Deisler hat noch EM-Hoffnungen

Deisler hat noch EM-Hoffnungen
Deisler hat noch EM-Hoffnungen
Sebastian Deisler schaut aus dem Fenster.

München (dpa) – Sebastian Deisler hat seinen Traum von der Teilnahme an der Fußball-Europameisterschaft trotz der Verzögerungen beim Bundesliga-Comeback noch nicht aufgegeben.

Der von einer Depressionserkrankung genesene Nationalspieler des FC Bayern München schloss knapp sieben Wochen vor EM-Beginn einen möglichen Einsatz in Portugal nicht aus. Nach eigenen Angaben fühlt er sich mental stark genug für die am 12. Juni beginnenden Titelkämpfe. «Ich würde es mir innerlich zutrauen», sagte Deisler in der ARD-Sendung «Beckmann» – seinem ersten großen Fernseh-Interview seit der Erkrankung – überraschend optimistisch.

In der Bundesliga war das Deisler-Comeback in den vergangenen Wochen mehrfach erwartet worden, aber zuletzt sah es nicht danach aus. Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld hatte zwar Deislers mögliche Rückkehr in den Kader für das Münchner Derby gegen den TSV 1860 in Aussicht gestellt. Doch wegen «muskulärer Probleme» saß der 24-Jährige nicht auf der Bank. Sein letzter Bundesliga-Einsatz datiert vom 9. November vergangenen Jahres gegen Borussia Dortmund (4:1). Am 24. Mai, zwei Tage nach dem letzten Bundesliga-Spieltag, nominiert Teamchef Rudi Völler seinen EM-Kader.

Festlegen wollte sich Deisler beim Thema Nationalmannschaft nicht. «Das weiß ich nicht», antwortete der ins Studio zugeschaltete Profi auf die Frage, ob sich sein EM-Traum noch erfüllen könne. «Erstmal freue ich mich, dass Rudi Völler gesagt hat, dass für mich die Tür bis zum Schluss offen steht.» Eine eventuelle Rückkehr würde ihn «unheimlich freuen». Deisler: «Wer weiß, vielleicht spiele ich die nächsten Spiele. Ich habe einiges aufzuholen, was die Spielpraxis anbelangt. Da könnte ich trainieren. Da sind gute Ärzte, gute Physiotherapeuten. Das wäre nicht schlecht.»

Wirklich realistisch ist ein Comeback bei der EM ohne Bundesliga-Praxis nicht. Deisler hatte sich von November bis Januar der Behandlung der Depressionen unterzogen und trainiert seit Mitte März wieder mit den Bayern. Zuletzt absolvierte er vier Pflichtspiel-Einsätze im Regionalliga-Team.

Die Verantwortlichen beim FC Bayern und der Nationalmannschaft vermieden es, den sensiblen Star unter Druck zu setzen. «Es gibt immer ein kleines Fünkchen Hoffnung, aber ich bin bekannt dafür, ein großer Realist zu sein», sagte Völler. Der DFB-Teamchef hat Deisler offensichtlich vor allem bei den Planungen für die Weltmeisterschaft 2006 auf der Rechnung: «Es gibt noch ein Leben nach der EM.»

Deisler sprach in der Talkshow offen über die oft tabuisierte Krankheit, berichtete von einem «Blackout» und, dass es «einfach nicht mehr weiter ging». Deisler hatte damals der öffentlichen Bekanntmachung seines Zustands zugestimmt, was sein Arzt Florian Holsboer als «Heldentat» lobte. «Ich hatte keine Lust, etwas zu verheimlichen oder eine Grippe vorzutäuschen oder einen komischen Virus, der noch nicht entdeckt ist», so Deisler.

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