Das große Zittern: DFL verteilt «Blaue Briefe» an die Clubs

Das große Zittern: DFL verteilt «Blaue Briefe» an die Clubs
Das große Zittern: DFL verteilt «Blaue Briefe» an die Clubs
FCK-Chef Rene Jäggi blickt realistisch in die Zukunft.

Hamburg (dpa) – In dieser Woche kommen die «Blauen Briefe»: Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) unterrichtet die 36 Profivereine, ob und unter welchen Auflagen sie die Lizenz für die kommende Saison erhalten.

«Bis zum Wochenende, werden die Vereine unsere Briefe haben», sagte DFL-Pressechef Tom Bender. Ähnlich wie im vergangenen Jahr werden rund ein Dutzend Vereine nachbessern müssen, um die Lizenz zu bekommen. Bewahrheiten sich die in der vergangenen Woche aufgekommenen Gerüchte, sind zwei Zweitligisten und ein Erstliga-Verein sogar von der Lizenzverweigerung bedroht.

Aus der Bundesliga könnte es Borussia Dortmund und den Hamburger SV, viel wahrscheinlicher jedoch den 1. FC Kaiserslautern treffen. FCK-Vorstandschef Rene C. Jäggi sieht seinen sportlich wie wirtschaftlich angeschlagenen Club, der für das laufende Geschäftsjahr einen Verlust in Höhe von 8,2 Millionen Euro prognostiziert hat, allerdings nur im Fall des Abstiegs bedroht. «Sollten wir absteigen, dann ist die Lizenz absolut in Gefahr», sagte er nach dem 0:6-Debakel bei Bayer Leverkusen. Nur das bessere Torverhältnis trennt die «Roten Teufel» gegenüber Hertha BSC vom 16. Platz.

Bereits vor einem Jahr entgingen die Pfälzer nur knapp dem Zwangsabstieg in die dritte Liga. Der Drei-Punkte-Abzug wegen Lizenzverstößen könnte in diesem Jahr für den Abstieg verantwortlich sein, schwer wiegen aber auch die im letzten Jahr von der DFL angeordneten Bedingungen. So dürfen die Lauterer den elf Spielern, deren Verträge in diesem Jahr auslaufen, im Falle einer Verlängerung nur noch drastisch um etwa ein Drittel reduzierte Gehälter anbieten. «Uns sind die Hände gebunden. Wir können nur an die Ehre der Spieler appellieren», meinte Jäggi in der «Bild»-Zeitung.

Mit Unbehagen wartet man auch bei Borussia Dortmund, das in der Halbjahresbilanz einen Verlust von 29,4 Millionen Euro ausgewiesen hatte, auf die DFL-Post. In der vergangenen Woche hatten BVB-Präsident Gerd Niebaum und Manager Michael Meier den DFL- Finanzexperten in Frankfurt stundenlang ihr Sanierungskonzept erläutert und erste Erfolgsmeldungen präsentiert: Sunday Oliseh erhielt die fristlose Kündigung; Marcio Amoroso und Giuseppe Reina wurden von der Gehaltsliste gestrichen; Stefan Reuter und Heiko Herrlich werden im Sommer folgen.

Ob diese Einschnitte ausreichen, ist zweifelhaft. Und daher dürfte im Fall des BVB die spannende Frage sein, welche Transfererlöse die DFL in den kommenden Wochen verlangt, ehe die Spielgenehmigung erteilt wird. Dann wird sich zeigen, ob «BVB-Juwelen» wie Tomas Rosicky oder Torsten Frings gehalten werden können oder nicht.

Beim Hamburger SV kann man indes gar nicht verstehen, wie man auf die Liste der angeblich gefährdeten Vereine geraten konnte. «Wir haben weder Verhandlungen mit einer Finanzagentur aufgenommen, noch gibt es irgendwelche Hinweise der DFL auf etwaige Probleme mit der Lizenz», beteuerte der HSV-Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann. Nachdem die Hanseaten in der vergangenen Saison ein Defizit von 14,5 Millionen Euro erwirtschaftet hatten, verspricht Hoffmann für das laufende Spieljahr ein ausgeglichenes Ergebnis: «Wir schreiben in dieser Saison eine schwarze Null.»

Nach Zugang der Bescheide haben die Vereine rund vier Wochen Zeit, um die Bedingungen zu erfüllen. Danach würde der Vorstand des Ligaverbandes über die Lizenzvergabe entscheiden, letzte Instanz bei einer Beschwerde wäre das Sportgericht.

Schreibe einen Kommentar