am Ende fehlte uns die Substanz im Team.»

Finanziell sind die Hessen für die 2. Liga besser aufgestellt als im vergangenen Jahr – und sie peilen den sofortigen Wiederaufstieg an: «Wir treten dort mit ordentlichen Finanzen an», sagte Bruchhagen, der ein Zwölf-Millionen-Euro-Budget auf die Beine stellen will. Der einzige bisher feststehende Neuzugang ist bisher Arie van Lent, der von Borussia Mönchengladbach kommt.

Auf die kommende Spielzeit setzt auch Trainer Klaus Toppmöller, der den HSV nach neun Spieltagen mit nur acht Punkten übernahm und immerhin 41 Zähler holte. «Wir haben eine stolze Bilanz vorzuweisen», sagte der Coach, der auch den UI-Cup als Chance sieht. Nach dem zehnten Heimsieg, den Mehdi Mahdavikia und Sergej Barbarez mit ihren Toren sicherten, flossen reichlich Tränen. Kapitän Nico-Jan Hoogma, Marcel Maltritz, Tom Starke, Milan Fukal, Rodolfo Cardoso und Bernd Hollerbach werden gehen – als Ersatz ist bisher nur Emile Mpenza verpflichtet. «Das Haus muss Stein um Stein aufgebaut werden», deutete Toppmöller an, dass er nun endlich ein Team nach seinem Geschmack zusammenstellen kann.

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