Greuther Fürth geht in die Berufung

Greuther Fürth geht in die Berufung
Greuther Fürth geht in die Berufung
Robert Hoyzer lässt sich vor der Justizvollzugsanstalt Moabit in Berlin aufnehmen.

Frankfurt/Main (dpa) –

Fürth (dpa) – Die SpVgg Greuther Fürth wird nach dem vom DFB-Sportgericht abgewiesenen Einspruch gegen die Wertung des von Skandal-Schiedsrichter Robert Hoyzer geleiteten Zweitliga-Punktspiels beim MSV Duisburg (0:1) in die Berufung gehen.

«Nach unserer Meinung ist es völlig unvertretbar, ein Spiel, bei dem der leitende Schiedsrichter 5000 Euro für den Sieg der gegnerischen Mannschaft erhielt, als im Ergebnis sportlich regulär ausgetragen zu werten», begründete der Fürther Geschäftsführer Wolfgang Gräf die Entscheidung des Tabellendritten der 2. Fußball-Bundesliga.

«Ein bezahlter Schiedsrichter ist kein Schiedsrichter mehr, da er kein unparteiischer Leiter des Spiels ist. Ein bestochener Schiedsrichter kann, so unsere feste Überzeugung, ein Spiel nicht mehr ordnungsgemäß leiten. Dieser Grundsatz muss Geltung haben», fordert Gräf. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hatte bei seiner Verhandlung den Fürther Einspruch zurückgewiesen, weil die Franken nicht nachweisen konnten, dass eine konkrete Spielablauf-Manipulation vorgelegen habe.

Bei der Verhandlung wurde einmal mehr deutlich, dass Skandal-Schiedsrichter Hoyzer bei der Aufklärung der von ihm ausgelösten Wett- und Manipulations-Affäre der wichtigste Zeuge des Sportgerichts des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bleibt.

«Herr Hoyzer ist nicht notwendigerweise deshalb unglaubwürdig, weil er ein Betrüger ist. Entscheidend ist, dass das, was er aussagt, richtig ist», so stellte der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts, Rainer Koch (Poing), die Rolle des 25-jährigen Berliner Ex-Referees dar. Für Hoyzer sprächen seine auch bei der Staatsanwaltschaft Berlin gemachten umfassenden Aussagen. «Er hat von Anfang an sehr detailliert und auch differenziert in allen Einzelfällen ausgesagt – auch ungefragt», sagte Koch in der dreistündigen Verhandlung, bei der Hoyzers Zeugenaussagen zentraler Bestandteil der Beweisführung waren.

Der Glaube in die Glaubwürdigkeit des Skandal-Initiators stand auch bei diesem Urteil Pate. «Zwar haftet diesem Spiel ein gewisser Makel an, weil Hoyzer von Milan S. 5000 Euro ausgehändigt bekommen hat. Greuther Fürth konnte aber nicht nachweisen, dass eine konkrete Spielablauf-Manipulation vorliegt, da Hoyzer erklärt hat, in den Spielablauf nicht zu Gunsten des MSV Duisburg eingegriffen zu haben», hieß es in der Urteilsbegründung.

Koch machte deutlich, dass das Sportgericht seiner von ihm von Anfang an eingeschlagenen Rechtsprechungslinie treu bleiben will. Koch: «Der Makel der Manipulation, Zweifel und bloße Verdachtsmomente reichen aber nicht aus, um zu einer Neuansetzung zu kommen.» Die Beweislast habe stets der Einspruchsführer zu tragen. Diese Auffassung sei auch bei den bisherigen Einsprüchen maßgeblich gewesen.

Der um moderate Verhandlungsführung bemühte Koch appellierte generell an die Prozessbeteiligten, «jetzt nicht die große Keule vor dem Europäischen Gerichtshof auszupacken». Dies sei nicht im Sinne des deutschen Fußballs. Gemünzt auf eventuelle Prozess-Profiteure im Kampf um den Bundesliga-Aufstieg stellte Koch unmissverständlich klar: «Sportgerichtsverfahren sind keine Lizenz zum Aufstieg.»

Der Münchner Sportrichter zog nach der Frankfurter Verhandlung eine für ihn zufrieden stellende Zwischenbilanz. «Ich bin froh, dass wir nicht einmal acht Wochen nach Bekanntwerden der Affäre 15 von 16 Fällen vor dem Sportgericht zum Abschluss gebracht haben», sagte Koch. Bliebe nur noch der Einspruch des Karlsruher SC gegen die Wertung des am 3. Dezember 2004 mit 0:3 gegen den MSV Duisburg verlorenen Spiels, der am 23. März verhandelt werden soll.

Der KSC-Protest scheint gute Aussichten auf Erfolg zu haben: Denn Schiedsrichter dieser Partie war der in U-Haft genommene Dominik Marks, der für die von ihm allerdings bestrittene Manipulation angeblich 30 000 Euro erhalten haben soll. Die Festnahme von Marks war für Koch «keine Überraschung». Koch: «An der Rechtsprechung des Sportgerichts ändert sich dadurch nichts.»

Im Zusammenhang mit dem Wettbetrugs-Skandal ist der erste Fußballspieler festgenommen worden. Steffen Karl vom Regionalligisten Chemnitzer FC wurde in Chemnitz mit Haftbefehl des Amtsgerichts Berlin-Tiergarten festgenommen.

Die zuständige Ermittlungsrichterin hat dem Spieler den Haftbefehl verkündet und die Vollstreckung der Untersuchungshaft angeordnet, teilte das Gericht mit. Gegen Karl besteht dringender Tatverdacht wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs, der versuchten Verbrechensabrede und Nötigung.

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