Wiedergeburt der «Löwen» – Frankfurt flucht

Wiedergeburt der «Löwen» – Frankfurt flucht
Wiedergeburt der «Löwen» - Frankfurt flucht
Arie van Lent (r) und seine Kollegen reagieren entsetzt auf die Elfmeter-Pfiff.

München (dpa) – Genau ein Jahr nach dem durch den Stadionskandal verursachten Rücktritt von Präsident Karl-Heinz Wildmoser kann der TSV 1860 München nach dem 2:1-Sieg gegen den direkten Konkurrenten Eintracht Frankfurt von der Rückkehr in die Fußball-Bundesliga träumen.

«Wenn man auf die Tabelle schaut, sieht es immer besser aus», sagte Karl Auer an seinem ersten Jahrestag im Amt als «Löwen»-Chef über die wundersame Wiedergeburt. Die Geldsorgen sind verflogen, das Chaos im Verein scheint wieder geordnet.

Punktgleich mit dem Dritten SpVgg Greuther Fürth rangieren die Münchner auf Platz vier der 2. Liga. Trainer Reiner Maurer warnt aber trotz fünf Siegen in Serie vor zu viel Euphorie: «Es ist alles noch offen. Es ist eine schwierige Aufgabe, und es gibt ein spannendes Finale.» Ihm war nicht entgangen, dass der Sieg gegen die auf Platz fünf abgerutschten Frankfurter glücklich zu Stande gekommen war.

Der durch ein vermeintliches Handspiel von Eintracht-Stürmer Arie van Lent verursachte und von Matthias Lehmann (50. Minute) sicher verwandelte Elfmeter sorgte auch noch nach der Spitzenpartie für große Aufregung – besonders bei den erbosten Frankfurtern. «Das war eine klare Fehlentscheidung», sagte Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel, und Torwart Markus Pröll schimpfte: «Bei uns wird hinten gepfiffen, vorne aber keiner. Das ist der kleine, aber feine Unterschied, um nach oben zu kommen.»

An Aufgabe im Aufstiegkampf denkt in Frankfurt aber niemand. «Wir haben ein Spiel verloren, was wir nicht verlieren dürfen. Wer aber glaubt, uns damit abzuschreiben, der irrt. Wir werden gegen Greuther Fürth richtig Gas geben, weil wir nach wie vor weiter nach oben wollen», sagte Funkel. Auch Arie van Lent, der schon im Hinspiel einen Handelfmeter verursacht, und mit seinem Ausgleich (43.) nach dem frühen Rückstand durch Patrick Milchraum (6.) kurzzeitig für Hoffnung gesorgt hatte, zeigte Kampfgeist: «Das war ganz doof von mir, aber es ist noch nichts verloren.»

In München ist nach einem Jahr der Skandale und peinlichen Machtkämpfe plötzlich Aufbruchstimmung spürbar. Fünf Siege am Stück hatte es zuletzt vor sieben Jahren unter Trainer Werner Lorant gegeben. «Wir haben noch neun Endspiele. Wenn wir sieben davon gewinnen, steigen wir sicher auf», sagte Auer. Matchwinner Lehmann, der in der Nachspielzeit noch die Gelb-Rote Karte sah, noch vorsichtig. «Jetzt haben wir eine 50:50-Chance.»

Mit seiner Vertragsverlängerung bis 2008 hat Lehmann in der Vorwoche auch ein Zeichen gesetzt, dass er auf die Bildung eines zukunftsfähigen Teams bei den «Löwen» baut. Durch den Millionen-Deal mit Vermarkter IMG ist auch wieder Geld in der zuletzt so knappen Kasse. Das erste Mal in dieser Saison zahlte der Verein seinen Profis eine Siegprämie von 2000 Euro aus. «Wir sind jetzt ja wieder flüssig», erklärte Auer.

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