Sammer schäumt nach Sieg über Ex-Club

Sammer schäumt nach Sieg über Ex-Club
Sammer schäumt nach Sieg über Ex-Club
Der Stuttgarter Trainer Matthias Sammer gibt vom Spielfeldrand aus Anweisungen.

Stuttgart (dpa) – Nach dem 2:0 (0:0)-Sieg gegen seinen Krisen geschüttelten Ex-Club konnte und wollte der seit Tagen innerlich brodelnde «Vulkan» Matthias Sammer seinen emotionalen Ausbruch nicht mehr stoppen.

«Diese ganze Hetzjagd ist typisch deutsch. Das ist eine Treibjagd», giftete der Erfolgstrainer des VfB Stuttgart mit zorngeschwollenen Adern gegen die vereinsinterne Opposition bei Borussia Dortmund und manche Medien. «Was da abläuft, ist unglaublich. Das geht ins Private rein, da wird die Familie angegriffen. So geht man nicht mit Menschen um.»

Sammer, der während seiner elf Jahre in Dortmund als Spieler und Trainer fast alle Höhen und Tiefen im Fußball erlebt hatte, stellte sich demonstrativ hinter dem massiv unter Druck stehenden Gerd Niebaum. «Er hat mir sehr viel gegeben und ich habe das Bedürfnis, für ihn zu sprechen», sagte der 37-Jährige über seinen einstigen Ziehvater, der nach wochenlanger Kritik als BVB-Präsident zurücktrat. «Die Leute sollen sich erinnern, wo der Verein vor Niebaum stand.» Trotz dieses Treuebekenntnisses wollte auch Sammer die Brisanz des Finanz- und Führungsproblems nicht verharmlosen. «Natürlich sind Fehler gemacht worden und man kann die Zahlen nicht schönreden.»

Während der Ex-Dortmunder seiner Wut und Empörung freien Lauf ließ, suchte sein Nachfolger vorsichtig nach Formulierungen. Erst seit vier Monaten im Amt, wird die Mission für Bert van Marwijk immer heikler, da sich nach dem von der Führungsetage verschuldeten finanziellen und personellen Chaos nun auch eine sportliche Krise anbahnt. «Das sind schwierige Zeiten für Dortmund und auch für mich», gestand der Niederländer. «Wir werden jeden Tag, jede Minute damit konfrontiert.» Es sei wichtig, die Probleme so schnell wie möglich zu lösen. Er schätze Niebaum als «sehr netten, erfahrenen Mann, der mit ganzem Herzen alles für Dortmund tut».

Die wegen schwerer Abwehrfehler auswärts erstmals bezwungenen BVB-Profis räumten ein, dass sie das ganze Tohuwabohu trotz allen Bemühens, sich auf das Sportliche zu konzentrieren, belaste. «Wir sprechen zwar in der Kabine nicht darüber, aber wir haben Augen und Ohren und bekommen alles mit», meinte Tomas Rosicky. Florian Kringe sagte: «Es ist nicht einfach, aber als Spieler muss man das verdrängen können.» Niebaum hatte auf die Reise nach Stuttgart verzichtet. Michael Meier, der ebenfalls stark umstrittene Geschäftsführer der Kommanditgesellschaft auf Aktien, und Sportmanager Michael Zorc kommentierten nur das Spiel.

Die sportliche Analyse fiel bei Sammer angesichts der Turbulenzen bei seiner «alten Liebe» kurz aus. Er bescheinigte seinen nun im zwölften Pflichtspiel in Serie ungeschlagenen Schützlingen eine taktisch disziplinierte und Fehler freie Leistung. Andreas Hinkel mit seinem ersten Bundesliga-Tor im 109. Einsatz (52.) und Cacau mit seinem sechsten Saisontreffer (68.) nach glänzender Vorarbeit von Kevin Kuranyi sorgten für die Fortsetzung des Höhenflugs.

Das gelungene Comeback des Nationalstürmers Kuranyi in der 55. Minute nach einmonatiger Verletzungspause sorgte zwar für Jubel bei den 48 000 Zuschauern, spielte aber nach dem Schlusspfiff selbst für Sammer nur eine untergeordnete Rolle. Das Hauptthema beschäftigte ihn bei diesem emotionsgeladenen Wiedersehen einfach stärker. «Mein Herz hängt an Dortmund. Ich wäre noch gerne Trainer in Dortmund und kehre auch gerne dorthin zurück», richtete Sammer eine Art Liebeserklärung an seinen alten Club. Dem Eindruck, es tue ihm Leid, dass der VfB gewonnen habe, wollte er aber nicht vermitteln. «Das muss man trennen. Ich habe mich über den Sieg richtig gefreut.»

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