Liverpool beginnt Reise durch Fußball-Provinz

Liverpool beginnt Reise durch Fußball-Provinz
Liverpool beginnt Reise durch Fußball-Provinz
Steven Gerrard im Moment des Triumphs nach dem Champions-League-Finale.

London (dpa) – Zum ersten Mal in der Geschichte muss der Champions-League-Sieger durch die europäische Fußball-Provinz tingeln, um sich für die lukrative Königsklasse zu qualifizieren.

Doch der FC Liverpool ist glücklich und dankbar, gegen den walisischen Meister TNS aus dem 1000-Seelen-Dorf Llansantffraid anzutreten. Denn noch vor gut einem Monat mussten die Engländer davon ausgehen, nur im UEFA-Cup an den Start gehen zu können. Als Fünfter der Premier League hatte Liverpool die Qualifikation zur Champions League verpasst. Doch am 10. Juni erteilte die Europäische Fußball-Union (UEFA) dem Titelverteidiger eine Ausnahmeerlaubnis.

Die Auslosung hätte keine kuriosere Paarung ergeben können: Die Stadien der beiden Clubs liegen gerade einmal 60 Kilometer auseinander. Der Verein wollte seinen Platz in der Champions-League-Qualifikation sogar freiwillig an den FC abgeben. Die meisten TNS-Spieler wohnen sogar in Liverpool. Sie standen schon oft auf der Tribüne der Anfield Road, um ihren Idolen Steven Gerrard, Dietmar Hamann oder Milan Baros zuzujubeln.

«Für uns ist ein Traum wahrgeworden», schwärmt TNS-Präsident Mike Harris. Stürmer John Lawless und Mittelfeldspieler Steven Beck hatten vor Freude geweint, als sie vom Traumlos erfuhren. Sie sind in Liverpool geboren und schliefen jahrelang in Bettwäsche der «Reds». Lawless bolzte als Kind nach Schulschluss mit Wayne Rooney. Dessen Cousin Tommy spielt für den walisischen Dorfclub, der 1997 von Millionär Harris gekauft wurde und seitdem offiziell den Namen von dessen Firma «Total Network Solutions» trägt.

Für Liverpool ist die Auseinandersetzung mit TNS nur ein lockerer Aufgalopp in die neue Saison, in der sie endlich wieder um die englische Meisterschaft mitkämpfen wollen. Dazu hat der Champions-League-Sieger mächtig aufgerüstet: Mohamed Sissoko, der für 7,5 Millionen Euro aus Valencia kam, ist die jüngste Neuverpflichtung. Zuvor wurden bereits Torhüter José Reina, Antonio Barragan, Boudewijn Zenden und Mark González eingekauft.

Mit dem bei Real Madrid ausgemusterten einstigen «Weltfußballer» Luis Figo flirtet man weiter heftig. Ebenso mit Peter Crouch (Southampton). In beiden Fällen wird noch um die Höhe der Ablöse gefeilscht. Doch am spektakulärsten in der Sommerpause war die Vertragsverlängerung von Kapitän Gerrard. Der 25-Jährige hatte schriftlich um Freigabe gebeten, um für 48 Millionen Euro zum FC Chelsea zu wechseln. Als die Fans vorm Clubhaus Trikots mit seinem Namen verbrannten, entschied sich Gerrard tags drauf um und verlängerte seinen Vertrag sogar um vier Jahre.