Messi bangt um Argentiniens WM-Ticket

Eine WM ohne Argentinien? Lionel Messi und Co. müssen ausgerechnet gegen Angstgegner Chile in der südamerikanischen WM-Qualifikation punkten, um nicht noch mehr an Boden zu verlieren. Das Rennen ist äußerst eng, nur ein Team kann praktisch schon für Russland planen.

Messi bangt um Argentiniens WM-Ticket
Für Lionel Messi und Argentiniens Nationalmannschaft ist die Partie gegen Chile ein «entscheidendes Spiel». Foto: Jason Szenes

Buenos Aires (dpa) – Der Druck vor dem Duell mit dem Angstgegner ist groß. Argentinien um Superstar Lionel Messi bangt um die Teilnahme an der Fußball-WM 2018 in Russland.

In einer bisher enttäuschenden Qualifikation empfängt der zweimalige Weltmeister am Donnerstag Chile. «Ich würde nicht sagen, dass es ein Finale ist, wohl aber ein entscheidendes Spiel», sagte Trainer Edgardo Bauza der FIFA.

Argentinien liegt mit 19 Punkten nur auf Platz fünf. Chile, das ohne den gelbgesperrten Arturo Vidal vom FC Bayern München auskommen muss, hat 20 Punkte und ist Vierter. Nur die ersten Vier qualifizieren sich direkt für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland, der Fünfte müsste in einem Playoff-Vergleich im November gegen ein Team aus Ozeanien antreten.

Bei der Copa América verlor die Albiceleste zuletzt im Finale zweimal äußerst unglücklich gegen Chile. Ein psychologischer Nachteil? «Ich muss dafür sorgen, dass die Mannschaft die letzten beiden Endspiele vergisst, die wir nicht auf dem Platz, sondern im Elfmeterschießen verloren haben», sagte Bauza. Der 59-Jährige weiß natürlich, dass Chile kein gewöhnlicher Gegner ist. «Unsere Rivalität mit Chile, die schon seit jeher existiert, müssen wir auf dieses wichtige Spiel gegen einen direkten Rivalen reduzieren», meinte er. «Wir dürfen nur daran denken, dass wir mit einem Sieg an ihnen vorbeiziehen.»

Im Hexenkessel des River Plate-Stadions zu Buenos Aires, wo Argentinien 1978 seinen ersten Weltmeisterschafts-Titel gewann, setzt Bauza wie immer auf die Geniestreiche von Messi, zudem auf Tore von Sergio Agüero (Manchester City) oder Ángel de María (Paris Saint-Germain). Messi hat besonders schlechte Erinnerungen an Chile: Nach der Pleite im Copa-América-Finale 2016 hatte er entnervt seinen Rücktritt erklärt, wurde dann aber von einer ganzen Nation bis hin zu Präsident Mauricio Macri vom Weitermachen überzeugt.

Es ist der 13. Spieltag, in Südamerika gibt es durch eine Zehner-Gruppe mit 18 Spieltagen im Modus jeder gegen jeden die längste Qualifikation aller Kontinentalverbände. Das Spitzenspiel findet am Donnerstag in Montevideo statt, wo der zweimalige Weltmeister Uruguay (Platz 2/23 Punkte) den fünfmaligen Weltmeister und aktuellen Tabellenführer Brasilien (27 Punkte) empfängt. Die Seleção ist unter dem neuen Nationaltrainer Tite noch ungeschlagen. «Das wird sicher ein schwieriges Spiel», meinte Neymar vom FC Barcelona bei der Ankunft im Quartier.

Zugleich ist klar: Bei einem Sieg wäre Brasilien praktisch qualifiziert. Der Drittplatzierte Ecuador (20 Punkte) würde mit einem Erfolg in Paraguay ebenfalls einen weiteren Schritt Richtung Russland machen. Wenn es für Argentinien schlecht läuft, könnte es bei einer Niederlage oder einem Unentschieden gegen Chile sogar von Kolumbien (18 Punkte) überholt werden, das Bolivien empfängt.

Bei dem Doppelspieltag wartet nach Chile auf Messi und Co. gleich die nächste unangenehme Aufgabe: Am Dienstag muss die Albiceleste in der dünnen Luft von La Paz auf 3600 Meter Höhe gegen Bolivien antreten.

