Nagelsmann: Realist in einer Scheinwelt

Julian Nagelsmann ist nach nur einem Jahr als Bundesliga-Chefcoach von Hoffenheim mit dem «Trainerpreis des deutschen Fußballs» vom DFB ausgezeichnet worden. Trotz des rasanten Aufstiegs bleibt er auf dem Teppich. Er weiß, dass auch schlechte Zeiten kommen werden.

Nagelsmann: Realist in einer Scheinwelt
Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann bleibt trotz des rasanten Aufstiegs auf dem Teppich. Foto: Uwe Anspach

Neu-Isenburg (dpa) – Trotz des phänomenalen Aufstieg als Bundesligatrainer vergisst Julian Nagelsmann die Gesetze des Fußballgeschäfts nicht.

«Es wird mich am Tag X nicht überraschen, wenn ich meine Sachen packen muss. Das Schöne ist, es ist berechenbar», sagte der 29-jährige Chefcoach von 1899 Hoffenheim, der am Montagabend vom DFB mit dem «Trainerpreis des deutschen Fußballs 2016» ausgezeichnet wurde. Er hatte die Kraichgauer als jüngster Trainer der Liga-Geschichte 2015/2016 vor dem Abstieg gerettet und kann nun als Tabellenvierter von der Champions League träumen.

Der Senkrechtstart vom Absolventen der Fußball-Lehrer-Ausbildung des DFB vor einem Jahr zum geehrten und verehrten Cheftrainer hat er nicht erwartet. «Man hat es sich erträumt, dass es so läuft, wie es momentan läuft», sagte Nagelsmann. «Dass auch schlechte Zeiten kommen, weiss ich auch.»

Keine Gefahr sieht er, nach den Lobenhymnen abzuheben. «Es hilft gut, wenn man abends zur Familie zurückkommt und man sich bewusst ist, dass das Ganze nur eine Scheinwelt ist, ein Monopoly mit Regeln», sagte Nagelsmann. «Ich lese auch nicht so viel über mich.»

Bei der Trainerpreis-Verleihung hörte er aber viele Lobpreisungen. «Er ist einfach ein Typ. Er lebt Fußball», sagte DFB-Sportdirektor Horst Hrubesch. «Ich würde ihn nicht als Konzepttrainer bezeichnen, sondern er ist ein Mensch, der mit Menschen arbeiten und seine Ideen umsetzen will.» Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp würde Nagelsmann zwar gerne lebenslänglich als Coach behalten, wäre aber auch schon froh, den bis Juni 2019 laufenden Vertrag noch einmal verlängern zu können: «Es sind viele Erfahrungen, die er braucht, wenn er als großer Trainer einmal bei einem ganz großen Verein tätig sein will.»

Auf Spekulationen, renommierte Clubs wären schon an ihm dran und ein vorzeitiger Ausstieg möglich, reagierte er ausweichend. «Ich habe meinen Vertrag und wir halten es wie bei allen Spielern: Wir kommentieren keine Gerüchte», erklärte er abgeklärt.

Dass er jedoch noch viele ehrgeizige Ziele hat, verhehlt er dagegen nicht. «Mein Ziel ist, irgendwann in ein europäisches Finale zu kommen», sagte Nagelsmann. «Wenn es mir mit Hoffenheim gelingt, gelingt es mir mit Hoffenheim, ansonsten vielleicht mit einem anderen Club.» Ein Wechsel ins Ausland sei für ihn kein zwingender Wunsch.

Welchen Weg das Trainer-Talent auch wählen wird. Für DFB-Präsident Reinhard Grindel ist Nagelsmann für die «höheren Herausforderungen» an Trainer – wie den vor zehn, zwanzig Jahren noch undenkbaren Medienhype – gewappnet. «Zu diesen zusätzlichen Aufgaben, die ein Trainer hat, passt Julian Nagelsmann. Deshalb hat er den Preis auch verdient.»

Ausgeschlossen ist es nicht, dass Grindel oder einer seiner Nachfolger den Mann der Zukunft einmal als Bundestrainer einstellen wird. «Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Die tägliche Arbeit macht mir sehr viel Spaß», meinte Nagelsmann. «Vielleicht kann es in der Zukunft mal sein, dass ich mir das überlege.»

