Nagelsmann: Realist in einer Scheinwelt

Julian Nagelsmann ist nach nur einem Jahr als Bundesliga-Chefcoach von Hoffenheim mit dem «Trainerpreis des deutschen Fußballs» vom DFB ausgezeichnet worden. Trotz des rasanten Aufstiegs bleibt er auf dem Teppich. Er weiß, dass auch schlechte Zeiten kommen werden.

Nagelsmann: Realist in einer Scheinwelt
Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann bleibt trotz des rasanten Aufstiegs auf dem Teppich. Foto: Uwe Anspach

Neu-Isenburg (dpa) – Trotz des phänomenalen Aufstieg als Bundesligatrainer vergisst Julian Nagelsmann die Gesetze des Fußballgeschäfts nicht.

«Es wird mich am Tag X nicht überraschen, wenn ich meine Sachen packen muss. Das Schöne ist, es ist berechenbar», sagte der 29-jährige Chefcoach von 1899 Hoffenheim, der am Montagabend vom DFB mit dem «Trainerpreis des deutschen Fußballs 2016» ausgezeichnet wurde. Er hatte die Kraichgauer als jüngster Trainer der Liga-Geschichte 2015/2016 vor dem Abstieg gerettet und kann nun als Tabellenvierter von der Champions League träumen.

Der Senkrechtstart vom Absolventen der Fußball-Lehrer-Ausbildung des DFB vor einem Jahr zum geehrten und verehrten Cheftrainer hat er nicht erwartet. «Man hat es sich erträumt, dass es so läuft, wie es momentan läuft», sagte Nagelsmann. «Dass auch schlechte Zeiten kommen, weiss ich auch.»

Keine Gefahr sieht er, nach den Lobenhymnen abzuheben. «Es hilft gut, wenn man abends zur Familie zurückkommt und man sich bewusst ist, dass das Ganze nur eine Scheinwelt ist, ein Monopoly mit Regeln», sagte Nagelsmann. «Ich lese auch nicht so viel über mich.»

Bei der Trainerpreis-Verleihung hörte er aber viele Lobpreisungen. «Er ist einfach ein Typ. Er lebt Fußball», sagte DFB-Sportdirektor Horst Hrubesch. «Ich würde ihn nicht als Konzepttrainer bezeichnen, sondern er ist ein Mensch, der mit Menschen arbeiten und seine Ideen umsetzen will.» Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp würde Nagelsmann zwar gerne lebenslänglich als Coach behalten, wäre aber auch schon froh, den bis Juni 2019 laufenden Vertrag noch einmal verlängern zu können: «Es sind viele Erfahrungen, die er braucht, wenn er als großer Trainer einmal bei einem ganz großen Verein tätig sein will.»

Auf Spekulationen, renommierte Clubs wären schon an ihm dran und ein vorzeitiger Ausstieg möglich, reagierte er ausweichend. «Ich habe meinen Vertrag und wir halten es wie bei allen Spielern: Wir kommentieren keine Gerüchte», erklärte er abgeklärt.

Dass er jedoch noch viele ehrgeizige Ziele hat, verhehlt er dagegen nicht. «Mein Ziel ist, irgendwann in ein europäisches Finale zu kommen», sagte Nagelsmann. «Wenn es mir mit Hoffenheim gelingt, gelingt es mir mit Hoffenheim, ansonsten vielleicht mit einem anderen Club.» Ein Wechsel ins Ausland sei für ihn kein zwingender Wunsch.

Welchen Weg das Trainer-Talent auch wählen wird. Für DFB-Präsident Reinhard Grindel ist Nagelsmann für die «höheren Herausforderungen» an Trainer – wie den vor zehn, zwanzig Jahren noch undenkbaren Medienhype – gewappnet. «Zu diesen zusätzlichen Aufgaben, die ein Trainer hat, passt Julian Nagelsmann. Deshalb hat er den Preis auch verdient.»

