Bielefeld vor 7. Bundesliga-Aufstieg

Bielefeld vor 7. Bundesliga-Aufstieg
Bielefeld vor 7. Bundesliga-Aufstieg
Uwe Rapolder klatscht seinen Spielern Beifall.

Bielefeld (dpa) – Alle Jahre wieder treibt die Begeisterung um den DSC Arminia Bielefeld seltsame Blüten – immer wenn die Fußballer aus Ostwestfalen wieder vor der Aufstieg in die Bundesliga stehen. So auch vor dem vorletzten Zweitligaspiel beim VfL Osnabrück.

Im Nachbarschaftsduell kann der siebte Einzug ins Oberhaus perfekt gemacht werden. «Ich hoffe, dass wir diesen Steilpass, den wir uns selber gegeben haben, aufnehmen und alles klar machen können», sagte Trainer Uwe Rapolder. Insgesamt wollen 8000 Arminia-Anhänger in Osnabrück für eine Heimspiel-Atmosphäre sorgen. Mindestens doppelt so viele werden vor dem Rathaus in Bielefeld erwartet, wo die Partie auf einer Videowand live und in voller Länge übertragen wird.

Läuft alles nach Plan, werden die erfolgreichen Arminen-Profis gegen 20.00 Uhr auf dem Rathaus-Balkon stehen, wo sie sich 1970, 1978, 1980, 1996, 1999 und 2002 aus gleichem Anlass schon feiern ließen. Damit wären die Bielefelder auch wieder alleiniger «Rekordaufsteiger» des deutschen Fußballs, nachdem der 1. FC Nürnberg in der vergangenen Woche mit Aufstieg Nummer 6 gleichgezogen hatte.

Ausgelöst hat die neue Begeisterung in der alten Fußballstadt – der Verein feiert in einem Jahr seinen 100. Geburtstag – vor allem Rapolder. Unter der Regie des neuen Trainers, der am 1. März Nachfolger von Benno Möhlmann wurde, blieben die Bielefelder in zehn Spielen ohne Niederlage. «Ich hatte das Glück, eine absolut unterbewertete Aktie übernehmen zu dürfen», sagte der 45-Jährige, der vor dem Engagement in Bielefeld 15 Monate lang arbeitslos war.

Für Vereinspräsident Hans-Hermann Schwick ist er genau der richtige Mann: «Er war sportlich ausgehungert und damit wie geschaffen, hier alles herauszukitzeln.» Auch die Spieler loben ihn und seine Motivationskünste. «Er ist unglaublich mitreißend», meinte Mannschaftskapitän und Torwart Mathias Hain.

Finanziell wäre der Aufstieg für den zuletzt chronisch klammen Club ein Glücksfall. Im Oktober musste die Clubführung den Spielern eingestehen, die Saläre kürzen zu müssen. Erst vor drei Monaten wurde ein Kompromiss gefunden: Danach wird der einbehaltene Gehaltsanteil im Aufstiegsfall nachträglich ausgezahlt. Zudem wurde eine Erfolgsprämie vereinbart, die rund 400 000 Euro beträgt. Ziel des Vereins bliebe aber auch in der ersten Liga die finanzielle Konsolidierung. «Dort könnten wir die Kirch-Krise binnen eines Jahres bewältigen und Arminia langfristig auf eine gesunde Basis stellen», hofft Finanz-Geschäftsführer Roland Kentsch.

Allerdings hat sich die Situation schon im vergangenen halben Jahr entspannt. Die traditionsreiche Alm heißt nicht umsonst inzwischen Schüco Arena, und mit der Krombacher Brauerei wurde ein neuer Haupt- und Trikotsponsor gefunden. Vor allem aber dank der mindestens 7 Millionen Euro höheren TV-Gelder soll der Jahresumsatz in der Bundesliga auf 23 Millionen Euro verdoppelt werden. Dennoch würde in Bielefeld im Moment des Aufstiegs der Abstiegskampf neu beginnen. Mehr als eine Million Euro stünde für Investitionen in den Spielerkader kaum zur Verfügung.

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