Alemannia Aachen stellt erneut Insolvenzantrag

Aachen (dpa) – Fußball-Traditionsclub Alemannia Aachen hat einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim zuständigen Amtsgericht gestellt.

Alemannia Aachen stellt erneut Insolvenzantrag
Alemannia Aachen trägt seine Heimspiele im Tivoli-Stadion aus. Foto: Rolf Vennenbernd

Aachen (dpa) – Fußball-Traditionsclub Alemannia Aachen hat einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim zuständigen Amtsgericht gestellt.

Wie der Club mitteilte, haben sich Geschäftsführung und Aufsichtsrat der Alemannia Aachen GmbH «schweren Herzens» zu diesem Schritt entschlossen. Es habe trotz intensiver, aber letztlich gescheiterter Bemühungen um Investoren die Zahlungsunfähigkeit gedroht, hieß es in der Erklärung des finanziell seit langem angeschlagenen Ex-Bundesligisten, der aktuell in der Regionalliga West spielt. Es steht bereits das zweite Insolvenzverfahren nach 2012 bevor.

«Wir bedauern zutiefst, dass diese Maßnahmen trotz des unermüdlichen Einsatzes von Mitarbeitern und der Unterstützung unserer Sponsoren, denen wir zu Dank verpflichtet sind, alternativlos geworden sind», sagte der Aufsichtsratsvorsitzender Christian Steinborn, der gleichzeitig mit seinen Gremiumskollegen zurücktrat. «Wir werden auch nach dem Rücktritt die dann neuen Verantwortlichen nach besten Kräften unterstützen, um diesem einzigartigen Club doch noch eine wirtschaftliche Perspektive zu ermöglichen», ergänzte Steinborn.

Das Amtsgericht Aachen muss nun einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellen. Ziel soll es nach Clubangaben sein, danach die ersten Weichen zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebs in der Regionalliga West zu stellen. Derzeit steht der Club auf Platz vier der Tabelle.

Die Option, mit einem Investor die Rückkehr in den Profifußball anzustreben, ist nach Vereinsangaben auch an der «ablehnenden Haltung großer Teile von Fangruppierungen» sowie an der Rechtsunsicherheit im Zusammenhang mit der möglichen Besteuerung von Sanierungsgewinnen gescheitert. Der TSV Alemannia Aachen e.V. ist von dem Insolvenzantrag nicht betroffen.

Union Berlin Spitze – Hosiners unglaubliche Rückkehr

Das Stadt-Derby mit Hertha BSC winkt – der 1. FC Union Berlin ist Spitzenreiter der 2. Bundesliga und unbeirrt auf Aufstiegskurs. Das Siegtor gegen Nürnberg schoss Philipp Hosiner, der harte gesundheitliche Rückschläge wegstecken musste.

Union Berlin Spitze - Hosiners unglaubliche Rückkehr
Der 1. FC Union Berlin um Cheftrainer Jens Keller feierte die Tabellenführung. Foto: Soeren Stache

Berlin (dpa) – «Spitzenreiter, Spitzenreiter», schallte es durch das Stadion An der Alten Försterei in Berlin-Köpenick. Das Trainerteam um Chefcoach Jens Keller vollführte Freudensprünge.

Der 1:0 (0:0)-Erfolg des 1. FC Union gegen den 1. FC Nürnberg brachte den Sprung an die Tabellenspitze der 2. Bundesliga – die Stadt-Derbys gegen Hertha BSC rücken immer näher. «Wir freuen uns über diese Situation, aber es sind noch neun Spiele. Wir haben im Moment eine gute Ausgangsposition», sagte Keller und blieb auch im überbordenden Jubel kühl kalkulierender Realist. Mit 50 Punkten verdrängte Union den VfB Stuttgart (49) von der Tabellenspitze.