Ausgeschlossen ist es nicht, dass Grindel oder einer seiner Nachfolger den Mann der Zukunft einmal als Bundestrainer einstellen wird. «Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Die tägliche Arbeit macht mir sehr viel Spaß», meinte Nagelsmann. «Vielleicht kann es in der Zukunft mal sein, dass ich mir das überlege.»

Überhaupt schließt er nichts aus. «Ich bin offen für alles Mögliche, wenn intelligente Leute Lösungen oder Ideen für mich haben, wie mein Karriereweg aussehen kann», sagte Nagelsmann. «Das Gesetz, dass der Fußball sehr schnelllebig ist, werde ich nicht außer Kraft setzen.»

Cech zum neunten Mal tschechischer Fußballer des Jahres

Prag (dpa) – Torwart Petr Cech ist zum neunten Mal zum tschechischen Fußballer des Jahres gewählt worden. Der 34-Jährige verwies Vladimir Darida von Hertha BSC auf den zweiten Platz.

Cech zum neunten Mal tschechischer Fußballer des Jahres
Arsenal-Torwart Petr Cech ist zum neunten Mal zum tschechischen Fußballer des Jahres gewählt worden. Foto: Vondrouš Roman

Prag (dpa) – Torwart Petr Cech ist zum neunten Mal zum tschechischen Fußballer des Jahres gewählt worden. Der 34-Jährige verwies Vladimir Darida von Hertha BSC auf den zweiten Platz.

Er hoffe, dass er noch mindestens eine so gute Saison vor sich habe, sagte der Arsenal-Keeper. Cech hatte sich bei der 1:3-Niederlage gegen West Bromwich Albion an der Wade verletzt und dürfte einige Zeit ausfallen.

«Ich denke, es ist eine Frage mehrerer Wochen, aber es ist schwer abzuschätzen, solange man nicht die Größe der Verletzung kennt», sagte er bei der Verleihungsgala auf der Prager Burg. Beste Fußballerin des Jahres wurde Lucie Vonkova (25), die für den FF USV Jena in der deutschen Bundesliga spielt.

Gindel zu Podolski: «Weltmeister auf und neben dem Platz»

Neu-Isenburg (dpa) – DFB-Präsident Reinhard Grindel hat Lukas Podolski vor seinem Abschiedsspiel mit der Nationalmannschaft in Dortmund gegen England gewürdigt.

Gindel zu Podolski: «Weltmeister auf und neben dem Platz»
Lukas Podolski (l) wurde von DFB-Präsident Grindel als «Weltmeister auf und neben dem Platz» gewürdigt. Foto: Marcus Brandt

Neu-Isenburg (dpa) – DFB-Präsident Reinhard Grindel hat Lukas Podolski vor seinem Abschiedsspiel mit der Nationalmannschaft in Dortmund gegen England gewürdigt.

«Lukas Podolski ist Weltmeister auf dem Platz, aber auch Weltmeister neben dem Platz», sagte er am späten Montagabend bei der Verleihung der Trainerpreise des Deutschen Fußball-Bundes in Neu-Isenburg. «Er hat auch neben dem Platz ungeheure soziale Kompetenz bewiesen.»

Nicht nur auf der Bank habe er die Nationalmannschaft unterstützt, sondern auch in den Trainingslagern sich um Spieler gekümmert, «die vielleicht nicht so einfröhliches Herz in manchen Situation hatten wie er», meinte Grindel vor der 130. und letzten Partie des Stürmers im A-Team des DFB. «Deshalb ist er beliebt in Deutschland, in Polen, in der Türkei und sicher auch bald in Japan.» Podolski wechselt im Sommer von Galatasaray Istanbul in die J-League zu Vissel Kobe.

Nagelsmann erhält «Trainerpreis des deutschen Fußballs 2016»

Julian Nagelsmann ist der Senkrechtstarter unter den Bundesliga-Chefcoaches. Der DFB ehrte ihn mit dem «Trainerpreis des deutschen Fußballs 2016». Mit dem Preis für das «Lebenswerk» wurde der frühere Potsdamer Frauentrainer Bernd Schröder ausgezeichnet.

