Erster deutscher Meister VfB Leipzig wird aufgelöst

Leipzig (dpa) – Auch eine letzte Gnadenfrist hat dem ersten deutschen Fußball-Meister VfB Leipzig keine Rettung mehr gebracht. Der mit 4,8 Millionen Euro verschuldete Traditionsclub wird am Ende der laufenden Saison aus dem Vereinsregister gelöscht.

Die Gläubigerversammlung hatte die Erstellung eines Insolvenzplans abgelehnt. Sowohl die Jugend-Mannschaften als auch das Herren-Team sollen zur nächsten Spielzeit in den neu gegründeten 1. FC Lokomotive Leipzig übergehen. Dies hatte die Mitgliederversammlung des VfB bereits Ende März beschlossen.

«Es ist schmerzhaft für alle Beteiligten, aber das Aus ist unvermeidbar», sagte Insolvenzverwalter Friedbert Striewe. Die Entscheidung hatte sich in den letzten Wochen bereits abgezeichnet, nachdem mehrere Gläubiger angekündigt hatten, einem Insolvenzplan unter keinen Umständen zuzustimmen. Striewe selbst hatte den Betroffenen die hoffnungslose Situation immer wieder vor Augen geführt und zuletzt sogar Not-Vorstand Torsten Kracht, der um den Erhalt des Vereins kämpfen wollte, mit einem Hausverbot bedacht.

Heftige Diskussionen wurden in Leipzig zuletzt nur noch darüber geführt, wie die vorbildliche Jugendarbeit des Vereins zu retten sei. Von einem mitteldeutschen Leistungszentrum über eine Fusion mit dem stark verfeindeten Lokalrivalen FC Sachsen bis hin zu einer Kooperation mit dem Zweitligisten Erzgebirge Aue reichten die Vorschläge, an denen sich auch die Stadt Leipzig beteiligte.

Unter Vorsitz von Sport-Bürgermeister Holger Tschense soll es am 23. April nun zu einem Fußball-Gipfel kommen, um neue Perspektiven für die desolate Lage des Fußballs in der WM-Stadt zu erarbeiten. Fest steht, dass der neue 1. FC Lokomotive mit der Männer-Mannschaft auf Kreisebene neu beginnen müsste. Die Jugend-Teams dagegen könnten in ihren bisherigen Leistungsklassen, darunter der Junioren-Bundesliga, weiter spielen.

Der VfB Leipzig wurde 1896 gegründet. 1903 gewann der Verein das erste Endspiel um die deutsche Meisterschaft, weitere Titel folgten 1906 und 1913. Zu DDR-Zeiten wurde der Verein über mehrmalige Umbenennungen zum 1. FC Lokomotive und errang vier Pokalsiege und drei Vize-Meisterschaften. Höhepunkt der Vereinsgeschichte war der Einzug ins Finale des Europapokals der Pokalsieger 1987. Im Juli 1991 wurde der Verein wieder in VfB Leipzig umbenannt und spielte 1993/94 für eine Saison in der Bundesliga. Der Versuch, nach dem Abstieg aus der 2. Liga 1998 und der ersten Insolvenz 1999 die Rückkehr auf die große Fußball-Bühne mit Profi-Bedingungen zu erzwingen, führte letztlich zum wirtschaftlichen und sportlichen Untergang.

Schreibe einen Kommentar