Der Mann des Tages war ein Ersatzspieler mit einer unglaublichen Kranken- und Genesungs-Geschichte: Philipp Hosiner, der in der Rückrunde nach der Verpflichtung des Top-Stürmers Sebastian Polter kaum noch zum Einsatz kam, schoss das alles entscheidende 1:0 in der 83. Minute. Zahlreiche Krankenhaus-Aufenthalte prägten in den vergangenen zwei Jahren sein Leben. Im Januar 2015 überstand der Österreicher einen Nieren-Tumor, im vergangenen Dezember einen Lungen-Kollaps.

«Ich wollte auch in den letzten Spielen zum Einsatz kommen. Da hat der Trainer auf andere Optionen zurückgegriffen. Ich bin froh, dass er mich heute gebracht hat», sagte der überglückliche Torschütze. «Er hat mir auf den Weg mitgegeben, dass wir das Spiel unbedingt gewinnen wollen. Das konnte ich schnell umsetzen.» Keller lobte den fast verbissenen Trainingseifer Hosiners in den letzten Wochen. «Es freut mich unheimlich, dass gerade er das Tor gemacht hat.»

Zum sechsten Mal in elf Zweitliga-Serien steht Union auf dem ersten Tabellenplatz. Bisher war das dem Kultverein aber 2001/02, 2009/10 und 2013/14 nur jeweils im ersten Saisonviertel gelungen. In dieser Saison bestieg der Verein den Thron erstmals nach 25 Spieltagen. «Mich würde es eher freuen, wenn wir auch nach dem 34. Spieltag noch da oben stehen», sagte Angreifer Steven Skrzybski, der auf die starke Heimbilanz verwies: «Keiner freut sich, wenn er gegen uns spielen muss.»

Vor allem in der Rückrunde ist Union eine Bank. Zum neunten Mal in Folge blieben die «Eisernen» ungeschlagen. Mit dem sechsten Sieg in Folge stellten sie einen neuen Vereinsrekord in der 2. Liga auf und konnten im achten Zweitliga-Duell den Club erstmals überhaupt bezwingen.

In dieser Saison ist bei Union alles möglich – auch der direkte Aufstieg in die Bundesliga. Nach der Länderspielpause können die Berliner, die noch nie im Oberhaus spielten, in der Auswärtspartie bei Hannover 96 am 1. April einen direkten Aufstiegs-Konkurrenten abschütteln. «Das nächste Auswärtsspiel in Hannover wird sehr schwer. Aber ich glaube, dass der Druck in Hannover jetzt ein bisschen höher ist», sagte Keller. «Wir werden weiter daran arbeiten, dass wir da blieben, wo wir sind.»

WM-Qualifikation geht ins Entscheidungsjahr

Russland ist als Gastgeber gesetzt. Und wer ist sonst noch bei der WM 2018 dabei? Bis November werden die restlichen Tickets vergeben. Für die DFB-Elf sieht es gut aus. Für Belgien und die Schweiz auch. Zwei große Fußball-Nationen müssen dagegen zittern.

WM-Qualifikation geht ins Entscheidungsjahr
Russland ist als Ausrichter der Weltmeisterschaft vom 14. Juni bis zum 15. Juli 2018 gesetzt. Foto: Marcus Brandt

Berlin (dpa) – 31 aus 108 – so lautet die Formel vor den ersten WM-Qualifikationsspielen 2017. Noch 108 Verbände aus sechs Konföderationen kämpfen um die begehrten Startplätze für die Weltmeisterschaft in Russland im kommenden Jahr.

Nur der Gastgeber ist bislang sicher dabei. Die anderen Bewerber spielen in Gruppenpartien und Playoffs um die restlichen 31 WM-Tickets.

Für Deutschland läuft bislang alles nach Plan: Mit zwölf Punkten, 16 Toren und ohne Gegentreffer liegt die DFB-Elf souverän an der Spitze ihrer Gruppe. Der deutsche Finalgegner bei der Weltmeisterschaft 2014 hat dagegen große Probleme: Argentinien hinkt den eigenen Ansprüchen weit hinterher und steht vor seinem Duell mit Chile unter Druck.