Nagelsmann erhält «Trainerpreis des deutschen Fußballs 2016»
Hoffenheims Coach Julian Nagelsmann ist vom DFB ausgezeichnet worden. Foto: Thomas Frey

Neu-Isenburg (dpa) – Julian Nagelsmann ist mit dem «Trainerpreis des deutschen Fußballs 2016» ausgezeichnet worden. Der Chefcoach des Bundesligisten 1899 Hoffenheim ist der achte Trainer, der diese Auszeichnung vom Deutschen Fußball-Bund bei einem Festakt in Neu-Isenburg erhalten hat.

Nagelsmann ist seit Februar 2016 Trainer der Hoffenheimer. Zu dem Zeitpunkt war er 28 Jahre alt und damit der jüngste hauptamtliche Cheftrainer der Bundesligageschichte. Bisherige Preisträger waren Horst Hrubesch, Thomas Tuchel, Hermann Gerland, Christian Streich, Norbert Elgert, Maren Meinert und Markus Kauczinski. Die Auszeichnung würdigt insbesondere herausragende Leistungen eines Trainers in der Nachwuchsarbeit.

Mit dem Preis für das Lebenswerk zeichnete der DFB als ersten Frauenfußball-Trainer Bernd Schröder aus, der mit Turbine Potsdam in mehr als vier Jahrzehnten große Erfolge feierte. 2016 hatte Ottmar Hitzfeld den Ehrenpreis verliehen bekommen.

«Diese Auszeichnung kommt für mich sehr überraschend und ist eine große Ehre für mich», sagte Nagelsmann. Es gebe so viele Kollegen, die seit Jahren auf höchstem Niveau einen grandiosen Job machten und die eine solche Wertschätzung ebenso verdient hätten. «Dass mir als Rookie nun eine solche Ehre zuteil wird, macht mich fast sprachlos, und das bin ich selten.»

In einer Videobotschaft beglückwünschte Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp seinen jungen Trainer zur Auszeichnung und wünschte sich eine Fortsetzung der Zusammenarbeit auf unbestimmte Zeit. «Ich würde gern, wenn er lebenslang in Hoffenheim bleiben würde», sagte Hopp. Zugleich relativierte er diesen Wunsch: «Ich kann mit aber auch vorstellen, dass er eines Tages ein großer Trainer eines großen Vereins wird.»

Der 74-Jährige Schröder hatte mit dem Bundesligisten 1. FFC Turbine Potsdam Geschichte im Frauenfußball geschrieben. Sechsmal wurde er mit dem Club deutscher Meister. Höhepunkt seines rund 45 Jahre langen Schaffens bei Turbine war 2010 der Triumph in der Champions League sowie die Gewinne des UEFA-Cups 2005 und 2010. «Ich habe 23 Auszeichnungen für mein ehrenamtliche Tätigkeit bekommen, doch der Trainerpreis ist eine ganz besonderer», sagte Schröder.

Eintracht-Trainer Kovac mit Fair-Play-Preis geehrt

Wiesbaden (dpa) – Niko Kovac ist mit dem Fair-Play-Preis des Deutschen Sports 2016 geehrt worden. Der Trainer des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt erhielt die Auszeichnung im Rahmen eines Festakts des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Wiesbaden.

Eintracht-Trainer Kovac mit Fair-Play-Preis geehrt
Niko Kovac ist mit dem Fair-Play-Preis des Deutschen Sports 2016 geehrt worden. Foto: Andreas Gebert

Wiesbaden (dpa) – Niko Kovac ist mit dem Fair-Play-Preis des Deutschen Sports 2016 geehrt worden. Der Trainer des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt erhielt die Auszeichnung im Rahmen eines Festakts des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Wiesbaden.

«Das ist ein schönes Gefühl. Es kommt nicht jeder in den Genuss, von so einer hohen Instanz geehrt zu werden. Aber diese Auszeichnung ist zugleich auch ein Ansporn und eine Verpflichtung: Man muss den Fair-Play-Charakter noch mehr mit Leben füllen», sagte Kovac.

