DFB ohne Akteneinsicht – «Bild» nennt Namen

DFB ohne Akteneinsicht – «Bild» nennt Namen
DFB ohne Akteneinsicht - «Bild» nennt Namen
Theo Zwanziger gibt in der DFB-Zentrale eine Erklärung ab.

Hamburg (dpa) – Drei Tage nach der Vernehmung von Robert Hoyzer durch die Berliner Staatsanwaltschaft hat die «Bild»-Zeitung alle Namen veröffentlicht, die der geständige Schiedsrichter im Fußball-Manipulationsskandal genannt haben soll.

Dabei handelt es sich um drei Schiedsrichter, neun Spieler der Vereine Dynamo Dresden, Chemnitzer FC, SC Paderborn und Energie Cottbus sowie einen Funktionär aus Dresden. Einer der Beschuldigten, Paderborns Mannschaftskapitän Thijs Waterink, gestand den Empfang von 10 000 Euro. Drei andere, Erstliga-Schiedsrichter Jürgen Jansen, der Cottbuser Torhüter Tomislav Piplica und der jetzige Aachener und frühere Cottbuser Spieler Laurentiu-Aurelian Reghecampf, bestritten in Eidesstattlichen Erklärungen jede Beteiligung an dem Skandal. Auch alle Spieler von Dynamo Dresden unterzeichneten entsprechende Eidesstattliche Erklärungen.

Der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger wollte die Namensliste von «Bild» bei einer Pressekonferenz am Abend des 31. Januar in Frankfurt weder bestätigen noch dementieren. Für den DFB sei ausschließlich maßgeblich die Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft, von der der Verband bislang noch keine Akteneinsicht erhalten habe. Er habe allerdings «sehr, sehr positive Gespräche» mit der Ermittlungsbehörde geführt und sei zuversichtlich, dass man «schnell» die notwendigen Informationen erhalte, um den Skandal auch durch das Sportgericht aufarbeiten und auch den kommenden Spieltag absichern zu können. Der Verband bildete eine sechsköpfige «Sonderkommission Wett- und Spielmanipulationen», die unter Führung von DFB-Justiziar Götz Eilers den «für den deutschen Fußball sehr schlimmen Fall» aufarbeiten soll.

In Thijs Waterink hat erstmals ein Spieler seine Beteiligung bestätigt. Der Mannschaftskapitän des Regionalligisten SC Paderborn sagte aus, dass er vor dem DFB-Pokalspiel des Regionalligisten gegen den Hamburger SV am 21. August 2004 (4:2) von einem unbekannten und südländisch anmutenden Mann 10 000 Euro in Empfang genommen habe. Der vom Verein suspendierte Waterink bestritt, seine Mitspieler vorab davon in Kenntnis gesetzt zu haben. Er habe erst einen Tag nach der Partie jedem Spieler 500 Euro gegeben. Auch habe der Geldbote nicht versucht, den Abwehrspieler zu Täuschungsversuchen aufzufordern. Tatsächlich hatte Hoyzer beim Stand von 0:2 nach einer Schwalbe von Waterink einen von insgesamt zwei unberechtigten Elfmetern für Paderborn gepfiffen und HSV-Angreifer Emile Mpenza nach Protesten über diese Entscheidung vom Platz gestellt.

Paderborns Club-Präsident Wilfried Finke deutete auf einer Pressekonferenz indirekt an, dass möglicherweise auch Hamburger Spieler an dem Skandal beteiligt gewesen sein könnten. «Ich habe mir die Aufzeichnungen des Spiels mehrfach angesehen. Ich meine, da sind einige Auffälligkeiten dabei», meinte er. HSV-Clubchef Bernd Hoffmann wies die Anschuldigungen als «glatte Unverschämtheit» zurück und kündigte an: «Wir werden mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen vorgehen.»

Einig sind sich beide Clubchefs lediglich, dass die Partie wiederholt werden soll. Dies hat der DFB bislang unter Hinweis auf seine Statuten abgelehnt, möglicherweise zu Unrecht. Denn die Rechts- und Verfahrensordnung des Verbandes sieht vor, dass Pokalspiele selbst im vorangeschrittenen Wettbewerbs-Stadium wiederholt werden können, wenn ein zuvor eingeleitetes Verfahren noch anhängig ist. Ein solches hatte der DFB-Kontrollausschuss unter seinem Vorsitzenden Horst Hilpert im August nach einer Anzeige des Wettanbieters Oddset eröffnet, danach ruhen lassen und erst vor zwei Wochen wieder aufgenommen.

Unterdessen geriet der DFB unter Rechtfertigungsdruck, warum er frühzeitigen Hinweisen nicht konsequent genug nachgegangen ist. Der staatliche Wettanbieter Oddset bekräftigte in einer Presseerklärung, er habe den DFB am 23. August 2004 bereits zwei Tage nach dem Pokalspiel in Paderborn über Unregelmäßigkeiten informiert. Zunächst wurde DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt unterrichtet. Nachdem dieser um eine schriftliche Stellungnahme gebeten hatte, schickte Oddset noch am gleichen Tag ein der dpa vorliegendes Telefax an die Verbandszentrale. Der DFB hatte die Existenz des Briefes bestätigt.

In diesem Schreiben hielt Oddset fest, dass sowohl vor dem Paderborn-Spiel als auch vor der ebenfalls von Hoyzer geleiteten Regionalliga-Partie Eintracht Braunschweig – FC St. Pauli (3:2/5. Juni 2004) auffällig hohe Wetteinsätze ausschließlich in Berlin getätigt worden waren. Schon damals stellte der Wettanbieter einen direkten Zusammenhang zwischen Hoyzers fragwürdigen Entscheidungen und ungewöhnlichem Wettverhalten her.

DFB-Präsident Mayer-Vorfelder hatte in der ARD- Sendung «Sabine Christiansen» erklärt, das Oddset-Schreiben sei kein Hinweis auf mögliche Manipulationen gewesen. Zwanziger – zum damaligen Zeitpunkt noch «Vize» – erfuhr nach eigenen Angaben erst am 22. Januar von der Existenz der Oddset-Warnung.

Die im Zusammenhang mit dem Wettskandal ebenfalls genannten Clubs Chemnitzer FC und Dynamo Dresden beteuerten ihre Unschuld. «Es ist ein Phänomen, wie drei Zeilen in einer Zeitung einen ganzen Volksstamm verrückt machen», sagte Dynamo Dresdens Geschäftsführer Volkmar Köster. Er könne sich nicht erklären, wie der Verein mit dem Skandal in Zusammenhang gebracht werden könne. «Es gibt keine Namen, keine Adressen, keine konkreten Vorwürfe. Solange das nicht vorliegt, werden wir uns nicht beunruhigen», so Köster.

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