EUROPA: Die Europäische Fußball-Union (UEFA) stellt die meisten WM-Teilnehmer. 54 Verbände in neun Gruppen kämpfen um 13 freie Startplätze. Nach vier Spielen sieht es für Deutschland, Belgien und die Schweiz besonders gut aus. Die drei Mannschaften haben bisher als einzige Teams all ihre Partien gewonnen. Große Spannung deutet sich in Gruppe G an: Spanien liegt punktgleich mit Italien an der Tabellenspitze. Die Niederlande muss dagegen nach der verpassten EM 2016 auch um die WM bangen. Vor dem Auswärtsspiel in Bulgarien am Samstag ist Oranje hinter Frankreich in Gruppe A Zweiter und hat mit sieben Zählern genauso viele wie die drittplatzierten Schweden.

SÜDAMERIKA: Brasilien kann schonmal für die WM planen. Die Seleção führt die Südamerika-Qualifikation an und hat einen komfortablen Vorsprung auf die Konkurrenz. Vier Startplätze hat Südamerika in Russland. Zusätzlich qualifiziert sich der Fünfte des Kontinents für die Playoffs gegen die beste Mannschaft aus Ozeanien. Überraschend liegt Argentinien hinter den Brasilianern, Uruguay, Ecuador und Chile nur auf Rang fünf. Im Heimspiel gegen den Copa-América-Sieger der vergangenen beiden Jahre, Chile, am Donnerstag (Ortszeit) steht die Albiceleste unter Zugzwang: Gewinnt Argentinien nicht und siegt Kolumbien gegen Bolivien, rutscht Messis Team sogar vom Playoffplatz.

NORD-, ZENTRALAMERIKA UND KARIBIK: Zwei Niederlagen in der entscheidenden Quali-Runde zum Auftakt waren zu viel: Jürgen Klinsmann musste im vergangenen November als Trainer der USA gehen und wurde durch Bruce Arena ersetzt. Arena soll die Amerikaner vom sechsten und letzten Platz mindestens auf Rang drei führen. Gelingt ihm das, wäre sein Team 2018 dabei. Erreichen die USA Rang vier, müssten sie in den Playoffs gegen den Fünftbesten aus Asien ran. Auf dem vierten Platz liegt derzeit Honduras – der nächste Gegner der USA am Freitag (Ortszeit).

ASIEN: Japan, Südkorea, Iran, Saudi-Arabien – wäre die WM-Quali jetzt schon vorbei, würden diese vier Nationalmannschaften aus Asien nach Russland reisen. Noch sind jedoch erst die Hälfte aller Spiele der letzten Runde absolviert. Schlechte Chancen hat aktuell der Gastgeber der Weltmeisterschaft 2022: Katar liegt in seiner Gruppe auf dem vorletzten Platz und wird wohl erst in fünf Jahren seine WM-Premiere feiern.

AFRIKA: In fünf Vierergruppen kämpfen 20 Mannschaften um fünf freie Plätze. In Gruppe A liefern sich die Demokratische Republik Kongo und Tunesien ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Richtig eng ist es auch zwischen Burkina Faso, Südafrika und Senegal. Das Nationalteam Gabuns mit Dortmunds Stürmerstar Pierre-Emerick Aubameyang hat in zwei Spielen zweimal unentschieden gespielt und liegt hinter der Elfenbeinküste auf Rang zwei seiner Gruppe. Nur der erste kriegt ein WM-Ticket.

OZEANIEN: Der mit elf Verbänden zweitkleinste Kontinentalverband der FIFA nach Südamerika hat gar keinen festen Startplatz in Russland. Neuseeland hat derzeit die besten Chancen, die Playoffs gegen das fünftbeste südamerikanische Team zu erreichen. Konkurrenten der Neuseeländer sind unter anderem Exoten wie die Salomon-Inseln oder Neukaledonien.

Hosiner schießt Union an die Spitze: 1:0 gegen Nürnberg

Er war lange krank und konnte nicht spielen – jetzt macht Philipp Hosiner den 1. FC Union zum neuen Spitzenreiter der 2. Liga. Der Aufstieg rückt für die Berliner immer näher. Die «Eisernen» beenden gegen Nürnberg eine weitere Negativserie.

