Eintracht Braunschweig kehrt nach 3:2-Sieg gegen Waldhof Mannheim in die 2. Bundesliga zurück

Eintracht Braunschweig kehrt nach 3:2-Sieg gegen Waldhof Mannheim in die 2. Bundesliga zurück
Eintracht Braunschweig Wappen
(von unserem Autor Juro)

Mit Eintracht Braunschweig hat die 3. Liga in der sehr ungewöhnlichen Saison 2019/2020 schon ihren ersten Aufsteiger. Bereits am vorletzten Spieltag konnten die wenigen zugelassenen Zuschauer im Stadion mit den Spielern und später auch eine Heerschar von Fans vor der Rampe des Haupteingangs des Eintracht-Stadions die Rückkehr in die 2. Bundesliga feiern. Der BTSV schaffte dies durch einen 3:2-Sieg gegen den Aufstiegs-Wettbewerber Waldhof Mannheim, der dadurch selbst seine letzte Chance auf die Relegation verspielte. Schützenhilfe von Bayern 2 mit einem späten Ausgleichstreffer gegen den MSV Duisburg ließ in Braunschweig nach dem Schlusspfiff „alle Dämme“ brechen. Auch in der Stadt stieg – trotz Pandemie-Einschränkungen – eine blau-gelbe Aufstiegsparty mit großem Auto-Korso. Gefeiert wurde nicht nur die Mannschaft, sondern auch die vor dem Lockdown noch oft kritisierte sportliche Leitung.

Trainer Antwerpen mischte diesmal für das wichtige und vorentscheidende Heimspiel seine beiden Formationen, die bisher für „Heimspiel“ und „Auswärtsspiel“ aufgeteilt waren. Dauerspieler und Spitze Pourié bekam nach Verletzungsproblemen in den letzten Partien eine Verschnaufpause auf der Bank, für ihn spielte Außenstürmer Bär in der Box. Der angestammte „Heim“-Linksverteidiger Kijewski war überhaupt nicht im Kader. Für ihn durfte der in den letzten Auswärtsspielen starke Defensive Schlüter auch daheim auf dem Platz. Rechtsverteidiger Putaro, nach schwankenden Leistungen in den letzten Spielen, war auch nicht dabei. „Heim“-Abwehrchef Kessel rückte defensiv nach rechts außen, um auch seine Kraft bei Vorstößen in die Waagschale zu werfen. In der Innenverteidigung ersetzte ihn Auswärts-Spezialist Nkansah in einem Heimspiel. Antwerpen hatte ein erfahrenes Team angekündigt. So spielte auch Publikumsliebling und Ur-Braunschweiger Pfitzner neben Kapitän Nehrig als Achter von Anfang an. Wieder einmal war Schwenk als Linksaußen auf dem Platz, da in dieser Saison mit einer Rückkehr des verletzen Feigenspan nicht mehr zu rechnen ist und Schwenk (alias Janzer) nach seine Verletzungs-Rückkehr in den letzten Spielen stark auftrumpfte. Wieder verzichtete Antwerpen nicht auf Dauerspieler und Torjäger Kobylanski auf der 10, was sich im Spiel auszahlen sollte.

Mannheim musste eine neue Innenverteidigung aufbieten, da zwei bisherige Spieler durch die Vertragswirren mit ihrem neuen Verein lieber nicht mehr spielen wollten. Zudem gab Aufstiegstrainer Trares vor der Partie bekannt, dass auch er nicht mehr in der neuen Saison auf Mannheims Bank sitzen wird. Sein auslaufender Vertrag wäre vom Verein nicht verlängert worden. Nach dem Unentschieden im letzten Spiel gegen Münster stellte Trares Torwart Scholz ins Tor, weil Stamm-Keeper Königsmann verletzt ist. Scholz entwickelte sich später im Spiel zu einem großen Rückhalt für sein Team und nutze seine Chance als ein „Bewerbungsschreiben“ für andere Vereine . Für Schultz, Hofrath und den abwandernden Kapitän Conrad standen für den Waldhof Sulejmani, Celik, Gohlke und Flick in der Startelf.

Von Anfang an entwickelte sich ein munteres Spiel! Die Nervosität war beiden Teams nicht anzusehen. Ein spielerisches Übergewicht hatte erst einmal die Eintracht, der gleich mit der ersten großen Chance in der 4. Spielminute der Führungstreffer gelang. Rechtsaußen Biankadi düpierte rechts die Waldhöfer Abwehr und bediente fein in der Mitte den am Fünfer frei stehenden Kobylanski, der den Ball nur noch einschieben musste. Mannheims Keeper Scholz war hier aus naher Distanz machtlos!

