Aufsteiger: Aufwind für ostdeutschen Fußball

München (dpa) – Mit der Rückkehr von Dynamo Dresden und Rot-Weiß Erfurt in den Profibereich erhält der lange darbende Ostfußball wieder Aufwind, mit Rot-Weiß Essen schaffte ein Traditionsverein den Aufstieg in die 2. Liga – und der 1. FC Saarbrücken pflegt anders als vor zwei Jahren leise Töne.

Damals träumten die Verantwortlichen aus Saarbrücken euphorisch vom Durchmarsch in die Bundesliga und wurden mit der Rückkehr in die Regionalliga bestraft. Dieses Mal wollen sich die Saarländer mit dem Klassenverbleib begnügen. «Als Aufsteiger verfolgen wir naturgemäß das Ziel, den Abstieg zu verhindern. Jeder Platz, der besser wird, ist willkommen», sagte Sportdirektor Bernd Coen. Die Qualität der Mannschaft stimmt Trainer Horst Ehrmanntraut positiv: «Wir haben ein gutes Gerippe, eine gute Substanz.» Mit einem Etat von 8,5 Millionen Euro hat der Verein doppelt so viel Geld zur Verfügung wie in der Regionalliga.

Die Vereinsgeschichte von Rot-Weiß Essen ist gesäumt mit großen Namen. Von Helmut Rahn, der WM-Legende von 1954, bis hin zum neuen griechischen Volkshelden Otto Rehhagel, der die Hellenen als Trainer in Portugal sensationell zum EM-Titel führte – doch das ist Tradition und Vergangenheit. Gegenwärtig fiebert der Club neuen Aufgaben entgegen: «Ich freue mich auf die Bundesliga-Absteiger, auf die Lokalrivalen aus dem Westen und überhaupt auf die 2. Liga», erklärte Trainer Jürgen Gelsdorf. Doch er weiß um die Schwierigkeiten, die den Aufsteiger im «Unterhaus» erwarten. Immerhin stiegen in der Vorsaison mit dem VfL Osnabrück und dem SSV Jahn Regensburg zwei Aufsteiger sofort wieder ab. «In dieser Klasse müssen wir uns erst einmal bewähren, das wird schwer genug», sagte der Coach.

Zwei Meistertitel (1954, 1955) zu DDR-Zeiten, 1997 Insolvenz und 2000 Qualifikation für die zweistaffelige Regionalliga – nach bewegter Geschichte wollte Rot-Weiß Erfurt durch die Zugehörigkeit zur 2. Liga eigentlich in ruhigeres Fahrwasser gelangen. Doch Ex-Manager Wilfried de Buhr sorgt für Wirbel: Er hat erfolgreich vor dem Arbeitsgericht eine Gehaltsnachzahlung erfochten. Über eine Aufstiegsprämie, die er ebenfalls beansprucht, wird frühestens Ende August vor Gericht entschieden.

Im sportlichen Bereich vertrauen Verantwortliche und Fans auf Trainer René Müller. Der ehemalige DDR-Nationalspieler formulierte seine Ziele so: «Wir wollen auf jeden Fall den Klassenerhalt schaffen, ein einstelliger Tabellenplatz wäre super.»

Neun Jahre nach dem Zwangsabstieg sind vergangen, bis sich Dynamo Dresden im bezahlten Fußball zurückmelden konnte. Den Aufstieg verdanken die Sachsen eher der mannschaftlichen Geschlossenheit denn individuellen Könnern. Mit diesem Rezept will Dresden auch in der 2. Liga bestehen, zumal nahezu alle Leistungsträger dem Verein die Treue hielten.

Ärgerlich sind für Trainer Christoph Franke lediglich die Bedingungen, unter denen die Mannschaft professionelles Training absolvieren soll. «Da ist Dresden vor 30 Jahren stehen geblieben», klagte er. Die Anhänger von Erfurt und Dresden können sich auf einige Ost-Derbys freuen: Sowohl Erzgebirge Aue als auch Energie Cottbus spielen mit in der 2. Liga und sorgen somit für die Renaissance der ostdeutschen Vereine im Profigeschäft.

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