Überhaupt schließt er nichts aus. «Ich bin offen für alles Mögliche, wenn intelligente Leute Lösungen oder Ideen für mich haben, wie mein Karriereweg aussehen kann», sagte Nagelsmann. «Das Gesetz, dass der Fußball sehr schnelllebig ist, werde ich nicht außer Kraft setzen.»

Gindel zu Podolski: «Weltmeister auf und neben dem Platz»

Neu-Isenburg (dpa) – DFB-Präsident Reinhard Grindel hat Lukas Podolski vor seinem Abschiedsspiel mit der Nationalmannschaft in Dortmund gegen England gewürdigt.

Gindel zu Podolski: «Weltmeister auf und neben dem Platz»
Lukas Podolski (l) wurde von DFB-Präsident Grindel als «Weltmeister auf und neben dem Platz» gewürdigt. Foto: Marcus Brandt

Neu-Isenburg (dpa) – DFB-Präsident Reinhard Grindel hat Lukas Podolski vor seinem Abschiedsspiel mit der Nationalmannschaft in Dortmund gegen England gewürdigt.

«Lukas Podolski ist Weltmeister auf dem Platz, aber auch Weltmeister neben dem Platz», sagte er am späten Montagabend bei der Verleihung der Trainerpreise des Deutschen Fußball-Bundes in Neu-Isenburg. «Er hat auch neben dem Platz ungeheure soziale Kompetenz bewiesen.»

Nicht nur auf der Bank habe er die Nationalmannschaft unterstützt, sondern auch in den Trainingslagern sich um Spieler gekümmert, «die vielleicht nicht so einfröhliches Herz in manchen Situation hatten wie er», meinte Grindel vor der 130. und letzten Partie des Stürmers im A-Team des DFB. «Deshalb ist er beliebt in Deutschland, in Polen, in der Türkei und sicher auch bald in Japan.» Podolski wechselt im Sommer von Galatasaray Istanbul in die J-League zu Vissel Kobe.

Nagelsmann erhält «Trainerpreis des deutschen Fußballs 2016»

Julian Nagelsmann ist der Senkrechtstarter unter den Bundesliga-Chefcoaches. Der DFB ehrte ihn mit dem «Trainerpreis des deutschen Fußballs 2016». Mit dem Preis für das «Lebenswerk» wurde der frühere Potsdamer Frauentrainer Bernd Schröder ausgezeichnet.

Nagelsmann erhält «Trainerpreis des deutschen Fußballs 2016»
Hoffenheims Coach Julian Nagelsmann ist vom DFB ausgezeichnet worden. Foto: Thomas Frey

Neu-Isenburg (dpa) – Julian Nagelsmann ist mit dem «Trainerpreis des deutschen Fußballs 2016» ausgezeichnet worden. Der Chefcoach des Bundesligisten 1899 Hoffenheim ist der achte Trainer, der diese Auszeichnung vom Deutschen Fußball-Bund bei einem Festakt in Neu-Isenburg erhalten hat.

Nagelsmann ist seit Februar 2016 Trainer der Hoffenheimer. Zu dem Zeitpunkt war er 28 Jahre alt und damit der jüngste hauptamtliche Cheftrainer der Bundesligageschichte. Bisherige Preisträger waren Horst Hrubesch, Thomas Tuchel, Hermann Gerland, Christian Streich, Norbert Elgert, Maren Meinert und Markus Kauczinski. Die Auszeichnung würdigt insbesondere herausragende Leistungen eines Trainers in der Nachwuchsarbeit.

Mit dem Preis für das Lebenswerk zeichnete der DFB als ersten Frauenfußball-Trainer Bernd Schröder aus, der mit Turbine Potsdam in mehr als vier Jahrzehnten große Erfolge feierte. 2016 hatte Ottmar Hitzfeld den Ehrenpreis verliehen bekommen.

