Fan-Kritik an Tönnies wächst: «Riesiger Imageschaden»

Fan-Kritik an Tönnies wächst: «Riesiger Imageschaden»
Bildhinweis: Muss mal wieder heftige Kritik einstecken: Schalke-Boss Clemens Tönnies. Foto: David Inderlied/dpa

Gelsenkirchen (dpa) – Vor den geplanten Fan-Protesten beim kriselnden Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 wird die Kritik an Aufsichtsratschef Clemens Tönnies lauter.

«Clemens Tönnies wird als verantwortungslos wahrgenommen. Als Schalker schämt man sich mittlerweile für den Verein», sagte Katharina Strohmeyer, Mitorganisatorin der Proteste, der «Welt». «Jedes Mal», wenn über die Vorkommnisse bei Tönnies-Fleisch berichtet werde, heiße es: «Tönnies, der Schalke-Boss.» Das sei ein «riesiger Imageschaden», kommentierte Strohmeyer.

Ziel sei die Ablösung von Tönnies an der Spitze des Schalker Aufsichtsrates. «Viele sagen: Endlich geht es los, endlich passiert etwas», sagte Strohmeyer. «Ich finde, der Verein gibt ein zunehmend desaströses Bild ab. Und im Laufe dieser Saison ist das Fass dann übergelaufen.»

Einer der Kritikpunkte ist die Amtsausübung von Tönnies. «Als Aufsichtsratsvorsitzender hat er zwar die grobe Richtung und eine langfristige Linie vorzugeben, sich aber ansonsten aus der Arbeit des Vorstandes herauszuhalten. Das tut er aber nicht. Ständig mischt er sich ein», monierte Strohmeyer.

Mit einer Menschenkette – unter Wahrung der Hygienevorschriften – rund um das Vereinsgelände am Berger Feld und die Veltins-Arena wollen die Anhänger am Samstag (15.30 Uhr) während des letzten Saisonspiels der Mannschaft in Freiburg gegen Missstände und Fehlentwicklungen demonstrieren. «Schalke ist kein Schlachthof – gegen die Zerlegung unseres Vereins», lautet das Motto. Die Organisatoren hoffen auf 1.500 bis 2.000 Teilnehmern.

Ähnlich kritisch wie Strohmeyer äußerte sich Kornelia Torpozysek, die nach den als rassistisch empfundenen Äußerungen von Tönnies aus dem Schalker Ehrenrat zurückgetreten war. «Seit dem Rassismus-Skandal im vergangenen Sommer kommen wir aus den Negativ-Schlagzeilen nicht mehr heraus. Manche machen sich über den Verein lustig, andere bemitleiden uns sogar. Ich kann mich persönlich nicht daran erinnern, dass es schon einmal so schlimm war», sagte sie in einem «11 Freunde»-Interview.

Deshalb müsse sich «grundlegend etwas ändern»: «Jetzt geht es um die Sache, jetzt geht es um den Verein. Wenn wir jetzt nicht etwas verändern, wann dann? Wir müssen jetzt möglichst viel Druck auf die Straße bringen.»

Die sportliche Talfahrt der Mannschaft mit zuletzt 15 Spielen ohne Sieg sei noch das geringere Problem. «Der Verein verlangt einem nicht nur fußballerisch, sondern auch vereinspolitisch und in der Außendarstellung alles ab. Das ist kaum noch zu ertragen. Tiefer geht’s nicht. Wir sind am Boden. Ein hundertprozentiges Desaster. Das ist niederschmetternd», klagte Torpozysek.

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