Neue Bescheidenheit beim «Club»

Neue Bescheidenheit beim «Club»
Neue Bescheidenheit beim «Club»
Nürnbergs Präsident Michael A. Roth (l) schüttelt Wolfgang Wolf die Hand.

Nürnberg (dpa) – Beim 1. FC Nürnberg ist es ungewöhnlich ruhig für diese Jahreszeit. Statt Krach und Ärger herrscht beim einstigen Skandalverein Ruhe und Gelassenheit, und auch der sonst übliche «Heiße Herbst» soll in dieser Saison vermieden werden.

Der Aufsteiger aus Franken ist so gut in die Fußball-Bundesliga gestartet wie seit mehr als 20 Jahren nicht und steht trotz der knappen Niederlage gegen den Hamburger SV (3:4) nach drei Spieltagen in der Tabelle als Siebter sogar vor dem Erzrivalen FC Bayern München.

Vergleiche mit dem deutschen Rekordmeister scheut man beim früher zur Selbstüberschätzung neigenden Traditionsverein allerdings. Mit Trainer Wolfgang Wolf scheint in Nürnberg der Realismus Einzug gehalten zu haben. «Wo der FC Bayern steht interessiert uns nicht, der hat ja ganz andere Ansprüche als wir», sagte «Club»-Präsident Michael A. Roth der dpa. Die Ansprüche des 1. FC Nürnberg sind für Roth klar. In den nächsten Jahren will sich der sechsmalige Absteiger endlich als «normales Mitglied der Bundesliga» etablieren. Die Weichen für dieses Vorhaben seien gestellt, so der Präsident.

Im Vergleich zu den letzten Rückkehrversuchen in die Bundesliga, als man sich mit überzogenen Erwartungen oft selbst unter Druck gesetzt hatte, scheint der neunmalige deutsche Meister diesmal tatsächlich ein langfristiges Konzept entwickelt zu haben. Um die erfahrenen «Eckpfeiler» des Teams – Tomasz Hajto, Tommy Larsen und der in dieser Woche verpflichtete Schweizer Mario Cantaluppi – hat Trainer Wolfgang Wolf den jüngsten Kader der Bundesliga gruppiert. «Die Erfahrenen sind die Stützen», sagte auch Roth, «an ihnen können sich die Jungen anlehnen, und von ihnen können sie lernen.»

Finanzielle Vabanque-Spiele wie in der Vergangenheit scheut der Verein indes. «Die Zeiten von großen Ablösesummen und überzogenen Gehältern sind ohnehin vorbei», so Roth, der der Entwicklung der letzten Jahre durchaus Positives abgewinnen kann: «Es geht jetzt nicht mehr darum, irgendwelche großen Namen zu verpflichten, sondern darum, ein Team zu formen, das vor allem auch charakterlich passt.» Unterstützung erhält Roth in dieser Philosophie auch von Wolf. «Wir müssen hier kleine Brötchen backen», betonte der gegen Euphorie scheinbar immune Pfälzer immer wieder, und erhielt vom Präsidenten im Gegenzug das Versprechen, «das Team Jahr für Jahr qualitativ zu verstärken».

Zudem versucht der 1. FC Nürnberg seine Leistungsträger wie das bei der Konkurrenz mittlerweile heiß begehrte slowakische Offensivduo Marek Mintal und Robert Vittek langfristig an sich zu binden. Mintal, der gegen den HSV alle drei Tore für den «Club» schoss, ist mit einem Vertrag bis 2008 ausgestattet, Vitteks Vertrag läuft sogar bis 2009. «Wir haben die besten Voraussetzungen geschaffen, endlich aus dem Fahrstuhl aussteigen zu können», zeigte sich Roth entsprechend zuversichtlich, «wenn wir diese Saison gut überstehen, haben wir schon einiges erreicht.»

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