Hosiner schießt Union an die Spitze: 1:0 gegen Nürnberg
Das Team von Union-Trainer Jens Keller ist der neue Tabellenführer in der 2. Liga. Foto: Soeren Stache

Berlin (dpa) – «Eisern» Union ist nach dem 25. Spieltag die Nummer eins in der 2. Bundesliga – und langsam kommt dem Aufstieg ins Oberhaus immer näher. Der Österreicher Philipp Hosiner schoss in der 83. Minute die Berliner in einem hart umkämpften Spiel zum 1:0 (0:0) gegen den 1. FC Nürnberg.

Im Dezember des Vorjahres hatte der Stürmer einen Lungenkollaps erlitten, wurde um Krankenhaus behandelt und fehlte lange Zeit. «Einfach überragend. Mich freut es ungemein, dass er das Spiel entschieden hat», erklärte Union-Coach Jens Keller.

Sein Team blieb auch im neunten Spiel nacheinander ungeschlagen und stellte mit dem sechsten Sieg in Serie einen neuen Clubrekord auf. Das Team von Jens Keller verdrängte mit 50 Punkten den bisherigen Tabellenführer VfB Stuttgart (49) von der Spitze. «Die Mannschaft hatte am Anfang ein bisschen Respekt vor der Situation. Ich würde sagen: wir waren verkrampft. Die Mannschaft ist nicht so aggressiv angelaufen, wie ich es gerne hätte», gestand Keller bei Sky und kündigte an: «Wir wollen da oben dabeibleiben. Jetzt sind wir oben, jetzt wird die Mannschaft wieder entspannter.»

Dennoch musste sich der Club (jetzt mit 32 Punkten auf Rang zehn) im achten Zweitligaspiel gegen den 1. FC Union erstmals geschlagen geben. Die Gäste traten vor 21 210 Zuschauern im Stadion «An der Alten Försterei» durchaus mutig auf. Die Mannschaft des neuen Trainers Michael Köllner hatte in der Startphase durch Tobias Kempe und Edgar Salli die ersten Torgelegenheiten. Später fehlte die Präzision.

Union hatte zunächst Probleme. «Wir haben nicht das Spiel abgeliefert, wie wir das gewohnt sind», meinte Coach Keller. Stürmer Sebastian Polter zielte nach einer halben Stunde für Union dreimal zu ungenau. Nach einer Unterbrechung durch eine Verletzung von Schiedsrichter Jochen Drees traf Polter frei nur den Pfosten (80.). Schließlich sicherte Hosiner nach Zuspiel von Steven Skrzybski Union die erste Tabellenführung seit dem 7. Spieltag der Saison 2013/14.

«Wir haben leidenschaftlich gespielt und es über weiter Phasen des Spiels sehr gut gemacht. Die Verletzungspause des Schiedsrichters hat Union ein bisschen in die Karten gespielt», erklärte Club-Coach Köllner. Offensivmann Kevin Möhlwald ergänzte frustriert: «Das ist sehr bitter. Wir hatten einen Plan für das Spiel, aber im Endeffekt stehen wir mit leeren Händen da.»

Hannover 96 beurlaubt Coach Stendel und holt Breitenreiter

Was sich seit Wochen angedeutet hat, ist nun vollzogen: Hannover 96 wechselt aus Angst um das Verpassen des direkten Wiederaufstiegs in die Fußball-Bundesliga den Trainer. Der neue Coach beginnt gegen einen besonderen Gegner.

Hannover 96 beurlaubt Coach Stendel und holt Breitenreiter
André Breitenreiter übernimmt den Trainerposten bei Hannover 96. Foto: Peter Steffen

Hannover (dpa) – Mit einem süffisanten Lächeln quittierte Horst Heldt Fragen nach der unwürdigen Trainerposse bei Hannover 96, die sich bis zur Vorstellung von André Breitenreiter zog.

«Für Sie wirkte es vielleicht lang, es war aber nicht lang. Und es war auch nicht so, dass wir rumgeeiert hätten, wie es vielleicht den Anschein hatte», sagte 96-Sportchef Heldt dann im Hinblick auf die Demontage von Breitenreiters Vorgänger Daniel Stendel.