«Diese Auszeichnung kommt für mich sehr überraschend und ist eine große Ehre für mich», sagte Nagelsmann. Es gebe so viele Kollegen, die seit Jahren auf höchstem Niveau einen grandiosen Job machten und die eine solche Wertschätzung ebenso verdient hätten. «Dass mir als Rookie nun eine solche Ehre zuteil wird, macht mich fast sprachlos, und das bin ich selten.»

In einer Videobotschaft beglückwünschte Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp seinen jungen Trainer zur Auszeichnung und wünschte sich eine Fortsetzung der Zusammenarbeit auf unbestimmte Zeit. «Ich würde gern, wenn er lebenslang in Hoffenheim bleiben würde», sagte Hopp. Zugleich relativierte er diesen Wunsch: «Ich kann mit aber auch vorstellen, dass er eines Tages ein großer Trainer eines großen Vereins wird.»

Der 74-Jährige Schröder hatte mit dem Bundesligisten 1. FFC Turbine Potsdam Geschichte im Frauenfußball geschrieben. Sechsmal wurde er mit dem Club deutscher Meister. Höhepunkt seines rund 45 Jahre langen Schaffens bei Turbine war 2010 der Triumph in der Champions League sowie die Gewinne des UEFA-Cups 2005 und 2010. «Ich habe 23 Auszeichnungen für mein ehrenamtliche Tätigkeit bekommen, doch der Trainerpreis ist eine ganz besonderer», sagte Schröder.

Der DFB, der Fiskus und die WM-Affäre

Dem DFB drohen Steuernachzahlungen in Millionenhöhe. Das ist die neueste Entwicklung in der WM-Affäre. Aber wie geht es jetzt weiter? Und warum ist der gesamte Skandal noch immer nicht aufgeklärt?

Der DFB, der Fiskus und die WM-Affäre
Nach Medienberichten droht dem DFB eine hohe Steuernachzahlung. Foto: Arne Dedert

Frankfurt/Main (dpa) – Beinahe anderthalb Jahre ist es jetzt her, dass der Skandal um die Fußball-WM 2006 vom «Spiegel» enthüllt wurde. Aufgeklärt ist diese Affäre aber immer noch nicht, im Gegenteil: Sie dürfte in den kommenden Monaten auch in Teilen vor Gericht verhandelt werden.

Dem Deutschen Fußball-Bund drohen Steuernachzahlungen von bis zu 25 Millionen Euro. Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger verlangt dagegen Schadenersatz, weil er die entsprechenden Ermittlungen für voreingenommen hält. Die Affäre wuchert und wächst noch immer so sehr, weil niemand weiß, warum der WM-Cheforganisator Franz Beckenbauer einst Millionen vom früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus bekam und dieses Geld nach Katar weiterleitete.

Worum geht es bei den möglichen Forderungen an den DFB?

«Süddeutsche Zeitung», WDR, NDR sowie die «Bild»-Zeitung zitieren aus einem Zwischenbericht der Steuerfahndung Frankfurt, und die hat sich in einem zentralen Punkt der WM-Affäre demnach klar festgelegt: Der DFB hat die Rückzahlung des Louis-Dreyfus-Darlehens im Jahr 2005 übernommen, den Zweck dieser Zahlung aber bewusst als Beitrag zu einer WM-Gala verschleiert und dadurch Steuern hinterzogen.

Das Darlehen betrug 6,7 Millionen Euro. Der Betrag, um den der Fiskus durch die falsche Deklarierung geschädigt worden sein soll, liegt den Finanzbehörden zufolge bei 2,7 Millionen Euro. Sollte der DFB im Jahr 2017 für Verfehlungen aus der Steuererklärung von 2006 nachzahlen müssen, kämen zu dieser Summe noch erhebliche Zinszahlungen hinzu. Außerdem droht dem Verband der Verlust der Gemeinnützigkeit für das Jahr 2006, was wiederum den rückwirkenden Wegfall zahlreicher Steuervorteile zur Folge hätte. Die Gesamtforderungen an den DFB könnten sich deshalb auf rund 20 bis 25 Millionen Euro belaufen.

Wie geht es jetzt weiter?

