Erstes Trapattoni-Training in Stuttgart

Erstes Trapattoni-Training in Stuttgart
Erstes Trapattoni-Training in Stuttgart
Giovanni Trapattoni (m) gibt in Stuttgart zum Trainingsauftakt Anweisungen.

Stuttgart (dpa) – Mit Szenenapplaus, «Maestro»-Rufen, aber auch mit vielen offenen Personalfragen hat die Ära Giovanni Trapattoni beim VfB Stuttgart begonnen.

Gestenreich dirigierte der Italiener vor 2000 Zuschauern das Auftakttraining des schwäbischen Fußball-Bundesligisten. Zurückhaltende Töne schlug Trapattoni dagegen beim weiter offenen Transfer von Alexander Hleb oder der Nachfolge des zu Schalke 04 gewechselten Kevin Kuranyi an. «Wenn Hleb hier bleiben will, bin ich zufrieden. Aber ich wünsche Spieler mit Begeisterung. Das muss er entscheiden. Ich Hleb bitten? Nein!», sagte der Startrainer.

Bis zum 30. Juni wird eine endgültige Entscheidung fallen. Dann soll der Weißrusse, der ebenso wie der Portugiese Fernando Meira wegen der WM-Qualifikationsspiele seinen Sommerurlaub verlängern durfte, sein erstes Training bestreiten. Bis dahin dürfte auch um die Ablösesumme gepokert werden: Englischen Medienberichten zufolge bietet Arsenal London bis zu 15 Millionen Euro, um den 24-Jährigen aus seinem bis 2008 laufendem Vertrag herauszukaufen. «Im Moment gibt es keine neue Situation. Wir wollen ihn nicht loshaben», erklärte VfB-Präsident Erwin Staudt. Kein Thema ist die Verpflichtung von Weltstar Luis Figo als möglichem Hleb-Ersatz. «Ich denke, er bleibt bei Real Madrid», sagte Trapattoni.

Ohne die Nationalspieler Andreas Hinkel, Timo Hildebrand und Thomas Hitzlsperger, die nach ihrem Einsatz beim Confederations Cup erst am 13. Juli beim Trainingslager in Irdning (Österreich) zum Team stoßen, versammelte Trapattoni 21 Akteure zur ersten Übungseinheit. Unter ihnen befanden sich die Neuzugänge Ludovic Magnin (Werder Bremen) und Daniel Bierofka (Bayer 04 Leverkusen). «Es ist für mich eine Herausforderung, unter so einem großen Trainer zu arbeiten», sagte Magnin vor neun Kamerateams und zahlreichen Journalisten aus dem In- und Ausland.

Der 66 Jahre alte Trapattoni gönnte sich trotz schwüler Hitze bei keiner der ausgedehnten Laufeinheiten oder den Gymnastikübungen eine Pause, sondern ging mit gutem Beispiel voran. Dies registrierte die schwäbische Volksseele zufrieden. Fast schon väterlich fühlte der «Maestro» einigen Spielern höchstpersönlich den Puls. «Er kann schon recht gut Deutsch und hat gesagt, er sei froh, in Stuttgart zu sein», berichtete Mittelfeldspieler Silvio Meißner.

Unterstützt wird Trapattoni von einem sechs Personen umfassenden Stab. Der neue Co-Trainer Andreas Brehme half beim Dolmetschen; zwei aus Italien mitgebrachte Spezialisten sind zuständig für Kondition und Torhüter. Hinzu kommen die bisherigen Torwarttrainer Eberhard Trautner und Jochen Rücker sowie Konditions-Fachmann Christian Kolodziej. Große Unterschiede hat Meißner nach dem ersten Aufeinandertreffen mit «Trap» noch nicht ausgemacht: «Jeder Trainer macht etwas anders. Das ist auch gut und richtig so, dass jeder seine eigene Richtung hat.»

Entscheidend ist für Trapattoni vor allem eine positive Grundstimmung: «Ich erwarte Begeisterung, und dass die Spieler mit viel Freude bei der Arbeit sind. Denn optimistisch zu sein ist im Leben sehr wichtig.» Das von ihm ausgegebene Saisonziel («Platz fünf oder ein bisschen besser») wurde von Brehme nach oben geschraubt. «Ein Giovanni Trapattoni gibt sich nicht mit einem siebten Platz zufrieden. Seine Ziele sind immer die Meisterschaft», sagte der Assistent, der im April in Unterhaching als Trainer zurückgetreten war.

Völlig unklar ist neben der Personalie Hleb auch, wer als Stürmer verpflichtet werden soll. Der Schweizer Alexander Frei (Stade Rennes) bleibt ein Kandidat. «Er ist einer von mehreren Namen», sagte Trapattoni und setzte mit Blick auf die VfB-Manager lächelnd hinzu: «Das Geld ist nicht meins.»

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