Bayerns Trainerdebatte überdeckt Millionenspiel

Bayerns Trainerdebatte überdeckt Millionenspiel
Bayerns Trainerdebatte überdeckt Millionenspiel
Uli Hoeneß gestikuliert 2003 auf dem Trainingsgelände des FC Bayern München.

Stuttgart/München (dpa) – Franz Beckenbauer hat mit einem verbalen Rundumschlag Mannschaft und Führungscrew des FC Bayern München hart kritisiert und beim entthronten deutschen Fußball-Meister eine schonungslose Analyse angemahnt.

Einen Tag vor dem brisanten Südgipfel um Platz 2 in der Bundesliga beim VfB Stuttgart forderte der «Kaiser» unmissverständlich ein Ende der zuletzt unbefriedigenden Leistungen. «So eine Saison wie diese möchte ich ungern im nächsten Jahr wieder erleben. Das wäre dann die dritte in Folge», sagte der Bayern-Präsident der dpa in Zürich. Beckenbauer dementierte allerdings, dass eine vorzeitige Trennung von Trainer Ottmar Hitzfeld vom Aufsichtsrat schon beschlossen sei: «Es ist nichts abgestimmt oder entschieden worden.»

Noch am Vortag hatte Beckenbauer erstmals öffentlich einen vorzeitigen Trainerwechsel bereits zum Sommer beim Rekordchampion angedeutet und eine mögliche Entscheidung von den Plänen von Stuttgarts Teammanager und designierten Hitzfeld-Nachfolger Felix Magath abhängig gemacht. Am Rande der Versammlung des Weltverbandes FIFA zur Vergabe der Weltmeisterschaft 2010 bestätigte der Bayern- Boss, dass sich der Aufsichtsrat mit der Trainerfrage beschäftigt hatte. «Wir können uns nicht vor der Verantwortung drücken», sagte er.

Eine Entscheidung über die Zukunft Hitzfelds wird laut Beckenbauer aber erst nach den Saisonende fallen. Zuvor müssten auch die sportliche Leitung um Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge sowie der Spielerrat ihre Meinung äußern. «Die werden auch eine Erklärung haben. Ich glaube nicht, dass ihnen gefallen hat, wie wir gespielt haben», sagte Beckenbauer.

Offenbar herrscht in der Bayern-Führung momentan wieder einmal keine einheitlich Linie. Zumindest zeigten sich Rummenigge und Hoeneß im Gegensatz zum Präsidenten wenig auskunftsfreudig. «Da müssen sie den Franz fragen. Das möchte ich nicht kommentieren», sagte Vorstandschef Rummenigge. Manager Uli Hoeneß verweigerte jede Äußerung. Auch Hitzfeld wollte keine Stellung nehmen. «Ich kommentiere keine Kommentare», sagte der Coach vor der Abfahrt nach Stuttgart.

Beckenbauer machte deutlich, dass ihn weniger die verpassten Titel, als vielmehr die Art und Weise des Bayern-Spiels in dieser Saison frustriert habe. «Wie gespielt wurde hat uns gestört», sagte er. Zwei Mal sei vom «besten Kader aller Zeiten» die Rede gewesen. «Und was kam dabei raus», fragte der «Kaiser» spitzzüngig.

Durch die schier unendliche Trainerdebatte und die Vorwürfe Beckenbauer geriet das Duell der Südrivalen nahezu in den Hintergrund. Immerhin Felix Magath versuchte mit sportlichen Aussagen von dem auch ihn maßgeblich betreffenden Dauerthema abzulenken. Er stellte die Chance des VfB auf die Vize-Meisterschaft und die damit verbundene direkte Qualifikation für die Champions League in den Vordergrund. «Ich habe den Kampf um Platz zwei nicht aufgegeben, ich glaube weiter daran», sagte der 50-Jährige trotz eines Vier-Punkte- Rückstandes auf den Rekordmeister. «Auch der FC Bayern ist nicht gerade in Top-Form. Wenn wir unsere Leistungsgrenze erreichen, bin ich sicher, dass wir die Münchner schlagen.»

Der beim VfB bis 2005 vertraglich gebundene Teammanager will sich vorerst nicht mehr zu den Spekulationen um seine Zukunft äußern. «Die Trainerdiskussion ist kein Thema im Team. Wir sind Außenseiter, haben aber eine gute Chance», sagte er. Im mit 48 000 Zuschauern seit Wochen ausverkauften Daimlerstadion geht es für Vereine aber um viel mehr als die Trainerfrage. Der zweite Platz hinter Meister Bremen sichert die direkte Qualifikation zur Champions League und rund fünf Millionen Euro Mehreinnahmen aus dem Marketing-Pool des Europäischen Fußballverbandes (UEFA).

Der FC Bayern bangt noch um den Einsatz der angeschlagenen Owen Hargreaves und Bastian Schweinsteiger. Verteidiger Willy Sagnol steht nach auskurierter Verletzung hingegen vor einem Comeback. Auch Sebastian Deisler gehört wie gegen Bremen wieder zum Kader und könnte zu seinem ersten Bundesliga-Einsatz nach seinen Depressionen kommen. Der VfB Stuttgart kann bis auf den gelb-gesperrten Christian Tiffert in Bestbesetzung auflaufen; auch Angreifer Marco Streller ist nach seinem Muskelfaserriss wieder fit.

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