Noch hat der DFB keinen neuen Steuerbescheid erhalten. Laut SZ-Bericht ist damit aber bis zur Mitte dieses Jahres zu rechnen. In diesem Fall rät der DFB-Anwalt Jan Olaf Leisner dem Verband, «gegen derartige Bescheide vorzugehen», wie er der «Süddeutschen Zeitung» sagte. Er hält mögliche Nachzahlungen für «ungerechtfertigt».

Der frühere DFB-Chef Zwanziger ist bereits vor Gericht gezogen. Er habe schon vor Monaten «eine Schadenersatzklage auf Schmerzensgeld wegen der Verletzung meiner Persönlichkeitsrechte gegen das Land Hessen eingereicht», bestätigte er der Deutschen Presse-Agentur. Die wird am 22. März vor dem Landgericht Frankfurt verhandelt.

Gegen Zwanziger sowie die früheren DFB-Funktionäre und WM-Mitorganisatoren Wolfgang Niersbach und Horst R. Schmidt wird seit Monaten wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt, aber der 71-Jährige hält das Vorgehen von Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung für ungerechtfertigt, voreingenommen und nicht rechtsstaatlich. «In diesem Verfahren ist schon viermal die Öffentlichkeit informiert worden, bevor ich oder ein anderer Beschuldigter eine Information bekam. Wo leben wir denn?», sagte er.

Worin liegt der Streit?

2002 flossen mehrere Millionen von Franz Beckenbauer und seinem Manager Robert Schwan über die Schweiz nach Katar auf ein Konto, das zu dem Firmengeflecht des damaligen und nachweislich korrupten FIFA-Funktionärs Mohamed Bin Hammam gehörte. Kurz darauf erhielt Beckenbauer diese Summe von Louis-Dreyfus zurück, der sein Geld wiederum 2005 vom DFB zurückforderte. Der Verband überwies die 6,7 Millionen Euro über ein Konto des Weltverbandes FIFA an den früheren Adidas-Boss zurück und kennzeichnete das in seiner Steuererklärung als Kostenbeitrag zu einer WM-Gala, die nie stattfand.

Der DFB bestreitet gar nicht, dass seine früheren Funktionäre die Rückzahlung der 6,7 Millionen «unter einer falschen Bezeichnung ausgewiesen» hätten. Der Verband behauptet aber nach wie vor: Louis-Dreyfus habe Beckenbauer das Geld gegeben, um damit einen Organisationskosten-Zuschuss von der FIFA abzusichern. Die 6,7 Millionen stünden also in einem direkten Zusammenhang mit der WM 2006, weshalb auch die Rückzahlung im Jahr 2005 eine Betriebsausgabe und somit steuerlich absetzbar gewesen sei.

Die Steuerfahndung sieht das den Medienberichten zufolge anders. Sie wertet die 6,7 Millionen Euro als privates Darlehen von Louis-Dreyfus an Beckenbauer. Der DFB hätte es nicht verschleiern und schon gar nicht steuerlich geltend machen dürfen. Das sei ein schwerer Fall von Steuerhinterziehung, auch wenn Zwanziger dem vehement widerspricht.

«In den gesamten Ermittlungsakten gibt es auf 3000 Seiten keinen einzigen Hinweis darauf, dass das ein privates Darlehen von Louis-Dreyfus an Beckenbauer gewesen sein könnte», sagte er. «Wir sollen ein Privatvergnügen von Beckenbauer zurückgezahlt haben? Und was soll er mit dem Geld gemacht haben? Hat er sich davon ein Haus gekauft? Das ist doch Unsinn, was die Steuerfahndung da annimmt.»

Was ist der Kern des Problems?

Eine Schlüsselfrage haben bislang weder Staatsanwälte noch Steuerfahnder noch die Ermittler der vom DFB eingeschalteten Freshfields-Kanzlei klären können: Aus welchem Grund überwiesen Beckenbauer und sein inzwischen verstorbener Manager im Jahr 2002 so viel Geld nach Katar?

