HSV-Aufsichtsrat entscheidet im Vorstandsstreit um Hoffmann

HSV-Aufsichtsrat entscheidet im Vorstandsstreit um Hoffmann
Bildhinweis: Noch ist Bernd Hoffmann der Vorstandschef des Hamburger SV. Foto: Malte Christians/dpa

Hamburg (dpa) – Mitten in der Corona-Krise hat der Hamburger SV Zeit für eine Führungskrise. Am Samstag treffen sich die sieben Mitglieder des Aufsichtsrats, um im Streit des Vorstands beim Fußball-Zweitligisten zu entscheiden.

Laut Medienberichten könnte am Ende die Trennung von Vorstandschef Bernd Hoffmann stehen. Doch sicher scheint das auch nicht.

Worum geht es in dem Streit im Vorstand?

Im Mittelpunkt steht Bernd Hoffmann. Sportvorstand Jonas Boldt und Finanz-Mann Frank Wettstein sollen zuletzt vor dem Aufsichtsrat noch einmal deutlich gemacht haben, dass eine Zusammenarbeit aus ihrer Sicht mit Hoffmann nicht mehr möglich sei. Sie sollen ihm angebliche Kompetenzüberschreitung und Alleingänge vorgeworfen haben.

Wie sind die Stimmverhältnisse im Aufsichtsrat?

Um eine Entscheidung über die Trennung von einem Vorstand zu treffen, reicht eine einfache Mehrheit, sprich 4:3. Ob sich tatsächlich vier Mitglieder in dem Kontrollgremium finden, die gegen den 57-jährigen Hoffmann votieren, ist noch unsicher. In dem Aufsichtsratsvorsitzenden Max-Arnold Köttgen hat er zumindest einen starken Fürsprecher, in Marcell Jansen, der in seiner Funktion als Präsident des Gesamtvereins im Aufsichtsrat sitzt, allerdings auch einen prominenten Widerpart.

Wie lange läuft Hoffmanns Vertrag noch?

Im September 2018 hatte er einen Vertrag bis 2021 unterschrieben. Zuvor hatte er das Amt als Vorstandschef seit Mai 2018 interimsweise ausgeübt. Parallel dazu war er weiter ehrenamtlicher HSV-Präsident. Auf diesen Posten war er erst im Februar 2018 durch die Vereinsmitglieder gewählt worden. Vorstandschef war er schon einmal von 2003 bis 2011. Damals war der HSV noch in der Bundesliga und spielte auch im Europapokal.

Was könnte passieren, wenn Hoffmann als Vorstandschef bleibt?

Ein Weiter-so in der derzeitigen Dreier-Konstellation ist kaum vorstellbar. Dazu haben sich Boldt (38) und vor allem Wettstein (46) zu stark gegen Hoffmann positioniert. Sollten die beiden gehen müssen – oder auch nur einer von ihnen gehen muss -, wäre das in jedem Fall ein Verlust und ein Rückschlag im Kampf um den Wiederaufstieg. Einen von beiden oder beide kurzfristig gleichwertig zu ersetzen, wäre sehr schwer.

Was spricht für Wettstein und Boldt?

Wettstein hat es geschafft, den finanziell nicht üppig ausgestatteten Verein liquide zu halten. So kann der Club nach seiner Aussage bis Juni trotz Corona-Pause durchhalten. Länger als manch anderer Verein. Wettstein hat zudem einen guten Draht zum AG-Anteilseigner und Investor Klaus-Michael Kühne (82). Beim Andauern der Corona-Krise und den finanziellen Folgen könnte dies noch bedeutsam werden. Der vor der Saison geholte Boldt gilt als absoluter Fachmann. Mit dem erfahrenen Trainer Dieter Hecking bildet er ein starkes Duo und baute die Mannschaft nach dem verpassten Aufstieg 2019 um. Auch nach Niederlagen herrscht im und um das Team verhältnismäßige Ruhe.

Wer könnte im Fall eines Abgangs von Hoffmann sein Nachfolger werden?

Hoffmann-Gegner Kühne brachte Vereinspräsident Marcell Jansen ins Spiel. Der 34 Jahre alte Ex-Nationalspieler hat solche Ambitionen aber nie geäußert. Bestenfalls könnte er interimsweise aufrücken, bis ein neuer Vorstandschef gefunden ist. Auch Wettstein hatte kurzfristig den Posten schon einmal inne, nachdem sich der Aufsichtsrat Anfang März 2018 unter der damaligen Führung von HSV-Präsident Hoffmann sich von Heribert Bruchhagen getrennt hatte.

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