Der 45-Jährige hatte nach dem Sieg der Frankfurter im Bundesliga-Relegationsrückspiel beim 1. FC Nürnberg im Mai 2016 zuerst die enttäuschten «Club»-Spieler getröstet. «Die ehrliche Empathie für den sportlichen Gegner gerade im Angesicht des eigenen, wichtigen Sieges, ist beispielhaft für faires Verhalten im Sport», begründete die Jury die Preisvergabe. «Diese an sich subtile Geste steht für eine grundlegende Haltung der Fairness, die im Sport durch Aktive und Trainer vermittelt werden sollte.»Spring Breakers (2013)

Wer beendet die Monokultur im Fußball?

In die beste Elf der Welt schafften es Manuel Neuer und Toni Kroos bei der FIFA-Wahl. Die Trophäe als bester Fußball-Profi ging aber wieder an Cristiano Ronaldo. Wer die Dauer-Herrschaft von Messi und Ronaldo beenden kann, ist eine spannende wie ungeklärte Frage.

Wer beendet die Monokultur im Fußball?
Kann Real-Profi Toni Kross Cristiano Ronaldo und Lionel Messi beerben? Foto: Francisco Seco

Zürich (dpa) – Die kleine deutsche Fraktion verabschiedete sich bester Laune aus Zürich. Toni Kroos und der braungebrannte Manuel Neuer präsentierten nach der Gala ihre silbernen Weltfußballer- Trophäen im Miniformat für die Wahl in die beste Elf.

«Es ist eine Ehre für mich, zum vierten Mal dabei zu sein», schwärmte Neuer, der stolz mit seiner Freundin Nina Weiss über den grünen Teppich schritt. «Das ist eine besondere Auszeichnung.»

Als einziger durchbrach der Bayern-Keeper in der Top-Formation von 2016 die Phalanx der Profis, die vergangenes Jahr für die Branchenführer Real Madrid oder FC Barcelona aufliefen. Und beim Hauptpreis für Cristiano Ronaldo waren die Schützlinge von Bundestrainer Joachim Löw nur Zuschauer: Als bester Deutscher kam Toni Kroos bei der Weltfußballerkür auf den zehnten Platz. «Es ist immer auch so eine Meinungssache und eine Markensache», sagte der Real-Profi zu den Awards. «Aber es geht auch um Leistung.»

Seit nun schon neun Jahren geht die höchste Auszeichnung des Weltverbands nur an Ronaldo oder Lionel Messi. Auch nach dem Weltmeister-Titel von 2014 schaffte es lediglich Neuer auf Platz drei, letzter deutscher Feldspieler unter den Top drei war Jürgen Klinsmann 1995. «Es war schon früher so, dass viele Spieler von Real Madrid und Barcelona dabei sind, weil sie viele Stimmen bekommen, weil die Vereine in der ganzen Welt beliebt sind», sagte Neuer. «Dennoch ist es so, dass die Möglichkeit da ist und wir versuchen werden, im nächsten Jahr mit einer Mehrzahl anzugreifen.»

Aber wer könnte die «Monokultur» beenden und Ronaldo & Messi als Dominatoren des Weltfußballs ablösen? Eine Analyse der Chancen der nationalen und internationalen Stars:

TONI KROOS: Als Spieler von Real ist der 27-Jährige der derzeit weltweit wohl am meisten beachtete deutsche Profi. Doch Kroos glänzt vor allem als Vorbereiter der Großtaten seiner Kollegen Ronaldo, Gareth Bale oder Karim Benzema. Bei den Popularitätswahlen zählen aber vor allem Tore.

MANUEL NEUER: Besser als bei der WM in Brasilien kann ein Torwart kaum halten. Für den 30-Jährigen der nächste Schritt zu weltweiter Anerkennung. Doch ein Keeper schaffte es bei der FIFA-Kür noch nie auf den ersten Platz.

NEYMAR: Der ideale Kronprinz. Fünf Jahre jünger als der 29-jährige Messi, ebenfalls mit hohem Vermarktungspotenzial. Schwächelt diese Saison allerdings nach dem emotional aufreibenden Olympiasieg in seiner brasilianischen Heimat. Muss beweisen, dass er auch einen Verein als absoluter Leader anführen kann.