An die Version von der Gegenleistung für einen FIFA-Zuschuss glaubt kaum jemand mehr. Bleiben noch zwei weitere Theorien: Wurde mit dem Geld heimlich der Wahlkampf des damaligen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter unterstützt? Oder wurden damit tatsächlich die Stimmen von FIFA-Funktionären rund um die Vergabe der WM 2006 gekauft? Solange diese Frage nicht beantwortet ist, kann auch die Steuerfahndung nicht zweifelsfrei belegen, warum genau die ominösen 6,7 Millionen Euro erst von Louis-Dreyfus an Beckenbauer und später vom DFB über die FIFA an den Franzosen zurückgeflossen sind.

Zwanziger will Schadenersatz in WM-Affäre

Frankfurt/Main (dpa) – Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger hat in der WM-Affäre eine Schadenersatzklage gegen das Land Hessen eingereicht.

Zwanziger will Schadenersatz in WM-Affäre
Theo Zwanziger klagt auf Schadenersatz. Foto: Arne Dedert

Frankfurt/Main (dpa) – Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger hat in der WM-Affäre eine Schadenersatzklage gegen das Land Hessen eingereicht.

Der 71-Jährige sieht durch die vermeintliche Voreingenommenheit der Steuerfahndung und der Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen seine Persönlichkeitsrechte verletzt und fordert deshalb ein Schmerzensgeld von 25 000 Euro. Seine Klage werde am 22. März vor dem Landgericht Frankfurt am Main verhandelt, bestätigte Zwanziger der Deutschen Presse-Agentur.

Erst am Donnerstagabend hatten mehrere Medien enthüllt, dass die Steuerfahndung dem Deutschen Fußball-Bund und den früheren WM-Organisatoren Zwanziger, Wolfgang Niersbach und Horst R. Schmidt vorwirft, den Fiskus bei der Rückzahlung eines ominösen Darlehens von 6,7 Millionen Euro an den früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus im Jahr 2005 bewusst getäuscht und dadurch Steuern hinterzogen zu haben. Dem DFB drohen deshalb Nachzahlungen in Millionenhöhe.

Zwanziger hatte seine Klage bereits vor mehreren Monaten eingereicht. Er sieht sich durch die Veröffentlichung von Vermerken der Steuerfahndung aber in seinem Vorgehen bestätigt. «Die Staatsanwaltschaft hat die Verpflichtung, die Akten zu kontrollieren. Die dürfen nicht an die Öffentlichkeit. In diesem Verfahren ist aber schon viermal die Öffentlichkeit informiert worden, bevor ich oder ein anderer Beschuldigter eine Information bekam», sagte er. «Auch in dem aktuellen Fall gibt es einen vorläufigen Bericht, der völlig unkommentiert bei der Staatsanwaltschaft liegt. Aber der wird an die Medien durchgesteckt. Was ist das für eine Art in einem Rechtsstaat?»

Medien: DFB droht Steuernachzahlung in der WM-Affäre 2006

Die Steuerfahndung wirft dem DFB in der WM-Affäre einen schweren Fall von Steuerhinterziehung vor. Der Verband kündigte eine Stellungnahme an und weist die Vorwürfe zurück.

Medien: DFB droht Steuernachzahlung in der WM-Affäre 2006
Nach Medienberichten droht dem DFB eine hohe Steuernachzahlung. Foto: Arne Dedert

Frankfurt/Main (dpa) – In der Affäre um die WM 2006 drohen dem Deutschen Fußball-Bund laut Medienberichten Steuernachzahlungen von geschätzt bis zu 25 Millionen Euro.

Die «Süddeutsche Zeitung», WDR und NDR sowie die «Bild»-Zeitung haben enthüllt, dass die Steuerfahndung des Finanzamtes Frankfurt dem DFB vorwirft, den Fiskus bei der Rückzahlung eines ominösen Darlehens von 6,7 Millionen Euro an den früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus bewusst getäuscht zu haben. Die Medien zitierten aus einem Zwischenbericht der Steuerfahndung vom 24. Januar 2017, in dem von «Luftbuchungen» und «Scheingeschäften» die Rede ist.