Heldt begründete dies mit einer bemerkenswerten Sichtweise: «Ich bin erst heute Morgen dazu gekommen, Daniel Stendel es persönlich mitzuteilen. Bei all dem darf man nicht vergessen, dass man respektvoll mit den Leuten umgehen muss.» Dabei gab der neue 96-Sportchef zu, dass ihm die Erkenntnis zu einem Trainerwechsel beim Tabellenvierten bereits nach dem 0:0 beim FC St. Pauli «im Laufe des Samstages» gekommen sei. Und Breitenreiter bestätigte, am selben Abend auch schon Gespräche mit Heldt über ein mögliches Engagement bei seinem Heimatclub geführt zu haben.

Trotz reichlich Erfahrung bei Trainerwechseln gab der zum Wiederaufstieg verdammte Bundesliga-Absteiger zwei Tage lang ein denkbar schlechtes Bild bei der Trennung von Stendel ab. 96 hofft nun aber zumindest auf Besserung im sportlichen Bereich. «Es wird eine schwere Aufgabe, aber auch eine machbare Aufgabe. Wir wollen am Ende der Saison alle gemeinsam am Rathaus feiern», sagte Breitenreiter, der einen ligaunabhängigen Vertrag bis 2019 unterschrieb.

Die Mission Aufstieg beginnt der frühere 96-Profi am Donnerstag mit einem Testspiel gegen seinen bislang letzten Arbeitgeber FC Schalke 04. «Es ist ja nur ein Testspiel. Lieber wäre es mir, es wäre ein Ligaspiel, aber so weit sind wir noch nicht», sagte Breitenreiter, der wie auch Heldt bis zum Ende der zurückliegenden Saison noch auf Schalke tätig war.

Breitenreiter muss für seinen neuen Job zumindest nicht umziehen. Der 43 Jahre alte Fußball-Lehrer wohnt in der Region Hannover keine 20 Kilometer vom Stadion entfernt. «Es ist klar, dass das eine Herzensangelegenheit für mich ist. Hannover ist ein toller Verein. Wir haben die große Chance, nachhaltig etwas aufzubauen», sagte der neue Coach, der im SC Paderborn bereits einen Verein von der 2. in die 1. Liga geführt hatte.

Bei seinem Heimatverein löst Breitereiter einen anderen Ex-Spieler ab, der als Trainer der Profis kein ganzes Jahr im Amt war. Stendel war am 4. April 2016 beim damaligen Erstligisten Nachfolger des geschassten Thomas Schaaf geworden. Nach seinem Start als Interimscoach wurde Stendel 22 Tage später zum Cheftrainer ernannt.

Vor dieser Zweitliga-Spielzeit galt 96 neben dem VfB Stuttgart als großer Aufstiegs-Favorit. Nach einer ordentlichen Hinrunde mit Platz zwei kam Hannover im neuen Jahr schwer in Tritt und gewann lediglich vier von acht Partien. «Wir alle sind der Meinung, dass wir große Qualität haben. Es hat aber gehapert zuletzt. Wir brauchen eine gewisse Leichtigkeit», meinte Breitenreiter.

Deutliche Kritik an dem Trainerwechsel, der sich angedeutet hatte, äußerte zuvor bereits der frühere 96- und jetzige St.-Pauli-Trainer Ewald Lienen. «Dass in so einer Tabellensituation der Trainer überhaupt infrage gestellt wird, ist skandalös», hatte Lienen nach dem 0:0 am Samstag gesagt. Heldt meinte zwei Tage später dazu reichlich reserviert: «Mir steht es nicht zu, die Situation bei St. Pauli zu bewerten. Das erwarte ich eigentlich auch von anderen.»

Bielefelds neuer Coach Saibene selbstbewusst

Bielefeld (dpa) – Arminia Bielefelds neuer Trainer Jeff Saibene geht die Rettungsmission in Ostwestfalen selbstbewusst an.

Bielefelds neuer Coach Saibene selbstbewusst
Der Bielefelder Cheftrainer Jeff Saibene geht seine neue Aufgabe selbstbewusst an. Foto: Guido Kirchner

Bielefeld (dpa) – Arminia Bielefelds neuer Trainer Jeff Saibene geht die Rettungsmission in Ostwestfalen selbstbewusst an.

