Blamable 1:5-Niederlage für DFB-Elf in Rumänien

Blamable 1:5-Niederlage für DFB-Elf in Rumänien
Blamable 1:5-Niederlage für DFB-Elf in Rumänien
Kahn sitzt am Boden während der Torschütze Danciulescu (2.v.r) jubelnd wegrennt.

Bukarest (dpa) – 48 Tage vor dem Ernstfall gegen die Niederlande hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft eines der größten Debakel ihrer Geschichte erlebt und die Zuversicht auf eine erfolgreiche Europameisterschaft zerstört.

Nach einer Flut von kurzfristigen Absagen wurde die Elf von Rudi Völler beim 1:5 (0:4) gegen Rumänien in Bukarest regelrecht vorgeführt und erlitt die höchste Niederlage in der Amtszeit des Teamchefs seit dem 1:5 gegen England am 1. September 2001.

Vor 15 000 Zuschauern im Stadion Stanescu betrieb der Vize-Weltmeister beim letzten Test vor der Nominierung des EM-Kaders 45 Minuten lang Rufschädigung und kam durch Tore von Mihaita Plesan (21.), Razvan Rat (23.) und Ionel Danciulescu (36./43.) und Gabriel Caramarin (84.) hochverdient unter die Räder. Erst zwei Minuten vor Schluss gelang dem Stuttgarter Philipp Lahm mit seinem ersten Länderspiel-Tor eine Ergebniskorrektur. Nur zwei Mal in ihrer Länderspiel-Historie (1909 gegen England und 1913 gegen Belgien) hatte eine DFB-Elf bis zur Pause vier Gegentore hinnehmen müssen.

«Für dieses Spiel gibt es überhaupt keine Entschuldigung. Das war eine absolute Blamage. Ich habe da keine Worte mehr. Wir haben uns abschlachten lassen», sagte Kapitän Oliver Kahn, der seinen Platz im Tor nach der Halbzeit für den Stuttgarter Debütanten Timo Hildebrand geräumt hatte. «Zur EM wollten wir mit breiter Brust fahren, das ist nach so einem Spiel nicht mehr möglich», bekannte Dietmar Hamann. Und auch Völler nahm kein Blatt vor den Mund: «Das Ergebnis tut uns weh. Es sind einfache und amateurhafte Fehler passiert, die gnadenlos bestraft wurden. Ich muss mich bei den deutschen Zuschauern entschuldigen.»

Der viertletzte EM-Test war durch eine Serie von Verletzungen und Absagen schon vor dem Anstoß zum Muster ohne Wert geworden. Statt wie ursprünglich geplant eine Formation für die EURO einzuspielen, musste Völler in der rumänischen Hauptstadt eine Notelf ins Rennen schicken, für die die Aufgabe vor allem zum Charaktertest wurde. Doch wie sich dieses Team gegen die im Umbruch befindlichen Rumänen beinahe ohne Gegenwehr in sein Schicksal ergab, brachte nicht nur den Teamchef auf die Palme. «Die einzige Lehre, die man im Hinblick auf die EM ziehen kann, ist die, dass es so nicht geht», wetterte DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder. Auch Bundesinnenminister Otto Schily war fassungslos: «Das war eine blamable Vorstellung. Man hat sich richtig ausspielen lassen. Das eine Tor am Ende macht den Kohl auch nicht mehr fett.»

Elementare Fehler im Defensivverhalten leiteten das Debakel ein. Durch den Einbau der gelernten Mittelfeldspieler Carsten Ramelow und Jens Jeremies in die Innenverteidigung ging im Deckungsverbund jeglicher Zusammenhalt verloren. Auf der rechten Außenposition leistete sich Philipp Lahm zahlreiche Stellungsfehler, links konnte Arne Friedrich nicht an seine Leistungen im Dress von Hertha BSC anknüpfen. Der einzige, der in einer oft hilflos wirkenden deutschen Elf einigermaßen die Übersicht behielt, war Hamann. Doch auch der Liverpooler konnte längst nicht alle Löcher stopfen. In der Offensive hatte allein Kevin Kuranyi einige gute Szenen, allerdings vergab der Stuttgarter drei Möglichkeiten geradezu kläglich, Fredi Bobic gab in seinem 60-minütigen Einsatz keinen Schuss aufs Tor ab.

So viel Absagen wie in Bukarest hatte Völler schon lange nicht mehr hinnehmen müssen. Michael Ballack und Frank Baumann meldeten sich nach der letzten Übungseinheit wegen Verhärtungen in der Wade nicht spielfähig und wurden durch Jeremies und Fabian Ernst ersetzt. Beim Warmlaufen unmittelbar vor Spielbeginn klagte dann auch noch Jens Nowotny über Kniebeschwerden und räumte seinen Platz im Team für Ramelow. Schon am Mittag hatte Jens Lehmann die Rückreise nach London angetreten. Der Torhüter des FC Arsenal, der eigentlich den an einem Bluterguss im Knie laborierenden Oliver Kahn nach der Pause ablösen sollte, hatte beim Training Rückenprobleme bekommen, die sich im Laufe des Tages verschlimmerten. Dafür wurde kurzerhand Timo Hildebrand als zweiter Keeper nach Bukarest beordert.

Die erste Chance in einem Spiel, dessen Niveau sich dem tristen äußeren Rahmen anpasste, bot sich Kevin Kuranyi, der in der 13. Minute frei vor dem rumänischen Keeper Bogdan Lobont scheiterte. Danach häuften sich die Schnitzer in der deutschen Defensive. Nach einem Fehlpass von Ernst umkurvte der erst 21-jährige Plesan Jeremies und Ramelow wie Slalomstangen und ließ auch Kahn keine Chance. Zwei Minuten später bahnte sich das Desaster für die deutsche Elf an, als Rat am linken Flügel auf und davon ging und dem Bayern-Schlussmann mit einem Schlenzer zum zweiten Mal das Nachsehen gab. Auch bei den Toren Nummer drei und vier durch Danciulescu wirkte die Abwehr völlig desorientiert. Nach Wiederbeginn war die deutsche Mannschaft vor allem um Schadensbegrenzung bemüht. Doch nicht einmal das gelang wirkungsvoll.

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