Letzte Entscheidung im Wettskandal vertagt

Letzte Entscheidung im Wettskandal vertagt
Letzte Entscheidung im Wettskandal vertagt
Zwei Spieler im Zweikampf.

Frankfurt/Main (dpa) – Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat wegen der äußerst problematischen Sachlage die vorerst letzte Entscheidung im Zuge des Wettskandals auf den 29. März vertagt.

Die erste Instanz sah sich nach dreieinhalbstündigen Verhandlung in Frankfurt/Main nicht im Stande, über den Einspruch des Karlsruher SC gegen die vom inhaftierten Dominik Marks geleitete 0:3-Niederlage gegen Zweitliga- Tabellenführer MSV Duisburg (3. Dezember 2004) zu urteilen.

«Dieser Fall ist zu bedeutsam und juristisch zu schwierig. Es ist auch der Auftrag eines Sportgerichts, sich die nötige Zeit zu nehmen», sagte der Sportgerichts-Vorsitzende Rainer Koch (Poing). Zudem wurde ein Antrag gestellt, sich die komplette Partie anzuschauen, um Manipulationen des Spielablaufs nachweisen zu können. Marks soll laut dem Hauptbeschuldigten im Betrugsskandal, Robert Hoyzer, 30 000 Euro von der kroatischen Wettmafia für den Duisburger Sieg erhalten haben. 20 000 vor der Partie, 10 000 danach, weil es sich um eine Handicap-Wette handelte, bei der ein Sieg mit zwei Toren Unterschied vorliegen musste.

«Es ist nicht von ungefähr, dass dieses Spiel als letztes verhandelt wird. Es ist der schwierigste Fall», meinte Koch weiter, nachdem nach Bekanntwerden des Wettskandals am 22. Januar insgesamt 16 Einsprüche vorgelegen hatten. Zehn wurden wegen mangelnder Aussicht auf Erfolg vorzeitig zurückgezogen, drei vom Sportgericht abgewiesen. Zwei Mal ordnete die erste Instanz Neuansetzungen an.

Der inhaftierte Ante S. von der kroatischen Drahtzieherbande hatte auf die Partie Karlsruhe – Duisburg hohe Wetten abgegeben. Wie aus einem Bericht des Wettanbieters Oddset hervorging, aus dem Koch vorlas, hatte der Kroate insgesamt 279 000 Euro gesetzt und einen Erlös von 1 042 166 Euro erzielt. In 265 von 274 Gewinn-Kombinationen war die Begegnung Karlsruhe – Duisburg vertreten, die sich die inhaftierten Brüder Ante und Milan S. von der kroatischen Wettmafia vor Ort anschauten.

Es galt aber wie schon vor zwei Wochen beim gescheiterten Einspruch der SpVgg Greuther Fürth gegen den 1:0-Sieg des MSV zu belegen, dass Marks die Partie tatsächlich manipuliert hat. KSC-Anwalt Christoph Schickhardt erklärte, dass Marks sich Tage vor der Partie bereits nach einem Gourmet-Tempel erkundigt habe. Nach dem Spiel hatte der Referee seine Assistenten Felix Zwayer und Markus Hecker sowie Schiedsrichter-Beobachter Eugen Strigel und KSC-Schiedsrichter-Betreuer Stefan Kammerer entsprechend eingeladen.

Marks soll laut Haftbefehl gegen ihn auch versucht haben, Assistent Zwayer, der zusammen mit Lutz-Michael Fröhlich und Manuel Gräfe ihren ehemaligen Kollegen Hoyzer geoutet und damit die Ermittlungen im Wettskandal ins Rollen gebracht hatte, für die geplante Manipulation zu werben. Zwayer sagte vor dem Sportgericht zwar aus, dass Marks bei einem gemeinsamen «unangenehmen» Gespräch vor der Partie ihn in einem Restaurant gefragt habe: «Sag‘ mal. Hast Du schon mal gehört, dass man bei einem Spiel was dazu verdienen kann.» Er habe gedacht, dass Marks ihn aushorchen wollte, weil Hoyzer ihn zuvor auch schon angesprochen hatte.

Ob das Sportgericht die Akten zu den Spielmanipulationen nach dem nun ausstehenden Urteil im Fall Karlsruhe – Duisburg wirklich zuschlagen kann, ist allerdings fraglich. Nach einem Bericht der Zeitung «Die Welt» soll aus Stichproben der Firma Betradar, die im Auftrag der Deutschen Fußball-Liga (DFL) alle Spiele der ersten drei Ligen seit der vergangenen Saison prüft, hervorgehen, dass sechs Zweitliga-Spiele aus der laufenden und drei aus der vergangenen Saison zu Kursstürzen oder gar zur Abschaltung (Rücknahme vom Angebot) geführt haben. Das Londoner Wettbüro 10bet soll laut Geschäftsführer Shalom MecKenzie mit der Zweiten Liga «allein in dieser Saison 1,5 Millionen Euro verloren» haben.

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