ANTOINE GRIEZMANN: Frankreichs EM-Liebling durfte Ronaldo als Drittplatzierter auf der Gala-Bühne gratulieren. Noch geht dem schüchtern auftretenden 25-Jährigen aber die Grandezza der ganz Großen ab. Müsste für die nächste Stufe wahrscheinlich den Schritt weg von Atlético Madrid wagen.

ROBERT LEWANDOWSKI: Dass ihm persönliche Auszeichnungen durchaus wichtig sind, zeigen Äußerungen des Bayern-Torjägers in sozialen Netzwerken. Der ganz große Traum ist die Weltfußballer-Trophäe. Doch mit der polnischen Nationalmannschaft kann der 28-Jährige aufgrund der mangelnden Extraklasse seiner Teamkollegen zu wenig glänzen.

PIERRE-EMERICK AUBAMEYANG: Auf den ersten Blick eine abwegige Idee. Dieses Jahr schaffte es der BVB-Stürmer nicht einmal auf die Nominierungsliste der letzten 23. Zudem ist der Gabuner mit 27 Jahren womöglich schon nah am Zenit seiner Karriere. Sollte sich ein Wechsel zu Real Madrid jedoch realisieren und er dort die Nachfolge von Ronaldo antreten, dürfte seine globale Vermarktung durch das schillernde Auftreten ein Leichtes sein.

Die kuriosesten Stimmvergaben bei der Weltfußballer-Wahl

Zürich (dpa) – Bei der Wahl zum Weltfußballer veröffentlicht der Weltverband FIFA, für wen die Stimmberechtigten votiert haben. Ein Überblick der kuriosesten Wahlverhalten der Kapitäne und Trainer der Nationalmannschaften:

Die kuriosesten Stimmvergaben bei der Weltfußballer-Wahl
Rumäniens Nationaltrainer Christoph Daum wählte nur deutsche Profis. Foto: Mircea Rosca

Zürich (dpa) – Bei der Wahl zum Weltfußballer veröffentlicht der Weltverband FIFA, für wen die Stimmberechtigten votiert haben. Ein Überblick der kuriosesten Wahlverhalten der Kapitäne und Trainer der Nationalmannschaften:

RIVALITÄT: Sieger Cristiano Ronaldo und sein Dauer-Rivale Lionel Messi gönnen dem jeweiligen Kontrahenten traditionell nichts. Und so verteilten die beiden Dominatoren des Weltfußballs auch bei dieser Auflage wieder ihre Stimmen schön im eigenen Lager. Ronaldo gab seine Punkte den Real-Madrid-Teamkollegen Gareth Bale, Luka Modric und Sergio Ramos. Messi entschied sich für Luis Suárez, Neymar und Andrés Iniesta – die natürlich wie er selbst beim FC Barcelona spielen.

CHILENISCHE EINSEITIGKEIT: Jeder Nationaltrainer und -kapitän darf jeweils drei Stimmen vergeben – oder kann es gleich so wie Juan Antonio Pizzi halten. Der chilenische Coach hievte seinen eigenen Spieler Alexis Sánchez auf Platz eins und ließ die Ränge zwei und drei einfach offen.

LEWANDOWSKIS EINSICHT: Vor zwei Jahren wurde das Votum von Robert Lewandowski zum kleinen Politikum. In seiner Funktion als polnischer Kapitän entschied sich der Bayern-Stürmer für Cristiano Ronaldo auf seinem ersten Platz und setzte den aussichtsreichen Teamkollegen Manuel Neuer nur auf Rang zwei. Später bezeichnete Lewandowski dies als «Fehler», auch der damalige Münchner Sportverstand Matthias Sammer äußerte sich dazu und nannte das Wahlverhalten «unüberlegt». Dieses Jahr wählte Lewandowski Neuer als Ersten und setzte Bale und Ronaldo erst dahinter.