Weiter hatte die Eintracht ein Übergewicht im Spiel. Mannheim kam nur bis zum Strafraum der Löwen, dann war Schluss. In dieser Phase versäumten es die Gastgeber, selbst ein zweites Tor nachzulegen. So kam es, wie es kommen musste: Der Waldhof macht ebenfalls mit der ersten sich bietenden Chance in der 13. Minute den 1:1-Ausgleichstreffer. Nach einer Ecke von links von Gouaida stieg Innenverteidiger Gohlke im Braunschweiger Strafraum am höchsten und Köpfte unbedrängt ins von Engelhardt gehütete Tor der Blau-Gelben.

Beide Teams sortierten sich jetzt neu – das Spiel begann quasi wieder von vorn. Der Eintracht gelang jetzt keine Dominanz mehr, sichtlich spielte das Team erst einmal auf Sicherheit und versuchte, nach dem Ausgleich wieder Ruhe in die eigenen Reihen zu bekommen. Auffällig war jetzt der sichtbare Wille vom Löwen-Rechtsverteidiger Kessel, den Bock umzustoßen. immer wieder spielte er sich auf seiner Seite dynamisch nach vorn. In der 35. Spielminute war auch er es, der die nächste Großchance der Eintracht mit einem dieser Läufe vorbereitete. Sein Abnehmer war der vorgepreschte Eintracht-Kapitän Nehrig, der den Ball per Kopf von der Strafraumkante an den rechten Pfosten des Waldhöfer Tores wuchtete.

Jetzt hatte die Eintracht ihr Selbstbewusstsein endgültig wiedergefunden und machte weiter bis und in den Mannheimer Strafraum Druck! Doch die Waldhöfer verteidigten vielbeinig – sehr oft auf Kosten einer Ecke. Eine davon führte eine Minute vor dem Halbzeitpfiff dann aber doch zur verdienten Braunschweiger Führung zum 2:1. Standardspezialist Kobylanski fand mit seiner Ecke von links auf der rechten Seite Pfitzner, der sehenswert das Leder in die Strafraummitte auf Schwenks Kopf lupfte. Dessen Kopfball landete im linken Winkel des Mannheimer Tores. Diesmal hatte Keeper Scholz keinerlei Abwehrchance. Mit diesem Führungstreffer zu einem psychologisch sehr wichtigen Zeitpunkt ging es in die Kabinen.

Die Spieler begrüßte nach der Rückkehr vom Pausentee ein sehr rutschiges Grün, denn in Braunschweig hatte strömender Regen eingesetzt. Einige Kicker hatten Probleme, sich an den neuen Untergrund zu gewöhnen und passsicher zu bleiben. Waldhofs Ferati machte in der 54. Minute das Beste daraus und spitzelte von links nach einem Ausrutscher noch im Liegen einen Ball zum quirligen Ex-Braunschweiger Korte, dessen Schuss aus der zweiten Reihe aber sichere Beute vom Löwen-Keeper Engelhardt war. Schon jetzt deutet sich an, dass die Eintracht an Konzentration und Pressing nachließ und selbst mit den neuen Platzbedingungen zu kämpfen hatte.

In der 58. Minute nützte auf der rechten Seite dann Schuster neue Freiräume, um Marx auf Rechtsaußen zu bedienen. Der tankte sich bis zur Auslinie durch und legte von dort den Ball in die Strafraummitte des BTSV. Dort nahm Sulejmani den Ball gekonnt an und drehte sich zu einem platzierten Schuss, der zum erneuten Ausgleich in der linken Seite des Braunschweiger Tores landete.

Nach diesem Ausgleich setzte nur auf der Tribüne in Braunschweig das große Bangen ein. Die Eintracht-Spieler wirkten wenig geschockt und berannten nun erneut das Waldhof-Tor, ohne selbst defensiv etwas anbrennen zu lassen. Zweimal war es besonders der ganz stark aufspielende Spielmacher Kobylanski, der Torwart Scholz mit feine Schüssen zu mehreren Glanztaten zwang. Besonders spektakulär war, wie der Waldhof-Keeper in der 63. Minute noch einen Kobylanski-Kopfball nach Flanke von Bär aus dem linken Winkel holen konnte! Hier lag den Löwen schon der Torschrei auf den Lippen.

