Fanproteste: Lienen sieht Medien-Kampagne

Fanproteste: Lienen sieht Medien-Kampagne
Fanproteste: Lienen sieht Medien-Kampagne
Hannovers Trainer Ewald Lienen beobachtet das Spiel seiner Mannschaft.

Hannover (dpa) – Ewald Lienen wähnt sich wieder einmal verfolgt. Der Trainer von Hannover 96 macht eine Zeitungs-Kampagne dafür verantwortlich, dass die Fans nach dem 0:1 gegen Arminia Bielefeld lautstark forderten: «Lienen raus, Lienen raus.»

Der ausgepfiffene und ausgebuhte Coach klagte später: «Das ist eine Situation, die hier schon seit Wochen vorbereitet wird von der Medienlandschaft.» Die wütenden Anhänger nahm er hingegen in Schutz: «Man kann den Leuten da draußen keinen Vorwurf machen.»

Lienen verfiel nach Hannovers erneutem Sturz auf den letzten Platz der Fußball-Bundesliga in Verhaltensmuster, die er auch schon bei seinen anderen Stationen wie etwa in Köln gezeigt hatte. Seine Arbeit sei so kritisiert worden, klagte er, «dass das so kommen musste». Auf Nachfrage, wen er mit seiner pauschalen Medien-Schelte genau meine, antwortete er nicht. Einen Reporter des Fachmagazins «Kicker» beschied er: «Gehen Sie nach Hause und machen sich Gedanken, was Sie dazubeigetragen haben.»

In seinem Ärger griff Lienen indirekt auch die Clubführung an. Auf die Diskrepanz zwischen der derzeitigen Tabellen-Realität und dem Anspruch, einen gesicherten Mittelfeldplatz zu erreichen, meinte der Fußball-Lehrer: «Ich bin nicht verantwortlich für alle Aussagen von Leuten, die im Verein sind.» Im Umfeld des Vereins gebe es «offensichtlich eine andere Erwartungshaltung».

Die Lage in Hannover ist gespannt. Manager Ilja Kaenzig wurde noch am Abend gefragt, ob Lienen bei Hansa Rostock überhaupt noch im Amt sei. «Wir machen solche Entscheidungen nicht von einem einzigen Tor abhängig», sagte Kaenzig und verwies auf den entscheidenden Treffer von Delron Buckley (79.).

Lienen sieht das ähnlich: «Fliegt der Ball hinten rein, explodiert die Stimmung und der Trainer soll gehen. Fliegt der Ball vorne rein, sind wir die Helden. So ist Fußball heutzutage aufbereitet.» Durch den aus seiner Sicht unverdienten Treffer wurde seine Elf «bitter bestraft und es sieht so aus, als wären wir die schlechteste Mannschaft der Welt».

In der Tat war seine Mannschaft in der zunehmend zerfahrenen Nachholpartie die bessere und besaß auch mehr Torchancen. Zwingend war das Auftreten allerdings nicht. In Hannovers Zeitungen, die Lienen in den vergangenen Wochen eine zu defensive Taktik vorgeworfen hatten, hieß es am Tag nach der Partie übereinstimmend: «Angsthasen-Fußball».

Während sich Bielefeld mit dem zweiten Auswärtssieg nacheinander auf Rang sechs katapultierte, verpasste es Hannover 96, sich weit nach vorne zu schieben. Aber auch diese Gedankenspiele ärgerten Lienen. «Diese ganze Spekuliererei, mit acht Punkten ist man Sechster oder Siebter – was soll das», schimpfte er: «Das ist Blödsinn, uninteressant.»

Trotz des nun weiter wachsenden Drucks gab sich der Coach kämpferisch. «Wir werden nicht rumweinen, sondern nach vorne schauen und positiv sein», sagte er: «So bin ich das ganze Leben gewesen.»

Schreibe einen Kommentar