Ailton wird zum «echten» Schalker

Ailton wird zum «echten» Schalker
Ailton wird zum «echten» Schalker
Der Schalker Ailton (l) kämpft mit dem Mainzer Marco Rose um den Ball.

Gelsenkirchen (dpa) – Wochenlang wurde er kritisch beäugt, dann euphorisch gefeiert. Mit seinem Siegtreffer zum 2:1 (1:0) über den FSV Mainz 05 schoss sich Ailton den Frust von der Seele – und sich in die Herzen der Schalke-Fans.

Aus Freude über das erste Erfolgserlebnis der Saison machte der schon als «Toni Torlos» verspottete Brasilianer das Clubmaskottchen Erwin an der Seitenlinie kopflos. Ebenso typisch wie sein eiskalter Abschluss (69. Minute) war sein Kommentar: «Ein Supertor, jetzt ist Ailton wieder glücklich.»

Dass ihm der Name des beim misslungenen Umarmungsversuch «enthaupteten» Maskottchens nicht geläufig war, nahmen ihm die «königsblauen» Fans nicht übel. Nach langer Anlaufzeit mit Sperre und unplanmäßigem Heimaturlaub ist der bisherige Fremdkörper endlich in seiner neuen sportlichen Heimat angekommen. Bei seiner Auswechslung (89.) erhoben sich die meisten der 61 524 Zuschauer in der Arena AufSchalke applaudierend von den Sitzen. Für Ebbe Sand ist die Leidenszeit seines Sturmpartner beendet: «So ein Tor kann unheimlich viel bedeuten. Jetzt geht es bei ihm 100-prozentig aufwärts.»

Lange Zeit schien es jedoch so, als halte der Fluch auch gegen Mainz an. Zwei Mal scheiterte Bundesliga-Torschützenkönig Ailton am starken Schlussmann Dimo Wache, ein Mal traf er nur die Latte. Doch nach famosem Zuspiel seines Landsmanns Lincoln, der zuvor zum 1:0 (25.) getroffen hatte, machte Ailton den brasilianischen Abend perfekt. Anders als drei Tage zuvor, als er nach seinem Kurzeinsatz im UEFA-Cup gegen den FC Basel kommentarlos aus dem Stadion geflüchtet war, ließ sich Ailton diesmal beim Duschen und dem Umgang mit den Medienvertretern Zeit. Der Zuspruch des Trainers, der Familie und von Mitspielern habe sich bezahlt gemacht: «Alle haben mir gesagt, bleib ruhig. Dann kommt das Tor automatisch.»

Ohne den Erfolg des Brasilianers wäre der Mut von Trainer Ralf Rangnick, mit drei Sturmspitzen und dem offensiven Mittelfeldspieler Lincoln anzutreten, nicht belohnt worden. Denn die frechen Mainzer standen kurz davor, ihren Höhenflug fortzusetzen. Deren Trainer Jürgen Klopp fiel die erste Niederlage nach sieben Bundesliga-Spielen nicht allzu schwer: «Wir waren ein starker Gegner. Schließlich haben die Schalker bis zur letzten Sekunde um die drei Punkte gezittert.»

Erneut bewies der Aufsteiger Klasse und Moral. Fünf Mal hatten sie in dieser Saison einen Rückstand aufgeholt und standen nach dem Eigentor von Marcelo Bordon (60.) vor dem nächsten Coup. Das Ende der Erfolgsstory befürchtet Klopp trotz der zweiten Auswärtsniederlage nicht. Nach seiner Einschätzung werden die Spaßfußballer auch weiterhin Spaß an der Bundesliga haben: «Wir sind ja nicht blöde und denken, jetzt gewinnen wir alle Spiele. Wichtig war, dass sich die Mannschaft erneut gezeigt hat.»

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