Eine große Chance hatte dann noch Mannheim, dass Spiel zu eigenen Gunsten zu drehen. Die Braunschweiger Abwehr bekam Waldhofs Spitze Sulejmani nie endgültig „in den Griff“. Diesmal (71. Minute) hob der findige Strafraum-Spieler das Leder über den weit vor seinem Tor stehenden Engelhardt auf das leere Tor des BTSV, aber das Leder klatschte nur gegen das rechte Lattenkreuz und sprang wieder ins Feld zurück.

Nach diesem endgültigen „Wachmacher“ griff Braunschweig noch agressiver an und brachte Mannheim defensiv gehörig ins Schwimmen. Der auffällige Linksverteidiger Schlüter machte zwei Minuten nach der Mannheimer Sulejmani-Chance wieder auf sich aufmerksam, als er Gegenspieler Christiansen zu einer halbgaren Abwehr zwang. Denn dessen Ball fiel dem an der Strafraumkante lauernden Kobylanski vor die Füße. Der fackelte nicht lange und wuchtete mit Direktabnahme das Leder zum 3:2 für den BTSV in Mannheims Tor (73.). Diesen Vorsprung brachte die Eintracht bis zum Schlusspfiff mit vereinten Kräften und aufopferndem Einsatz über die Zeit. In der 85. Minute bedankten sich alle Spieler bei Keeper Engelhardt, der die letzte große Mannheimer Chance durch Schuster auf einen erneuten Ausgleich per Fußabwehr vereitelte.

Zum direkten Aufstieg fehlte Eintracht Braunschweig aber noch das passende Ergebnis aus München vom Spiel Bayern München 2 gegen den MSV Duisburg. Da durch einsetzenden Starkregen in München sich dort das Spielende verzögert hatte, konnten die Braunschweiger Kicker nach dem eigenen Schlusspfiff auf der Anzeigentafel des Eintracht-Stadions die Nachspielzeit in München anschauen und miterleben. Der Ausgleichstreffer der „kleinen Bayern“ zum Spielende bedeutete rechnerisch für die Löwen den Aufstieg. Dem entsprechend feierten die Braunschweiger Spieler den überraschenden Ausgang und die Aussicht auf eine neue höherklassige Zukunft.

Für beide Teams werden somit die ausstehenden Spiele am letzten Spieltag zu einer Nebensache. Denn für beide Mannschaften gilt es nun, ab sofort die nächste Saison zu planen. Braunschweig muss das bisherige Team für die zweite Bundesliga verstärken und bestimmen, wer in der neuen Spielzeit auf der Trainerbank sitzt. Viele Anzeichen deuten darauf hin, dass der auslaufende Vertrag von Trainer Antwerpen der oft in der Kritik stand – nun verlängert wird. Der Waldhof steht in der neuen Saison aber ohne Trainer da und hat selbst entschieden, mit Coach Trares nicht zu verlängern. Zudem sind sehr viele Spieler nun vertragslos und nicht mehr an den Verein gebunden. Mit großer Sicherheit steht hier ein großer Umbruch bevor. Auch beim großen Drittliga-Kader der Eintracht stehen Veränderungen an – trotz des Aufstieges! Viele Spieler besitzen keinen Vertrag mehr für die neue Saison, haben sich aber in den letzten Wochen mit ihrer Leistung für neue Papiere empfohlen. Hier steht auch in der Planung eine spannende Zeit bevor! Immerhin haben sich die Braunschweiger durch den Aufstieg großer finanzieller Sorgen entledigt. In der neuen Saison winken endlich wieder TV-Gelder. Der Waldhof bleibt nach dem verpassten Aufstieg hier nun weiterhin ein „Sorgenkind“ und muss weiter mit den finanziellen Gegebenheiten und Unwägbarkeiten von Liga 3 zurecht kommen.

Aufstellung Eintracht Braunschweig:

Engelhardt – Kessel, Burmeister, Nkansah, SchlüterPfitzner, Nehrig (61. Kammerbauer) – Biankadi (75. Otto), Kobylanski, Schwenk (61. Pourié) – Bär (79. Becker)

Aufstellung Waldhof Mannheim:

Scholz – Marx,Gohlke, Christiansen, Celik (46. Hofrath) – Schuster, Flick, G. Korte, Ferati (79. Bouziane) , Gouaida – Sulejmani (86. Koffi)

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