Der Verband bestätigte am 9. März, dass es einen solchen Zwischenbericht gibt und kündigte eine Stellungnahme gegenüber den Finanzbehörden an. «Die vorläufige Bewertung der Finanzverwaltung wird von den Fachanwälten des DFB nicht geteilt», heißt es in einer Erklärung. «Bislang hat die Finanzverwaltung keine geänderten Steuerbescheide erlassen. Weder die Finanzverwaltung noch die Staatsanwaltschaft haben ihre Ermittlungen abgeschlossen, sondern bislang nur vorläufige Bewertungen vorgenommen.»

Die ominösen 6,7 Millionen Euro stehen bereits seit der Enthüllung der WM-Affäre im Zentrum des gesamten Skandals. Auch der Untersuchungsbericht der Kanzlei Freshfields bestätigte vor einem Jahr, dass Franz Beckenbauer als Chef des WM-Organisationskomitees (OK) im Jahr 2002 eine solche Summe von Louis-Dreyfus erhalten habe. Das Geld floss anschließend auf ein Konto in Katar weiter, das einer Firma des früheren FIFA-Funktionärs Mohamed bin Hammam gehörte.

Auch die Steuerfahnder haben den Medienberichten zufolge noch keine Belege dafür gefunden, dass der Millionenbetrag im Vorfeld der WM-Vergabe als Schmiergeld verwendet und die Weltmeisterschaft 2006 damit gekauft worden sei. Sicher ist aber, dass der DFB die 6,7 Millionen Euro 2005 über den Weltverband FIFA an Louis-Dreyfus zurückzahlte und diese Überweisung in seiner Steuererklärung als Kostenbeitrag zu einer WM-Gala verbuchte, die jedoch nie stattfand.

Deshalb ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft bereits seit 2015 wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung gegen die früheren DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger sowie gegen den früheren Generalsekretär Horst R. Schmidt.

Die Steuerfahndung wertet die 6,7 Millionen den Medienberichten zufolge als Privatgeschäft zwischen Beckenbauer und Louis-Dreyfus, das vom DFB niemals hätte als Betriebsausgabe angegeben und steuerlich geltend gemacht werden dürfen. Dadurch habe der Verband Steuern von 2,72 Millionen Euro hinterzogen.

Sollten die Finanzbehörden nun entsprechende Nachforderungen an den DFB erheben, drohen ihm nicht nur Zinszahlungen, sondern auch der Verlust der Gemeinnützigkeit für das Jahr 2006. Deshalb könnten sich mögliche Forderungen auf rund 20 bis 25 Millionen Euro summieren.

Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger nannte den Bericht der Steuerfahnder gegenüber der «Bild»-Zeitung «in sich nicht schlüssig. Von einem Abschlussbericht ist die Steuerfahndung offensichtlich mit Blick auf die getroffenen Feststellungen wohl noch weit entfernt».

Auch der DFB hielt an der umstrittenen Version fest, dass Beckenbauer die 6,7 Millionen Euro verwendet habe, um vor der WM einen Organisationskosten-Zuschuss von der FIFA zu erhalten. In diesem Fall sei auch die Rückzahlung im Jahr 2005 «betrieblich veranlasst» und daher «grundsätzlich steuerlich abzugsfähig» gewesen, heißt es in der Erklärung. «Die Zahlung ist zwar wahrscheinlich unter einer falschen Bezeichnung ausgewiesen worden, aber das steht nach geltendem Steuerrecht dem Betriebsausgabenabzug nicht entgegen.»

5000 Euro Geldstrafe für FC St. Pauli wegen Fan-Spruchband

Hamburg (dpa) – Fußball-Zweitligist FC St. Pauli muss eine Geldstrafe in Höhe von 5000 Euro bezahlen. Das hat das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) entschieden. Damit ahndet der DFB unsportliches Verhalten von St.-Pauli-Fans im Spiel gegen Dynamo Dresden am 12. Februar.

5000 Euro Geldstrafe für FC St. Pauli wegen Fan-Spruchband
Der FC St. Pauli muss 5000 Euro Geldstrafe für das umstrittene Spruchband bezahlen. Foto: Selim Sudheimer

Hamburg (dpa) – Fußball-Zweitligist FC St. Pauli muss eine Geldstrafe in Höhe von 5000 Euro bezahlen. Das hat das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) entschieden. Damit ahndet der DFB unsportliches Verhalten von St.-Pauli-Fans im Spiel gegen Dynamo Dresden am 12. Februar.

