BVB-Aufsichtsrat sieht Vertrauensverlust

BVB-Aufsichtsrat sieht Vertrauensverlust
BVB-Aufsichtsrat sieht Vertrauensverlust
Gerd Niebaum präsentiert die BVB-Aktie.

Dortmund (dpa) – Trotz einer starken vereinsinternen Opposition und heftiger Angriffe von außen will Gerd Niebaum um seine Ämter bei Borussia Dortmund kämpfen. «Ich mache weiter und sehe keine Veranlassung, die Flinte ins Korn zu werfen», sagte der BVB-Präsident der «Westfälischen Rundschau».

Doch der 55 Jahre alte Jurist hat auch «das Gefühl, dass ich gekillt werden soll», wie der Geschäftsführer der Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) in der «Westdeutschen Allgemeine Zeitung» zitiert wird.

Möglicherweise wird über Niebaums Schicksal schon binnen kurzer Zeit entschieden. Für den 17. Oktober hat der BVB- Aufsichtsratsvorsitzende Winfried Materna nach eigenen Angaben eine außerordentliche Aufsichtsrats- und Beiratssitzung einberufen. «Die Situation ist höchst angespannt», sagte Materna der dpa. Der mit fast 119 Millionen Euro verschuldete börsennotierte Verein habe «ein Stück an Vertrauen verloren. Und das müssen wir zurück gewinnen.»

Materna ließ die Frage offen, ob Niebaum eventuell schon am 17. Oktober aus seinen Ämtern getrieben werden soll: «Darauf bekommen Sie von mir keine Antwort.» Die Tendenz indes scheint klar: «Wir müssen mit klarer Offenheit auftreten, wir müssen überprüfbare Meilensteine bei unserem Sparkonzept schaffen. Und es darf nicht mehr öffentlich spekuliert werden.» Dabei verhehlte der Vorsitzende des BVB- Kontrollgremiums nicht, «dass auch der Aufsichtsrat in der Kritik steht». In einem Interview mit dem Internet-Dienst «sportbild.de» bezeichnete Materna die Stimmung in Dortmund als «im Moment vergiftet».

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat unterdessen erklärt, auf der BVB-Hauptversammlung im November «der Geschäftsführungs GmbH die Entlastung verweigern» zu wollen. Indirekt wird damit auch der Aufsichtsrat kritisiert, der nach DSW- Einschätzung seine Kontrollpflichten nicht ausreichend wahr genommen hat. Lieber wäre es den Aktionärsschützern «natürlich» gewesen, Niebaum und dem zweiten BVB-Geschäftsführer, Michael Meier, «direkt das Misstrauen auszusprechen». Schließlich seien beide verantwortlich für die «katastrophale wirtschaftliche Situation des Unternehmens und den deutlichen Imageverlust in der Öffentlichkeit».

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) sieht im «Fall» Borussia Dortmund und Niebaum momentan keinen Anlass, den Verein möglicherweise unter Druck zu setzen. «Für uns ist entscheidend, dass Borussia Dortmund im Lizenzierungsverfahren die Auflagen und Bedingungen erfüllt hat», erklärte DFL-Präsident Werner Hackmann (Hamburg) auf dpa-Anfrage. Deswegen gebe es in der DFL «keinen Handlungsbedarf».

Michael Meier hat in der Zwischenzeit versucht, die Finanzsituation des BVB zu entdramatisieren. Den Verbindlichkeiten von fast 119 Millionen Euro stünden in der Bilanz «70 Millionen Euro flüssige Mittel» gegenüber. Zudem habe man Buchwerte im Lizenzspielerbereich «von rund 30 Millionen Euro». Das werde immer wieder vergessen, «wenn man nur einen Teil der Bilanz sieht».

BVB-Schatzmeister Hans-Joachim Watzke, der bei dem einstigen Dortmunder Renommierverein neben Materna als einer der Haupt-Kritiker Niebaums gilt, sagte der Dortmunder Zeitung «Ruhr Nachrichten», er sei «über diese Vorgänge hier fassungslos». Der als Niebaum-Nachfolger gehandelte Reinhard Rauball, vor dem jetzigen Präsidenten Amtsinhaber beim BVB, will sich vorerst zurückhalten und sich «nicht in eine Gruppierung drängen lassen». Von dem ehemaligen BVB-Schatzmeister Werner Wirsing wird Rauball öffentlich als Niebaum- Nachfolger genannt. Wirsing will mit einer Satzungsänderung die Trennung der Ämter des Vereinspräsidenten und des KGaA- Geschäftsführers erwirken. Die Mitglieder sollen am 14. November über einen entsprechenden Antrag befinden.

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