VARDY-HYPE: Trotz des sensationellen Meisterstücks mit Leicester City wurde Jamie Vardy insgesamt nur 15. bei der Weltfußballer-Wahl. Im britischen Überseegebiet Turks- und Caicosinseln scheint der Stürmer aber eine große Nummer zu sein. Sowohl Kapitän Billy Forbes als auch Trainer Oliver Smith setzten Vardy an Nummer eins. Selbst beim eigenen Nationalcoach Gareth Southgate taucht der 29-Jährige gar nicht erst auf, Wayne Rooney hat ihn immerhin noch auf Platz drei.

HEIMATVERBUNDENHEIT: Auch als Nationaltrainer Rumäniens schätzt Christoph Daum die deutsche Spielkultur – und verteilte seine Stimmen an Toni Kroos, Neuer und Mesut Özil.

Kroos als Zehnter bester Deutscher bei Weltfußballerkür

Zürich (dpa) – Als einziger deutscher Profi hat es Toni Kroos bei der Wahl des FIFA-Weltfußballer unter die Top Ten geschafft. Der Mittelfeldspieler kam beim Sieg seines Real-Madrid-Teamkollegen Cristiano Ronaldo mit 1,25 Prozent der Stimmen auf Platz zehn.

Kroos als Zehnter bester Deutscher bei Weltfußballerkür
Toni Kroos erscheint mit Partnerin Jessica Farber zur Gala. Foto: Walter Bieri

Zürich (dpa) – Als einziger deutscher Profi hat es Toni Kroos bei der Wahl des FIFA-Weltfußballer unter die Top Ten geschafft. Der Mittelfeldspieler kam beim Sieg seines Real-Madrid-Teamkollegen Cristiano Ronaldo mit 1,25 Prozent der Stimmen auf Platz zehn.

Das geht aus den Ergebnislisten des Weltverbands vom Montagabend hervor. Mesut Özil wurde 14., Manuel Neuer erreichte Platz 16. Als zweiter Bundesliga-Profi neben dem Bayern-Keeper wurde sein Münchner Mannschaftskamerad Robert Lewandowski auf Platz zwölf gewählt.

Bei der Weltfußballer-Wahl waren zu gleichen Teilen die Stimmen der Spielführer und Cheftrainer von Nationalteams, einer ausgewählten Gruppe von Medienvertretern sowie erstmals auch Fans ausschlaggebend.

Kroos wurde von Spielern und Trainern insgesamt fünfmal auf den ersten Platz gewählt. Neuer, Bundestrainer Joachim Löw, Österreichs Spielführer Julian Baumgartlinger, Rumäniens Coach Christoph Daum und Ex-Bundesligaprofi Thomas Dooley als philippinischer Nationaltrainer vergaben die Höchstzahl von fünf Punkten an Kroos. Lewandowski wählte Neuer auf seinen Spitzenplatz, der kirgisische Coach Alexander Krestinin votierte für Özil als seinen besten Fußballer 2016.

Neuer verteilte seine Stimmen komplett an Teamkollegen aus der Nationalelf und von Bayern: Hinter Kroos kamen für ihn Özil und Lewandowski. Löw stimmte wie angekündigt neben Kroos für Özil und Neuer.

Bei der Wahl des Welttrainers kam Liverpool-Coach Jürgen Klopp auf Rang sieben, zwei Plätze hinter dem früheren Bayern-Trainer Pep Guardiola. Die Trophäe sicherte sich Claudio Ranieri vom englischen Überraschungsmeister Leicester City.

Neuer vergab seine Stimmen an Guardiola, Ranieri und Tottenhams Mauricio Pochettino, Löw votierte für Portugals Europameistercoach Fernando Santos, Real Madrids Zinédine Zidane und Ranieri. Damit bekam Klopp keine Stimmen aus der deutschen Nationalmannschaft.

Cristiano Ronaldos extremes Jahr

Zürich (dpa) – Im erfolgreichsten Jahr seiner Karriere wurde die Fußball-Maschine Cristiano Ronaldo ein Stück weit Mensch. Unvergessen der tränenreiche Auftritt beim EM-Triumph in Paris, als er verletzt von der Seitenlinie seine portugiesischen Teamkollegen zum Finalcoup über Frankreich peitschte.

