Aachen träumt vom Aufstieg und vom neuen Tivoli

Aachen träumt vom Aufstieg und vom neuen Tivoli
Aachen träumt vom Aufstieg und vom neuen Tivoli
Das Vereins-Logo der Alemannia Aachen.

Hafnarfjördur (dpa) – Vor zweieinhalb Jahren war Alemannia Aachen am Ende: Kein Geld, keine Spieler, die Lizenz massiv gefährdet – ein Traditionsverein des deutschen Fußballs drohte von der Landkarte zu verschwinden.

Heute ist alles anders: Der Zweitligaclub spielt erstmals in seiner 104-jährigen Geschichte im UEFA-Pokal, die Finanzen sind trotz Restschulden von 2,8 Millionen Euro solide, die nahe Zukunft sieht rosig aus.

Trotzdem weint Aachens Vereinspräsident Horst Heinrichs dem 23. Mai 2004 hinterher. An jenem Tag nämlich verspielten die Alemannia- Profis mit dem 0:1 in Karlsruhe die Rückkehr in die Bundesliga. «Da waren wir alle schon etwas traurig», erinnert sich Heinrichs an die leichtfertig vergebene Chance. Zumal eine Woche später auch das zweite Entscheidungsspiel verloren ging: Im DFB-Pokalfinale unterlag Aachen dem deutschen Meister Werder Bremen 2:3, Trainer Jörg Berger musste gehen.

Geblieben sind die erstmalige Teilnahme an einem Europacup und die Hoffnung: Am Tivoli wird vom Erstliga-Aufstieg geträumt. «Klar. Wer würde nicht aufsteigen wollen? Natürlich wollen wir in der ersten Liga spielen», sagt Geschäftsführer Bernd Maas. Mehr Einnahmen aus dem Fernsehvertrag, mehr Vermarktungsmöglichkeit, attraktiveres Sponsoring – die 1. Liga lockt. «Aber es gibt für die Mannschaft keinen Zwang zum Aufstieg. Wir wollen im oberen Drittel mitspielen», hält Heinrichs am behutsamen Aufbau fest.

Dabei herrscht Euphorie im Grenzland. Der Verein machte in der vergangenen Saison einen Gewinn von 1,135 Millionen Euro, die Mitgliederzahl ist auf 4200 gestiegen, für die Spiele der 2. Liga wurden mehr als 9000 Dauerkarten verkauft. Doch so recht stellt das keinen zufrieden, obwohl Maas nach dem harten Konsolidierungskurs der jüngeren Vergangenheit stolz verkündet: «Vor zwei Jahren ging es ums blanke Überleben, jetzt sind wir auf einem guten Weg.»

Waghalsig wird am 1928 eingeweihten Tivoli keiner, selbst nicht beim Blick auf den Nachbarn Borussia Mönchengladbach und dessen neues Stadion. «Nein, einen Masterplan für so etwas gibt es bei uns nicht. Allenfalls eine Wunschvorstellung», sagt Heinrichs, seit 23. Juni 2003 Präsident der Alemannia. Doch in Aachen wissen alle, dass es ohne ein einen «neuen» Tivoli nicht geht.

Für den UEFA-Cup muss der Club in das 62 km entfernte RheinEnergieStadion nach Köln ausweichen, «und dort werden wir natürlich nicht die selbe Stimmung wie am Tivoli haben», so Heinrichs. Bleibt langfristig nur ein Neubau, eine grundlegende Modernisierung der altehrwürdigen Arena kommt wegen strenger Auflagen nicht in Frage. «Gedankenspiele», sagt Maas. Gratwanderungen kann sich der Verein nicht erlauben: «Wir müssen uns erst ganz entschulden.» Und das geht nur über die 1. Liga. Erst dann will man sich Gedanken über eine neue Heimspielstätte machen.

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