«Ich habe Erfahrung im Abstiegskampf. Jetzt bekomme ich die Chance, den Traditionsverein Arminia zu retten. Das ist mir eine Ehre», sagte der 48 Jahre alte Luxemburger bei seiner Präsentation beim abstiegsbedrohten Fußball-Zweitligisten. Er habe «keine Angst» vor der schwierigen Aufgabe: «Ganz im Gegenteil. Ich weiß, wie ich mit der Mannschaft umgehen muss.»

Saibene, der auch den Schweizer Pass besitzt, hat fast sein ganzes Fußballer-Leben in der Alpenrepublik verbracht. Bis Sonntag saß der ablösefrei verpflichtete Coach noch beim Schweizer Erstligisten FC Thun auf der Bank, den er bereits zweimal in fast aussichtsloser Lage übernommen und vor dem Absturz bewahrt hatte.

Das erwarten Arminias Verantwortliche nun auch von ihrem dritten Chefcoach der laufenden Saison. Erst am vergangenen Dienstag war Jürgen Kramny als Nachfolger von Rüdiger Rehm beim ehemaligen Bundesliga-Club freigestellt worden.

Saibene bezeichnet sich selbst als «Fußball-Fanatiker, der alle Ligen kennt». Mit dem Wechsel nach Deutschland geht für ihn ein Traum in Erfüllung. «Ich wollte einen Karrieresprung machen und gern in die erste oder zweite deutsche Liga», ergänzte Saibene, der zunächst einen Vertrag bis zum Saisonende erhielt. Bielefelds Sport-Geschäftsführer Samir Arabi ist überzeugt, diesmal die richtige Wahl getroffen zu haben: «Wir haben Jeffs Weg in der Schweiz schon länger verfolgt und sind von seinen Qualitäten überzeugt.»

Kind: 96 beschäftigt sich mit Stendel-Nachfolge

Hannover (dpa) – Beim Fußball-Zweitligisten Hannover 96 scheint die Frage nach der Zukunft von Trainer Daniel Stendel nur noch von der Suche nach einem geeigneten Nachfolger abzuhängen.

Kind: 96 beschäftigt sich mit Stendel-Nachfolge
Hannover-96-Präsident Martin Kind bestätigt, dass man sich nach möglichen Nachfolgern für Trainer Stendel umsieht. Foto: Peter Steffen

Hannover (dpa) – Beim Fußball-Zweitligisten Hannover 96 scheint die Frage nach der Zukunft von Trainer Daniel Stendel nur noch von der Suche nach einem geeigneten Nachfolger abzuhängen.

Clubchef Martin Kind räumte am Sonntagabend ein, dass der Tabellenvierte längst über Alternativen nachdenkt. «Wir beschäftigen uns mit mehreren Namen. Das kann ich bestätigen», sagte Kind im NDR-«Sportclub» und nannte auch bereits das gesuchte Anforderungsprofil für einen neuen Coach: «Erfahrung ja, Name nein.»

Seit Wochen steht Stendel vor allem bei Kind in der Kritik, obwohl der Bundesliga-Absteiger nach wie vor alle Chancen auf den direkten Wiederaufstieg hat und die Spitzengruppe eng beieinander liegt. «Der vierte Platz ist gut, aber die Leistungsentwicklung ist auch zu beurteilen», sagte Kind dazu.

Hannover hatte beim FC St. Pauli 0:0 gespielt. Sportchef Horst Heldt verweigerte danach ein Bekenntnis zum Trainer. Am Sonntag vertagte die 96-Führung aber erneut eine Entscheidung. Diese soll laut Kind an diesem Montag, «spätestens aber am Dienstag» erfolgen.

Ein Problem im Hinblick auf den vermeintlichen Wunschkandidaten André Breitenreiter könnte dessen vertragliche Situation sein. «Aktuell ist André Breitenreiter bei Schalke unter Vertrag. Das können wir nicht lösen», sagte Kind und schloss aus, eine Ablöse für den im vergangenen Sommer auf Schalke abgelösten Breitenreiter zu bezahlen.

Heidel über Schalker Willen und Mainzer Abstiegskampf

Nach 24 Jahren als Mainzer Manager kam Christian Heidel am Sonntag zum ersten Mal als Gegner zu seinem Heimat- und Herzensverein. Für ihn war es ein emotionaler Tag.

