BVB-Führung vor Bilanz-Pk unter Druck

BVB-Führung vor Bilanz-Pk unter Druck
BVB-Führung vor Bilanz-Pk unter Druck
83 000 Zuschauer sitzen im ausverkauften Dortmunder Westfalenstadion.

Dortmund (dpa) – Borussia Dortmunds Führungsspitze gerät vor der mit Spannung erwarteten Bilanz-Pressekonferenz des einzigen börsennotierten Fußball-Bundesligisten immer mehr in die Kritik.

Die Geschäftsführer der GmbH & Co. KG auf Aktien (KGaA), Gerd Niebaum und Michael Meier, sehen sich vor der öffentlichen Bekanntgabe der Zahlen für die abgelaufene Saison 2003/2004 am 8. Oktober Vorwürfen und Befürchtungen von Aktionärsschützern, Analysten und des neuen Großaktionärs Florian Homm ausgesetzt.

Auch die Stimmung bei den Anhängern scheint angesichts der mäßigen sportlichen Leistungen des Profi-Teams, des erwarteten Jahresverlusts des einstigen Branchenriesen von 67 Millionen Euro und des auf etwa 150 Millionen Euro gestiegenen Schuldenbergs zu kippen. Laut einer von den «Ruhr Nachrichten» in Auftrag gegebenen Repräsentativ-Umfrage trauen nur 31,5 Prozent der vom Forschungsinstitut «Start» 998 befragten Fans der BVB-Führung zu, die wirtschaftliche Wende herbei zu führen. 49,9 Prozent haben den Glauben an Präsident Niebaum und Manager Meier verloren. 19,1 Prozent gaben kein klares Urteil ab.

Auch das zum Teil vernichtende Urteil von Finanzexperten ist für Niebaum und Meier eine schwere Hypothek. Peter-Thilo Hasler, Analyst der Münchner HypoVereinsbank, verfolgt das Finanzgebaren schon lange kritisch. Er prangert an, die Bilanzen seien schon in den Vorjahren durch «Sondereffekte» und kosmetische Korrekturen geschönt worden. Auch bei der Vorstellung der neuen Bilanz werde ein Griff in die «Schminkschatulle» erwartet, meinte die «Süddeutsche Zeitung».

Statt einen knallharten und nachvollziehbaren Sanierungskurs zu fahren, werde die Öffentlichkeit irre geführt und beschwichtigt. «Ein vernünftiges Management würde alle Kräfte in die Lösung der wahren Probleme stecken», sagte Hasler. Die Borussen würden immer nur das zugeben, was man ohnehin schon wüsste. Auch der Landesgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Thomas Hechtfischer, hält die Informationspolitik für fragwürdig: «Es fehlt beim BVB einfach die Transparenz.» Verbraucherschützer erwägen wegen gravierender Managementfehler gar juristische Schritte. «Seit fast einem Jahr operieren Niebaum und Meier am offenen Herzen, und jetzt stellen sie fest, dass es nicht das Herz, sondern der Blinddarm ist», beklagte Stefan ten Doornkaat von der Schutzgemeinschaft der Kapital- Anleger (SdK) im Fußball-Fachblatt «kicker».

Den Anlegern machte die BVB-Aktie bisher wenig Freude. Im Oktober 2000 zum Kurs von 11 Euro pro Stück ausgeschüttet, bröckelte das Papier kontinuierlich bis zum Tiefstwert von 2,36 Euro vor gut drei Wochen. Dass der Club auf Grund unzulänglicher Einnahmen und hoher Belastungen Liquiditätsprobleme hat, sich frisches Kapital über eine neuerliche Ausschüttung von Aktien besorgen will (rund 25 Millionen Euro) und eine 120-Millionen-Euro-Anleihe beim Finanzinvestor Stephen Schechter erwägt, ist längst kein Geheimnis mehr. Geplant ist der Rückkauf des 94-prozentigen Anteils am Westfalenstadion, der für 75,4 Millionen Euro an die Commerzbank-Tochter «Molsiris» abgetreten wurde (2002). Dieses «Sell-and-lease-back-Verfahren – mit Leasing-Raten von rund 15 Millionen Euro pro Jahr sollte die Arena bis 2017 in BVB-Besitz zurückgehen – erwies sich im Nachhinein als Fehler.

Dennoch wähnen sich Niebaum und Meier mit ihrem Konsolidierungs- Kurs (u.a. Senkung der Gehälter um 20 Millionen Euro, Transfererlöse, Ausgaben-Reduzierung) auf dem richtigen Weg. «Es ist unsere Aufgabe, trotz der Kostensenkungen eine Mannschaft zu präsentieren, die Erfolge erzielt und sowohl Fan als auch Aktionär zufrieden stellt», sagte Meier im WDR-Fernsehen. Niebaum ist aber überzeugt: «Wir werden diesen Kraftakt meistern.» Sollte das nicht gelingen, droht Ungemach. «Wenn die Sanierung des Clubs sich nicht schon in den nächsten Halbjahres-Bilanzen niederschlägt, können wir sehr unbequem werden», sagte Homm, der kürzlich 11,22 Prozent der BVB-Aktien erwarb.

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