Im Fanblock war ein Spruchband diffamierenden Inhalts («Eure Großeltern haben schon für Dresden gebrannt – gegen den doitschen Opfermythos») gezeigt worden. Der Verein akzeptiert das Strafmaß. Clubführung und Fangruppierungen gaben bekannt, eine gemeinsame Veranstaltung zum Thema Opfermythos und Geschichtsrevisionismus initiieren zu wollen.

1. FC Köln muss 34 000 Euro Geldstrafe zahlen

Frankfurt/Main (dpa) – Fußball-Bundesligist 1. FC Köln muss eine Geldstrafe in Höhe von 34 000 Euro zahlen, weil sich seine Fans bei gleich vier verschiedenen Spielen diverse Vergehen geleistet haben, entschied das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes.

1. FC Köln muss 34 000 Euro Geldstrafe zahlen
Kölner Fans sind gleich bei mehreren Spielen auffällig geworden. Foto: Jonas Güttler

Frankfurt/Main (dpa) – Fußball-Bundesligist 1. FC Köln muss eine Geldstrafe in Höhe von 34 000 Euro zahlen, weil sich seine Fans bei gleich vier verschiedenen Spielen diverse Vergehen geleistet haben, entschied das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes.

Dem Urteil zufolge können die Kölner bis zu 12 000 Euro dieser Summe in sicherheitstechnische, infrastrukturelle und gewaltpräventive Maßnahmen investieren und diese dem DFB bis zum 31. Juli nachweisen. Der FC hat dem Urteil bereits zugestimmt.

Kölner Fans hatten zunächst während des Bundesliga-Spiels gegen den SC Freiburg am 16. September Pyrotechnik gezündet. Das gleiche wiederholte sich noch einmal während des Derbys bei Borussia Mönchengladbach am 19. November. Dazu wurde aus dem FC-Block eine Kleberolle in Richtung eines Gladbacher Spielers geworfen.

Nach dem Spiel bei Eintracht Frankfurt am 5. November warfen Kölner Anhänger gefüllte Plastikbecher in einen Frankfurter Zuschauer-Block. Außerdem wurden während der Partie bei 1899 Hoffenheim am 3. Dezember beleidigende Gesänge im Kölner Fanblock angestimmt.

Kein Handlungsbedarf wegen Berichts über auffällige Wetten

Drei Universitäten erforschen in einer Studie, dass bei Spielen mit drei bestimmten Schiedsrichtern auffällig hohe Summen auf Torwetten platziert werden. Der DFB nimmt das ernst, reagiert aber gelassen. Die Politik fordert Aufklärung, die DFL ist verwundert.

Kein Handlungsbedarf wegen Berichts über auffällige Wetten
Eine Studie hatte zwischen 2010 und 2015 auffälligen Torwetten bei einzelnen Schiedsrichtern entdeckt. Foto: Martin Gerten

Frankfurt/Main (dpa) – Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat gelassen auf einen Bericht des Westdeutschen Rundfunks (WDR) über auffällige  Wetteinsätze in der Bundesliga reagiert.

Ein Verdacht auf Wettmanipulation werde durch die vorgelegten Daten nicht belegt, sagte ein DFB-Sprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Der Bericht des WDR-Magazins «Sport Inside» bezieht sich auf eine Studie der Universitäten Bielefeld, Pennsylvania und West Virginia, wonach es in der höchsten deutschen Spielklasse zwischen 2010 und 2015 zu systematisch auffälligen Torwetten bei einzelnen Schiedsrichtern gekommen sei.

Dabei handelt es sich um die Anzahl der Tore, also ob weniger oder mehr als 2,5 Treffer in einer Partie erzielt werden. Betroffen von den außergewöhnlich hohen Wetteinsätzen sind laut Studie drei von 26 Bundesliga-Schiedsrichtern, die namentlich nicht genannt werden.

