Tottenham-Coach Mourinho und die neue Gelassenheit

Tottenham-Coach Mourinho und die neue Gelassenheit
Bildhinweis: José Mourinho steht nun bei Tottenham Hotspur an der Seitenlinie. Foto: Jonathan Brady/PA Wire/dpa

London (dpa) – José Mourinho gibt sich gelassen. Der neue, zuweilen so exzentrische Trainer von Tottenham Hotspur hat dafür aber auch guten Grund – wenn er mit den Spurs am Mittwochabend (21.00 Uhr/Sky) in der Champions League beim FC Bayern antritt, geht es im Grunde um nichts mehr.

«Das Spiel ist aber eine sehr gute Möglichkeit für einige Spieler, sich zu zeigen. Wir werden einige Veränderungen vornehmen und Spielern eine Pause geben», sagte Mourinho am Dienstagabend in der Münchner Arena.

Beide Mannschaften sind bereits für das Achtelfinale qualifiziert, die Bayern als Gruppenerster. Und der vor Monaten bei Manchester United so verbittert wirkende Mourinho kann sich etwas zurücklehnen, zumal er für das katastrophale 2:7 im Hinspiel nicht verantwortlich war.

«Aus emotionaler Sicht bin ich entspannt», hatte der Portugiese schon vor knapp drei Wochen bei seinem Amtsantritt gesagt. «Ich bin motiviert, ich bin bereit.» Tatsächlich strahlt Mourinho eine neue, positive Energie aus, die er schon verloren zu haben schien. Die elfmonatige Pause nach seinem Aus beim Rekordmeister Man United tat ihm sichtbar gut, wie Mourinho selbst bestätigte.

Komplett verändert hat er sich aber nicht. «Ich bin immer der gleiche Mensch. Ich kann glücklicher sein oder unglücklicher. Ich kann den Club mehr lieben oder weniger», sagte Mourinho. «Ich glaube nicht, dass ich mich da sehr verändert habe.»

Seine Zeit als «The Special One» ist aber offenbar vorbei. Zumindest vorerst. «Es geht hier nicht um mich», betonte Mourinho und sprach von einer neuen Phase seines Lebens. «In der geht es um die Fans meines Vereins, meine Spieler. Ich bin nur hier, um zu versuchen, allen zu helfen.» Das klappt bisher ganz gut.

Vier von fünf Spielen unter Mourinho gewannen die Spurs. Den drei Siegen gegen West Ham United, Olympiakos Piräus und den AFC Bournemouth folgte eine Niederlage – und die ausgerechnet bei seinem Ex-Club in Manchester. Jedes Mal kassierte Tottenham zwei Gegentore.

Am Samstag beim überragenden 5:0 gegen den FC Burnley spielten die Spurs zu Null und zeigten ihre bisher beste Angriffsleistung unter Mourinho. «Es gibt noch ein paar Löcher und Gelegenheiten für die Gegner, aber wir waren viel, viel, viel stabiler», lobte der Coach und geriet richtig ins Schwärmen. «Das ist der beste Tag, weil es eine komplette Leistung war. Es war perfekt.»

Dass die Spurs in München eine ähnliche Vorstellung zeigen, ist nicht zu erwarten. Nicht, weil sie im Hinspiel gegen die Bayern – unter Mourinhos Vorgänger Mauricio Pochettino – desaströs mit 2:7 untergegangen waren, sondern weil Mourinho am Mittwoch mehrere Profis schonen will. Neben Stürmerstar Harry Kane, der gegen Burnley doppelt traf, könnten auch Torschütze Heung-Min Son und der unter Mourinho wiedererstarkte Offensivspieler Dele Alli außen vor bleiben.

Gut möglich, dass Mourinho Jungstars wie Troy Parrott, Juan Foyth, oder Giovani Lo Celso in der Allianz-Arena in die Startelf beordert. «Das ist sehr wichtig für die Spieler», sagte er. Ein Signal für eine weitere Sinneswandlung Mourinhos? In der Vergangenheit wurde er mitunter dafür kritisiert, zu wenig auf den Nachwuchs zu setzen. Bei Tottenham wird darauf jedoch besonders viel Wert gelegt. «Die Fans wollen sehen, dass auch junge Spieler eine Chance bekommen», sagte Mourinho.

Dass der Spurs-Coach für neue oder andere Denkansätze und Methoden offen ist, hat er schon angedeutet. «Es ist dieselbe Persönlichkeit, dasselbe Gemüt», sagte Mourinho bei seiner Vorstellung im November über sich, «aber ich sehe die Dinge aus einer anderen Perspektive.»

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