Cristiano Ronaldos extremes Jahr
FIFA-Präsident Gianni Infantino (r) übergibt Cristiano Ronaldo die Trophäe. Foto: Patrick Seeger

Zürich (dpa) – Im erfolgreichsten Jahr seiner Karriere wurde die Fußball-Maschine Cristiano Ronaldo ein Stück weit Mensch. Unvergessen der tränenreiche Auftritt beim EM-Triumph in Paris, als er verletzt von der Seitenlinie seine portugiesischen Teamkollegen zum Finalcoup über Frankreich peitschte.

Die personifizierte Ich-AG des Weltfußballs vollendete seinen größten Triumph als Teamplayer. Als Symbol der Vormachtstellung gab es für den 31-Jährigen am Montagabend in Zürich zum vierten Mal die Auszeichnung als besten Spieler des Jahres durch den Weltverband FIFA vor seinem Dauerrivalen Lionel Messi und Frankreichs EM-Liebling Antoine Griezmann.

Allerdings ereilten den sonst bis zur Groteske arrogant wirkenden Ronaldo vergangenes Jahr seine bislang größten Negativschlagzeilen abseits des Platzes. Zwar konnten die medialen Vorwürfe, mit Steuertricks mehrere Millionen Euro hinterzogen zu haben, in der den normalen Maßstäben entrückten Fußball-Welt nur noch wenig schocken. Sein Manager beeilte sich jedoch, die Berichte zurückzuweisen und verwies darauf, dass Ronaldo gegenüber den Steuerbehörden ein Vermögen von mehr als 227 Millionen Euro deklariert habe. 

Schon bald versuchte Jorge Mendes seinen Mandanten mit Zahlen in ähnlich astronomischer Höhe wieder ins gewohnte Licht zu rücken. Ein chinesischer Club wolle den Real Madrids Superstar aus Spanien weglocken, im Raum stehe dafür eine Ablösesumme von 300 Millionen Euro und ein Jahresgehalt von mehr als 100 Millionen. «Geld ist nicht alles», versicherte Mendes aber gleichzeitig. «Real Madrid ist sein Leben.»

Und Portugal. Mit dem ersten Titel für sein Heimatland schloss Ronaldo im EM-Finale am 10. Juni 2016 die letzte Lücke in seinem perfekten Fußball-Lebenslauf. «Persönlich war das der beste Moment in meiner Karriere», schwärmt er auch ein halbes Jahr später noch.

Natürlich sei es toll, wie in diesem Jahr die Champions League und die Club-WM oder auch den Ballon d’Or zu holen. «Aber wenn du etwas für dein Land gewinnst, ist das etwas ganz anderes. Und etwas mit Portugal etwas zu gewinnen, ist ganz anders als mit Brasilien, Argentinien oder Deutschland – es ist viel schwerer.»

Natürlich kommt es Ronaldo weiterhin auf die Außendarstellung an. Mitte Dezember wurde er mit dem Ballon d’Or der französischen Zeitung «France Football» ausgezeichnet und ließ es sich vergangenes Wochenende nicht nehmen, seine umfangreiche Trophäensammlung vor dem Ligaspiel gegen Eibar auf dem Rasen des Estadio Bernabeu zu präsentieren. Dabei zeigte Ronaldo auch in sozialen Netzwerken stolz das nächste ihm gewidmete Werk seines Schuh-Ausstatters – standesgemäß mit dem Schriftzug CR7 und goldener Sohle.

Seine Motivation sei, «dass mein Name immer ganz oben steht», bekannte Ronaldo kurz vor der vierten Kür zum FIFA-Weltfußballer. Das Dauer-Duell mit seinem ewigen Rivalen Messi treibt ihn weiter an. Noch hat der Argentinier eine Weltfußballer-Trophäe mehr abgeräumt; so dürfte Ronaldo nicht vorher ruhen, bevor er auch in dieser Kategorie die Oberhand behält. Er wolle seine Karriere bei Real beenden, «aber erst wenn ich 41 bin», sagte er halb im Scherz, halb im Ernst.

