Magath mit Stotterstart im Trainerparadies

Magath mit Stotterstart im Trainerparadies
Magath mit Stotterstart im Trainerparadies
Felix Magath schaut sich die Spieler beim Abschlusstraining in Tel Aviv an.

Tel Aviv (dpa) – Felix Magath ist in seinem selbst ernannten Trainerparadies gelandet, wirklich angekommen ist er dort aber noch nicht. In der Fußball-Glitzerwelt des FC Bayern München wirkt der neue Coach nach knapp drei Monaten oft noch wie ein Fremdkörper.

«Ich werde mich hier zu Hause fühlen, weil der FC Bayern die gleichen Ansprüche hat wie ich», sagte Magath. Gerade die großen sportlichen Ambitionen sehen einige wegen des mäßigen Bundesliga-Starts aber in Gefahr. Selbst Magath-Fan Franz Beckenbauer forderte vor dem Auftakt in der Champions League bei Maccabi Tel Aviv «spätestens bis Weihnachten» einen deutlichen Aufschwung.

Mit seiner oft von einem ironischen Unterton durchzogenen Art hat sich Magath in München bislang wenig Sympathien erworben. Gerade die Profis haben offenbar Probleme, die Philosophie des 51-Jährigen zu akzeptieren. «Qualität kommt von Qual», hatte Magath einst sein Credo genannt und sich quasi selbst das Image des «harten Hundes» in der Trainer-Branche verpasst. «Der Felix ist doch nicht der Feind der Spieler. Und er wird ein großer Freund der Mannschaft werden, wenn einmal alle Mechanismen greifen», sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge der «Süddeutschen Zeitung».

Beim FC Bayern beendete Magath – wie von der Vereinsspitze erhofft – die für die Spieler vergleichsweise gemütlichen Zeiten unter seinem Vorgänger Ottmar Hitzfeld. Trainingsstart in den frühen Morgenstunden und größeres Augenmerk auf Fitness mit Dauerläufen im Alpenvorland waren die von dem einst «Quälix» titulierten Trainer erwarteten ersten Maßnahmen. Die gute Laune nach dem Gewinn des Ligapokals hielt aber nicht lange an. «Er braucht seine Zeit. Es gibt Reaktionen von den Spielern, weil sie nicht daran gewöhnt waren, so hart zu arbeiten», sagte Beckenbauer. Kapitän Oliver Kahn hat immerhin erste Annäherungen der Mannschaft an den Marathon-Läufer und Schachspieler Magath ausgemacht.

Endlich wie einst als Spieler Titel zu gewinnen, ist Magaths Motivation, das Engagement beim Rekordmeister für ihn ein logischer Schritt nach seinen harten Zeiten in Hamburg, Nürnberg, Bremen und Frankfurt sowie der hochgelobten Aufbauarbeit beim VfB Stuttgart. Auszeichnungen wie die zum «Brillenträger des Jahres 2004» haben für den Siegtorschützen des Hamburger SV im Landesmeister-Cup von 1983 keinen Wert. Der Traum von Glück ist für den sechsfachen Vater, «Champions-League-Sieger mit dem FC Bayern zu werden».

Magath genießt viel Vertrauen bei den Bayern-Bossen, die ihren mit einem Vertrag bis 2007 versehenen Wunschkandidaten verbal schützen. Skeptiker sehen allerdings schon Parallelen zu Trainer-«König» Otto Rehhagel, der 1995/96 beim FC Bayern erst hofiert und dann praktisch davon gejagt wurde.

Spätestens nach dem viel diskutierten Haargel-Vorwurf gegen seine Spieler dürfte Magath klar geworden sein, dass mit dem Wechsel aus dem vergleichsweise beschaulichen Stuttgart in Münchens aggressive Medienlandschaft auch seine eigenen idyllischen Zeiten vorbei sind. Dabei hatte der Trainer des Jahres 2003 die Kritik am Styling-Wahn seiner Profis gar nicht so gemeint. «Ich will auf der Trainerbank ja auch nicht aussehen wie dahergelaufen», sagte Magath.

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