Assauer wird 60: «Ich hasse das Älterwerden»

Assauer wird 60: «Ich hasse das Älterwerden»
Assauer wird 60: «Ich hasse das Älterwerden»
Rudi Assauer pafft in seinem Arbeitszimmer in Gelsenkirchen eine Zigarre.

Gelsenkirchen (dpa) – Sein Alter ist ihm nicht geheuer. Um dem Rummel zu entgehen, wird Rudi Assauer seinen 60. Geburtstag am 30. April nicht mit einer großen Party und vielen Gästen feiern.

«Ich haue einfach ab. Es gibt keine Feier. Da werden doch nur große Reden gehalten», sagt der Manager des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04, der sich bis zum 1. Mai irgendwo ein paar Tage Erholung mit seiner Lebensgefährtin, der Schauspielerin Simone Thomalla, deren Tochter Sophia und seiner eigenen Tochter Katy gönnt. Abschalten und entspannen – für den rastlosen Manager mit dem 14-Stunden-Tag ist solch ein Kurzurlaub ein seltenes Privileg.

Zudem stehen im Jubiläumsjahr seines Clubs unter dem Motto «100 Schalker Jahre» genügend Feierlichkeiten an. Höhepunkte sind die große Fan-Party am 8. Mai in der Arena und die Uraufführung des Musicals «nullvier – Keiner kommt an Gott vorbei» einen Tag später im Musiktheater Gelsenkirchen.

In einem dpa-Gespräch gibt Assauer zu, dass er mit dem runden Geburtstag Probleme hat. «Das ist ein Scheißdatum», sagt er. «Ich hasse das Älterwerden. Wenn es eine Pille dagegen gäbe, würde ich sie sofort schlucken», gesteht der Zigarrenliebhaber.

Der smarte Manager denkt nicht gern zurück, macht sich stattdessen Gedanken über die Zukunft, sogar über den Tod. «Als ich zehn war, sind die meisten Bergarbeiter hier in dieser Region mit 60 oder 65 Jahren an Staublunge gestorben. Man muss sich leider in meinem Alter damit befassen, was passiert, wenn man Mal nicht mehr mehr da ist. Ich kann morgen umfallen. Dann will ich alles geordnet hinterlassen.»

Der ehemalige Fußball-Profi, der zwischen 1964 und 1976 insgesamt 307 Bundesligaspiele für Borussia Dortmund und Werder Bremen bestritt und 1966 mit dem BVB den Europacup der Pokalsieger gewann, fühlt sich noch fit. «Das habe ich dem Fußball zu verdanken. Ich habe immer viel mit jungen Leuten zu tun. Da bleibt man frisch in der Birne.» Und solange er noch ein wenig «kicken» könne, sei alles in Ordnung.

Wie lange der im saarländischen Altenwald geborene und im westfälischen Herten aufgewachsene Assauer seinen Stress-Job noch ausüben will, lässt er offen. Sein Vertrag läuft bis 2005. Doch ein Rentnerdasein kann er sich nicht vorstellen, zumal ihm die tägliche Arbeit noch Spaß macht. «Schalke ist mein Leben. Ich muss immer was um die Ohren haben, kann nicht rumhängen und Bücher lesen. Da werde ich verrückt. Wenn mich die Thomalla’sche den ganzen Tag zu Hause ertragen müsste, gäbe es Mord und Totschlag.»

Seine erste Dienstzeit auf Schalke endete 1986 nach fünf Jahren mit einem für ihn bitteren Rausschmiss. Seit seinem zweiten Amtsantritt 1993 ist Assauer beim Revierclub aber unumstritten. Im Eiltempo trieben er und seine Kollegen allen Widrigkeiten zum Trotz die Konsolidierung des damals mit 20 Millionen Mark verschuldeten «Skandalvereins» voran, retteten durch Überzeugungsarbeit bei Banken und Sponsoren 1994 die Lizenz. «Danach ging es bergauf», sagt Assauer. Der sensationelle Gewinn des UEFA-Cups 1997 und der Bau der supermodernen Arena waren für ihn weitere «Meilensteine».

Stolz? «Nein, aber keiner braucht sich für das, was er auf Schalke geleistet hat, zu schämen», betont Assauer, der eine große Vision hat: Nachdem Schalke 2001 so knapp scheiterte, will er die achte deutsche Meisterschaft noch erleben. Am liebsten in den nächsten fünf Jahre. «Das wäre die Krönung. Dann müsste ich sofort aufhören. Und vielleicht schenkt mir dann einer eine Dauerkarte.»

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