Doch wie lange wird Ronaldo sein Team noch dominieren? Der jahrelange Anführer ist zumindest in der Madrider Presse nicht mehr sakrosankt. «Ronaldo ist nur noch ein Teil des Real-Teams, er ist nicht mehr alles», analysierte die «AS» zum Jahresbeginn. Real sei «immer weniger abhängig von Cristiano». Ronaldo wird alles tun, um seinen Kritiker wieder einmal das Gegenteil zu beweisen.

Silvia Neid zum dritten Mal FIFA-Welttrainerin

Zum dritten Mal erhält Silvia Neid die Trophäe für die FIFA-Welttrainerin. Nach dem Olympia-Triumph feiert die langjährige Bundestrainerin einen ruhmreichen Abgang von der internationalen Fußball-Bühne. Ihre Rio-Torschützenkönigin geht leer aus.

Silvia Neid zum dritten Mal FIFA-WelttrainerinSilvia Neid zum dritten Mal FIFA-Welttrainerin
Silvia Neid wurde zum dritten Mal zur Welttrainerin gewählt. Foto: Walter Bieri
Die US-amerikanische Fußballspielerin Carli Lloyd erhält ihre Trophäe als FIFA-Weltfussballerin. Foto: Patrick Seeger

Zürich (dpa) – Silvia Neid musste erst einmal kurz durchatmen. Knapp fünf Monate nach ihrem goldenen Abschied als Coach der deutschen Fußball-Frauen in Rio erhielt die 52-Jährige bereits zum dritten Mal die Trophäe als FIFA-Welttrainerin.

Neid setzte sich wie schon im Olympia-Finale gegen die Schwedin Pia Sundhage durch, zudem stand die Vorjahressiegerin Jillian Ellis als Trainerin der Amerikanerin unter den Top drei. «Ich bin überwältigt, das ist eine große Ehre für mich, diese Trophäe zu gewinnen», schwärmte Neid. «Das ist der Wahnsinn.»

Da konnte ihre Stimmung auch nicht groß trüben, dass Melanie Behringer bei der Wahl der Weltfußballerin leer ausging. Die Trophäe sicherte sich wie im Vorjahr Carli Lloyd aus den USA.

Mit der Kür von Neid zeigt sich auch im Ruhestand noch einmal ihr absolute Ausnahmestatus. Kein anderer Kollege von ihr erhielt die höchste individuelle Auszeichnung im Frauenfußball bislang mehr als einmal. 2010 wurde Neid bei der ersten Auflage geehrt, drei Jahre später nach dem EM-Titel erneut.

«Es ist immer schön hier zu sein, es macht immer sehr viel Spaß hier», sagte Neid und berichtete von ihrem Trainerinnen-Ruhestand: «Ich bin ja weiterhin beim Deutschen Fußball-Bund beschäftigt als Chefscout für Frauenfußball und bin auf der Suche nach Trends.»

Neben Neid hatte auch ihre Olympia-Torschützenkönigin von Rio de Janeiro die Chance auf eine Auszeichnung bei den «The Best FIFA Football Awards». Melanie Behringer musste sich jedoch Lloyd geschlagen geben, zudem stand die Brasilianerin Marta unter den Top drei. «Für mich ist es das erste Mal hier», sagte Bayern Münchens Mittelfeldspielerin Behringer dennoch stolz. «Das ist für mich etwas ganz Besonderes.» Als deutsche Spielerinnen wurden nach der dreimaligen Siegerin Birgit Prinz (2003-2005) zuletzt Nadine Angerer (2013) und Nadine Keßler (2014) ausgezeichnet.

Bei der Wahl waren zu gleichen Teilen die Spielführerinnen und Cheftrainer von Frauen-Nationalteams, eine ausgewählte Gruppe von Medienvertretern sowie erstmals auch Fans stimmberechtigt.