Magath sauer – Asamoah stiehlt Ailton die Show

Magath sauer – Asamoah stiehlt Ailton die Show
Magath sauer - Asamoah stiehlt Ailton die Show
Gerald Asamoah jubelt mit Gustavo Varela (r) und Marcelo Bordon über seinen Treffer.

München (dpa) – Alle blickten gespannt auf das Comeback von Ailton, doch an Stelle von «Toni Torlos» schockte Schalkes neuer Erfolgsgarant Gerald Asamoah einen erschreckend schwachen FC Bayern München.

Mit seinem vierten Saisontor stahl der erneut bärenstarke Nationalspieler beim ersten Auswärtssieg des FC Schalke 04 nicht nur dem nach abgelaufener Sperre zurück gekehrten Torschützenkönig der vergangenen Saison die Show, sondern sorgte beim Rekordmeister vor dem Champions-League-Hit bei Juventus Turin für einen Rückfall in überwunden geglaubte Zeiten. «Das war ein Scheißspiel von uns», kommentierte Michael Ballack drastisch das verdiente 0:1 (0:0).

«Ich habe nur bei Oliver Kahn und Lucio Siegeswillen gesehen», kritisierte Magath insbesondere die Einstellung seiner Akteure. Nach dem Training versammelte der Coach das komplette Team zur Aussprache und kündigte schon vorher klare Worte an: «Wir werden über das Spiel reden. Es wird sich der eine oder andere kritisiert fühlen. Wir können nach so einer Leistung nicht zur Tagesordnung übergehen.» Die ganze Partie werde er aber nicht analysieren können. «Es soll ja nicht bis zur Dunkelheit dauern», sagte Magath. Für Turin kündigte der Coach auch gleich personelle Konsequenzen an. «Wenn ich nicht zufrieden bin, muss ich reagieren.» Eine Steigerung gegen «Juve» forderte auch Präsident Franz Beckenbauer: «Wir müssen zulegen.»

Während in der Champions League bisher alles nach Plan lief, drohen die Bayern in der Bundesliga wie im Vorjahr den Anschluss nach oben zu verpassen. «Wir müssen höllisch aufpassen, nicht an Boden zu verlieren», warnte der beim Kopfball von Asamoah (76.) chancenlose, ansonsten aber fehlerfrei haltende Kapitän Kahn angesichts von schon sechs Punkten Rückstand auf den VfB Stuttgart. Nur 14 Zähler aus acht Spielen entsprechen nicht den hohen Ansprüchen. «Wir stehen nicht auf Platz eins, sondern vier – und das ist zu wenig für uns», erklärte Kahn: «Es ist unsere Verpflichtung, Meister zu werden.»

Gegen Schalke war von meisterlichem Spiel nichts zu sehen. Magath führte zwar die Länderspiel-Pause, die Personalnot im Angriff und das im Hinterkopf steckende Juve-Spiel als mögliche Gründe für die erste Heimniederlage seit dem Meisterstück von Werder Bremen (3:1) am 8. Mai ins Feld, aber als Erklärung genügte das nicht. Das Bayern-Spiel litt neben fehlendem Biss unter einem ideenlosen Mittelfeld, in dem vor allem Sebastian Deisler ein Totalausfall war. Hinzu kam die durch Verletzungen von Pizarro, Hashemian und Santa Cruz erzwungene System- Umstellung mit Roy Makaay als einzigem Stürmer. «Mit nur einer Spitze kommen wir anscheinend nicht klar», stellte Ballack fest.

Magath hätte sich in seiner Elf aber auch einen Typen wie Asamoah gewünscht, der bester Mann auf dem Platz war und seine Leistung mit dem Siegtor nach einem Freistoß von Hamit Altintop krönte. «Es war kein Zufall, dass Asamoah getroffen hat. Er war ständig unterwegs, hat Chancen erzwungen. Er hat auf die Socken gekriegt, aber immer weiter gemacht», lobte der Bayern-Coach den Schalker Matchwinner.

Asamoah hätte die Partie sogar schon früher entscheiden können, aber sechs Minuten vor seinem Kopfballtor vergab er eine Großchance. «Die leichten Dinger mache ich nicht rein, aber die Schweren gelingen mir», staunte der 26-Jährige. An sieben der neun Schalker Tore war er schon beteiligt. Auch Trainer Ralf Rangnick, der die Schalker wieder von der Champions League träumen lässt, hob den Angreifer besonders hervor. «Einen großen Anteil an der Top-Verfassung von Gerald hat aber auch Jupp Heynckes», lobte Rangnick seinen Vorgänger.

In den nächsten Spielen gehe es darum, nachzulegen, forderte er. Unter Rangnick ist die Defensive wieder stabiler geworden, zudem wurde seine mutige Aufstellung mit drei Stürmern belohnt. Nun muss er nur noch «Sorgenkind» Ailton wieder in Form bringen. Der Stürmerstar fiel im ersten Spiel nach sieben Wochen nur einmal auf, als er nach Asamoahs feinem Zuspiel an Kahn scheiterte (24.). Rangnick: «Normal macht Toni den rein, das Tor wäre wichtig gewesen für ihn.» Immerhin zeigte Ailton Einsicht für seine Auswechslung nach 67 Minuten: «Meine Leistung ist noch nicht 100 Prozent. Der Wechsel war korrekt.»

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