Finaler Kraftakt erspart Bayern neuen Ärger

Finaler Kraftakt erspart Bayern neuen Ärger
Finaler Kraftakt erspart Bayern neuen Ärger
Der Dortmunder Ewerthon hat es zwei Mal an Oliver Kahn vorbei zu einem Tor geschafft.

Dortmund (dpa) – Noch drei Minuten vor dem Ende drohten Schimpf und Schande, doch nach dem Abpfiff herrschte eitel Sonnenschein. Selbst der schlechteste Saisonstart seit 25 Jahren konnte die gute Stimmung beim FC Bayern München nicht trüben.

Ein finaler Kraftakt mit Toren von Lucio (88.) und Roy Makaay (90./+1) zum 2:2-Endstand beim Erzrivalen Borussia Dortmund hauchte dem zuletzt leblos wirkenden Fußball-Rekordmeister urplötzlich neues Leben ein. Die Last-Minute-Treffer wirkten auf alle Bayern wie ein Zaubertrank: «Das wird uns einen richtigen Schub geben», meinte Torhüter Oliver Kahn. Auch Manager Ulli Hoeneß sprach von einer Zeitenwende: «Unser Selbstvertrauen war angeknackst. Jetzt ist es wieder zurück.»

Der Titelfavorit geriet in der hitzigen Atmosphäre des mit 83 000 Zuschauern ausverkauften Westfalenstadions zwar mächtig ins Wanken, aber er fiel nicht. Als das Spiel nach den Treffern von Ewerthon (44./69., Foulelfmeter) bereits verloren schien, schlug der Gast eiskalt zurück. Der Ärger über mäßige 75 Anfangsminuten der Mannschaft verflog bei Karl-Heinz Rummenigge im Rekordtempo. «Der Fußball, den wir in den letzten 15 Minuten gespielt haben, ist der, der uns zum Erfolg führt. Vielleicht hat die Mannschaft so ein Schlüsselspiel gebraucht», sagte der Vorstandsvorsitzende.

Wie dicht Freud und Leid im Fußball zusammenliegen können, bekamen auch die Dortmunder in aller Deutlichkeit zu spüren. Der erste Heimsieg der Saison schien zum Greifen nahe, wurde aber wie schon gegen Hannover 96 (1:1) vor drei Wochen in den letzten Minuten verspielt. Der bis dahin einigermaßen sattelfesten BVB-Abwehr unterliefen zwei entscheidende Fehler. Zum Leidwesen von Manager Michael Meier blieb damit der ersehnte sportliche Befreiungsschlag beim finanziell schwer angeschlagenen Revierclub aus: «Es scheint ein Fluch auf uns zu lasten. Irgendwie soll es nicht sein.»

Nicht minder groß war der Frust bei Christian Wörns. «Das ist wie ein schlechter Traum. Wir alle saßen in der Kabine und konnten nicht fassen, wie das passieren konnte», klagte der Manndecker. Das Missverhältnis zwischen dem unverkennbaren sportlichen Aufwärtstrend unter Trainer Bert van Marwijk und der bisher mäßigen Punktausbeute macht ihm schwer zu schaffen: «Wir haben sechs Zähler zu wenig und könnten locker Tabellenführer sein. Jetzt dürfen wir uns keinen Ausrutscher mehr erlauben.» Denn alle wissen: Sollte sich das Team noch weiter von den überlebensnotwendigen Europacup-Rängen entfernen, würde das die Suche nach dringend benötigten neuen Geldquellen zusätzlich erschweren.

Anders als beim BVB hält sich der sportliche Schaden beim FC Bayern bisher in Grenzen. Obwohl die Mannschaft in fünf Spielen erst zwei Siege verbuchte und damit so schlecht wie zuletzt in der Saison 1979/80 startete, konnten sich die vermeintlichen Hauptrivalen aus Bremen, Stuttgart und Leverkusen nicht deutlich absetzen. Für Torjäger Makaay, der sein Team mit einem platzierten Kopfball vor der zweiten Saisonschlappe bewahrte, ist die Rückkehr an die Spitze nur eine Frage der Zeit. «Wenn die Partie noch ein paar Minuten länger gelaufen wäre, hätten wir auch noch das dritte Tor gemacht», tönte der Torjäger. Ganz so falsch scheint Manager Hoeneß mit seiner Prognose vom gewachsenen Selbstvertrauen also nicht zu liegen.

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