Bei Real Madrid kämpft jeder gegen jeden

Bei Real Madrid kämpft jeder gegen jeden
Bei Real Madrid kämpft jeder gegen jeden
Zinedine Zidane (l) und David Beckham bei einer Trainingseinheit.

Madrid (dpa) – Real Madrids Fußballer sind sauer auf die Clubführung. Die Fans sind erbost über die Stars, die sie noch vor kurzem als Idole verehrt hatten. Und die Position von Trainer Carlos Queiroz wird immer mehr in Frage gestellt.

Das Aus in der Champions League und der Sturz von der Spitze der Primera División lösten bei den «Königlichen» einen Kampf «jeder gegen jeden» aus. «Es herrscht Krieg in der Galaxie», titelte das Sportblatt «Marca».

Als das Starensemble im Trainingszentrum Las Rozas am Madrider Stadtrand seine Runden drehte, überschütteten Zaungäste die Kicker mit Schimpfworten. «Geldsäcke», «Hurensöhne», «Landstreicher» – keine Beleidigung wurde ausgespart. Auf einem 30 Meter langen Transparent stand: «Für Euch gibt es Huren und Geld, uns bleiben nur Empörung und Repression.» Dies war zu viel für die geschundenen Seelen der millionenschweren Stars.

Manager Jorge Valdano und Trainer Queiroz entschieden, vor den aufgebrachten Fans zu flüchten. In der Abgeschiedenheit des Strandbades La Manga sollten Zidane, Beckham & Co nach der 0:3-Pleite gegen Außenseiter CA Osasuna neuen Mut schöpfen. Der Rückzug in den «golden Käfig» einer Luxusherberge am Mittelmeer machte jedoch alles noch schlimmer. «Darüber hätte man mit uns Spielern sprechen müssen», beschwerte sich Abwehrspieler Roberto Carlos. «Ich tue in meiner Freizeit, was ich will. Ich lasse mich von niemandem kontrollieren.»

Die Asse sahen wenig Sinn darin, für zwei Tage ein Trainingslager in über 400 km Entfernung zu beziehen. Zu einer solchen Notmaßnahme greifen normalerweise Abstiegskandidaten. Für die Real-Kicker war die «Flucht nach nirgendwo», wie das Sportblatt «As» schrieb, unter ihrer Würde. «Wenn die Fans uns beschimpfen, stellen wir uns ihnen und verkriechen uns nicht in La Manga», war der Tenor unter den Profis.

Die Serie von Misserfolgen zerrt auch an den Nerven der Spieler. Innerhalb des Kaders machen sich Spannungen breit. Im Training gerieten Michel Salgado mit Raúl und Santiago Solari mit Luis Figo aneinander. Laut einer «Marca»-Umfrage glauben nur noch 19 Prozent der Fußball-Fans daran, dass Real Meister wird. 62 Prozent setzen auf den neuen Spitzenreiter FC Valencia.

Im Hintergrund lauert für die «Königlichen» noch eine andere Gefahr. Sollten sie auf Rang drei abrutschen, müssten sie im August die Qualifikation für die Champions League bestreiten. Die geplante Reise in die USA, nach China und Japan fiele dann wohl ins Wasser. Die Welttournee soll dem Club mehr als 30 Millionen Euro einbringen.

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