1. FC Köln zieht Reißleine: Soldo muss gehen

1. FC Köln zieht Reißleine: Soldo muss gehen
1. FC Köln zieht Reißleine: Soldo muss gehen
Kölns Trainer Zvonimir Soldo wurde entlassen.

Köln (dpa) – Der 1. FC Köln hat nach der sportlichen Talfahrt die Reißleine gezogen und sich von Chefcoach Zvonimir Soldo getrennt.

Aufgebrachte Fans, ein frustrierter Clubchef Wolfgang Overath, fünf Punkte aus neun Spielen, Abstiegsplatz und keine Besserung in Sicht – der Fußball-Bundesligist handelte branchenüblich: «Vorstand und Geschäftsführung des 1. FC Köln haben die Entscheidung gemeinsam nach einer eingehenden Analyse am Sonntagnachmittag getroffen», hieß es in einer Erklärung.

U 23-Coach Frank Schaefer übernimmt von sofort an die Leitung des Trainings und wird das Team um Lukas Podolski im Pokalspiel am Dienstag gegen 1860 München betreuen. Schaefer, der mit einer Unterbrechung (1997 bis 2003) schon seit 1982 für den FC arbeitet, wird am Spieltag 47 Jahre alt. «Er bekommt von uns die Chance, hier als Interimstrainer zu beginnen. Und dann schauen wir weiter, wie es mit ihm läuft», sagte Overath.

«Nach dem schlimmen Spiel in Hannover haben wir diese Entscheidung getroffen, weil wir glauben, dass diese Geschichte mit einem neuen Trainer zu stoppen ist», erläuterte Overath. «Der Druck war relativ stark. Man soll solchen Dingen zwar nicht immer nachgeben, aber wir haben uns so entschieden», ergänzte der Weltmeister von 1974.

Stunden vor der Entlassung hatten Medien Soldos Abgang bereits als perfekt gemeldet – verfrüht. Kurz danach wurde der Abschied dann aber doch zur Gewissheit. Für Soldo standen die Zeichen spätestens seit dem 1:2 am Samstag in Hannover auf Zwangsdemission wie bei seinem Kollegen Christian Gross vom VfB Stuttgart, wo Soldo lange als Profi aktiv war.

Der Kroate hatte sich gedanklich schon darauf eingestellt, was ihm widerfahren würde: «Wenn die Punkte fehlen, dann wirst du als Trainer infrage gestellt», hatte er nach der Pleite in Niedersachsen von sich gegeben. Am Morgen danach schien alles noch normal, trotz der höchst angespannten Situation. Soldo leitete die Übungseinheit und wirkte bei seinem weiteren Verbleib als verantwortlicher Coach zuversichtlich wie tags zuvor. «Ich gehe davon aus, dass ich gegen 1860 München auf der Bank sitzen werde», hatte er wissen lassen.

Später wurde ihm bewusst, dass es doch schneller gehen könnte. «Wenn du diesen Job machst, musst du auf alles vorbereitet sein», sagte er in der TV-Sendung «Doppelpass», war aber gleichwohl davon überzeugt, die Krise meistern zu können: «Wir haben die Qualität, aus dieser Situation herauszukommen» – den Beweis darf er nicht mehr erbringen.

Noch am Donnerstag hatte der 1. FC Köln erklärt, dass er «vollstes Vertrauen in die handelnden Personen» habe. Die Verlautbarung war von Overath und seinen Stellvertretern Friedrich Neukirch und Jürgen Glowacz unterzeichnet. Der Stimmungswandel kam dann über Nacht, Overath und Kollegen konnten oder wollten dem Druck der Fans nicht mehr standhalten. Overath war bereits nach dem 1:2 in Hannover «fürchterlich enttäuscht».

Mit der Trennung von Soldo, der den FC als Hoffnungsträger nach Christoph Daum am 1. Juli 2009 übernommen hatte, gehen rund um das Geißbockheim Chaostage zu Ende. Podolskis Rundumschlag in der «Sport Bild», das Gerangel um die Länderspielreise von Torwart Faryd Mondragon und der konfuse Auftritt des kolumbianischen Keepers mit seinen «Jesus»-Anwandlungen – der erste Bundesliga-Meister (1964) muss jetzt dringend Ruhe in seine Handlungen bringen.

In Soldo wurde wieder einmal der Trainer zum «Sündenbock» gemacht, obwohl er auch nach Ansicht der Verantwortlichen im Grunde keiner war. Nicht nur Podolski hatte ihm bescheinigt, ein guter Typ und akribischer Trainer zu sein. Doch die nach außen über alle Maßen ruhige und bedächtige Art Soldos war bei den FC-Fans schon länger nicht mehr gefragt. Die Kritik an ihm wurde überlaut, als er im Spiel gegen Dortmund auf Mondragon verzichtete.

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