Ob tatsächlich manipuliert wurde, kann die Studie trotz der Auffälligkeiten nicht nachweisen. «Aber man beobachtet statistische  Eigenschaften, die man auch erwarten würde, falls es Wettbetrug gäbe», sagte Christian Deutscher von der Universität Bielefeld als Mitautor der Studie dem WDR. Die Deutsche Fußball Liga zeigte sich über den Bericht verwundert. «Fakt ist: Die Studie liefert keinen Beleg für Wettmanipulation. Das sagen die Autoren selbst, wird aber auch von Experten bestätigt», teilte ein DFL-Sprecher mit.

Der DFB nehme «jeden Hinweis sehr ernst», sieht aber zunächst keinen Handlungsbedarf. Der Verband verwies auf die Zusammenarbeit mit dem Wettüberwachungs-Spezialisten «Sportradar» seit den Vorfällen um Schiedsrichter Robert Hoyzer im Jahr 2005. Seitdem sei keine Partie in der Bundesliga oder 2. Bundesliga mehr als manipulationsverdächtig eingestuft worden, erklärte der Verband.

Der sportpolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, Özcan Mutlu, kündigte an, dass sich der Sportausschuss mit der Studie befassen werde. Der DFB solle sich der Sache annehmen, forderte Mutlu: «Die Ergebnisse der Studie müssen ernst genommen und Unregelmäßigkeiten umgehend aufgeklärt werden.» Für Experten gelten Torwetten als einfachste Möglichkeit, im Fußball gezielt zu manipulieren, da keine bestimmte Mannschaft gewinnen muss.

Mittelfinger-Geste: Ancelotti spendet 5000 Euro

Das Ermittlungsverfahren des DFB gegen Carlo Ancelotti ist eingestellt. Der Coach des FC Bayern muss nach seiner Mittelfinger-Geste Geld spenden.

Mittelfinger-Geste: Ancelotti spendet 5000 Euro
Die Ermittlungen gegen Bayern-Trainer Carlo Ancelotti werden eingestellt. Foto: Carmen Jaspersen

München (dpa) – Nach seiner Mittelfinger-Geste von Berlin ist Carlo Ancelotti mit einer kleinen Geldbuße davongekommen. Wie der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mitteilte, ist das Ermittlungsverfahren gegen Ancelotti mit Zustimmung des DFB-Sportgerichts eingestellt.

Damit verbunden sei jedoch die Auflage, 5000 Euro an die Sepp-Herberger-Stiftung zu spenden. «Grundsätzlich halten wir die menschliche Reaktion mit der Geste von Carlo Ancelotti auf die üble Spuckattacke für emotional nachvollziehbar», merkte der deutsche Fußball-Rekordmeister an.

Der 57-Jährige hatte sich nach dem hitzigen 1:1 im Berliner Olympiastadion dazu hinreißen lassen, den Mittelfinger zu zeigen. «Ich habe diese Geste gemacht, ich bin vorher angespuckt worden», hatte Ancelotti nach dem Last-Minute-Remis durch Robert Lewandowski seine Unbeherrschtheit begründet. Der sonst so coole Bayern-Coach hatte die von einer Fernsehkamera eingefangene obszöne Geste auf dem Weg in die Katakomben gezeigt.

Nach der Aufforderung des DFB-Kontrollausschusses zu einer Stellungnahme sah das Gremium also keinen Anlass für eine schwerwiegende Sanktion. Ein Sportgerichtsverfahren hatte eher unwahrscheinlich erschienen, die Einstellung gegen eine kleinere Zahlung hingegen als mögliche Variante.

Ancelotti hatte nach seiner Verfehlung Zuspruch erhalten. «Ich würde nicht den Stab über ihn brechen wollen», sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke von Liga-Rivale Borussia Dortmund im ZDF. «Man sollte es idealerweise nicht machen. Aber es gibt Situationen, da hast du die einfach die Schnauze mal voll. Aber wenn dir einer auf den Kopf rotzt, findest du es auch nicht so spannend.»

Kölns Trainer Peter Stöger fand den Mittelfinger von Ancelotti «menschlich verständlich». Wenn man sich gar nicht mehr wehren dürfe, werde es «auf Dauer ein wenig unlustig». Hochdekorierter Welttrainer hin, verunglimpftes Fußball-Vorbild her.