Deislers Comeback keine rauschende Feier

Deislers Comeback keine rauschende Feier
Deislers Comeback keine rauschende Feier
Sebastian Deisler (r) und Slivio Meißner kämpfen um den Ball.

Stuttgart (dpa) – Um 16.48 Uhr war die lange Leidenszeit endlich beendet. Nach halbjähriger Krankheitspause gab Sebastian Deisler sein Comeback in der Fußball-Bundesliga.

Keine rauschende Feier, was angesichts der enttäuschenden Vorstellung seiner Kollegen bei der 1:3-Pleite beim VfB Stuttgart nicht möglich war, aber ein solider, ihm persönlich und dem FC Bayern München Hoffnung machender Neubeginn. «Trotz der Niederlage hab‘ ich mich gefreut, wieder Bundesliga zu spielen», sagte der 24 Jahre alte Nationalspieler.

Am 9. November 2003 hatte der sensible Mittelfeldakteur beim 4:1 der Bayern über Borussia Dortmund letztmals in der 1. Liga gespielt. Dann war wegen schwerer Depressionen Schluss. Drei Monate ließ sich Deisler, anfangs völlig abgeschottet von der Öffentlichkeit, behandeln. Der im Fokus stehende Kicker tabuisierte seine psychische Erkrankung nicht, sondern stand zu seinen Problemen. Sein Arzt Florian Holsboer lobte Deislers offensiven Umgang mit der Krankheit als «Heldentat.»

Mühsam kämpfte sich der seit März wieder trainierende Deisler nach seiner Genesung an die Mannschaft heran. Bei Freundschaftspartien und vier Einsätzen im Regionalliga-Team sammelte er Spielpraxis. Gegen Werder Bremen vor einer Woche saß der Supertechniker erstmals wieder auf der Bank, nachdem muskuläre Probleme sein Comeback beim Münchner Derby gegen 1860 verhindert hatten. Im brisanten Süd-Schlager klappte es nun endlich: In der 61. Minute wechselte Trainer Ottmar Hitzfeld seinen Schützling beim schon hoffnungslosen Stand von 0:3 ein.

Ein paar Pässe, vier harmlose Torschüsse – so lautete Deislers Bilanz. Große Akzente konnte er in einer eh‘ schon verlorenen Partie nicht mehr setzen. «Ich fühle mich sehr gut», sagte Deisler nach seinem halbstündigen Einsatz dennoch zufrieden. Für ihn persönlich war die Rückkehr trotz der 1:3-Pleite ein Sieg. Bis er zur Top-Form zurückfindet, wird noch einige Zeit dauern. Ob es bis zu der in vier Wochen beginnenden Europameisterschaft reicht, scheint eher fraglich. Teamchef Rudi Völler hat dem 19-maligen Nationalspieler Hoffnungen gemacht, den Sprung in den Kader schaffen zu können. Aber die EM war in Stuttgart kein Thema für Deisler. «Ich bin froh, dass ich jetzt mein erstes Bundesliga-Spiel gemacht habe», sagte er nur.

Schreibe einen Kommentar