Heidel über Schalker Willen und Mainzer Abstiegskampf
Schalke-Sportdirektor Christian Heidel war 24 Jahre in Mainz tätig. Foto: Thomas Frey

Mainz (dpa) – Von 1992 bis 2016 war Christian Heidel der Manager von Mainz 05. Am Sonntag kehrte er mit seinem neuen Verein Schalke 04 zum ersten Mal als Gegner in seine Heimat zurück, die Schalker gewannen dieses Bundesliga-Spiel mit 1:0 (0:0). Danach sprach Heidel über…

… seine Rückkehr:

«Ich hatte ein bisschen einen Kloß im Hals. Das waren ja auch nicht drei, vier oder fünf Jahre in diesem Verein, sondern 24 Jahre. Dieses Spiel war schon etwas Besonderes für mich. Wenn wir verloren hätten, wäre ich mit zurück nach Gelsenkirchen gefahren. So aber werde ich mir jetzt einen freien Tag in Mainz gönnen, meine Familie, meine Eltern und viele Freunde treffen.»

… die Europa-League-Chancen von Schalke 04:

«Wir haben eine tolle Woche hinter uns. Aber das ist auch eine verrückte Liga in diesem Jahr. Wir sollten nicht so viel darüber nachdenken, wo wir nach dem 34. Spieltag stehen könnten, sondern wir sollten unsere Punkte holen und jedes Spiel mit genauso großer Energie und so großem Willen angehen wie heute. Wir haben jetzt ein nicht ganz so leichtes Spiel vor der Brust: gegen den BVB!»

… den Abstiegskampf von Mainz 05:

«Man darf sich jetzt in Mainz nicht verrückt machen lassen. Es sind so viele Mannschaften ganz eng beieinander. So, wie ich Mainz 05 heute gesehen habe, werden sie mit ganz unten nichts zu tun bekommen. Man muss nur aufhören, auf die Tabelle zu schauen. Die Punkte sind wichtig. Dass jemand mit 40 Punkten am Ende 16. wird – das gibt es nicht. Mainz hat jetzt 29 Punkte und braucht demnach in den letzten neun Spielen noch elf oder zwölf Punkte. Ich habe überhaupt keinen Zweifel daran, dass die Mannschaft die nötige Qualität dafür hat.»

… den Torschützen Sead Kolasinac:

«Das Tor war Seo live, ein typischer Kolasinac-Konter. Wenn einer so eine Energieleistung drauf hat, dann er. Sein Vertrag mit uns läuft aus, die Gespräche laufen und wir wollen ihn unbedingt behalten. Er weiß auch, dass er eine große Wertschätzung bei uns im Club genießt. Für uns ist es auch völlig egal, ob jetzt Cosmos New York, der SC Paderborn oder ein wirklich großer Club auf ihn zukommt. Es weiß ohnehin jeder Verein, was dieser Spieler kann.»

Real weiter Spitzenreiter – Barca bleibt dran

Real Madrid hat nach dem Sieg gegen Bilbao seine Position an der Spitze von La Liga gefestigt. Aber Coach Zidane warnt: Den Spielern stehen harte Wochen bevor. Vor allem die Klassiker-Spiele gegen den FC Bayern hat der Franzose im Hinterkopf. Auch Barcelona siegt.

Real weiter Spitzenreiter - Barca bleibt dranReal weiter Spitzenreiter - Barca bleibt dran
Karim Benzema (M), Gareth Bale und Marcelo Vieira (r) von Real Madrid jubeln über einen Treffer gegen Athletic Bilbao. Foto: Alvaro Barrientos
Barcelonas Lionel Messi (l) traf gegen Valencia doppelt. Foto: Manu Fernandez

Bilbao/Madrid (dpa) – Zinédine Zidane war erleichtert. Bayern Münchens Champions-League-Gegner Real Madrid geht als Spitzenreiter der spanischen Primera División in die Länderspielpause. Der FC Barcelona bleibt den Königlichen aber auf den Fersen.

«Es war extrem wichtig, heute zu gewinnen. Es verbleiben noch elf Spiele in La Liga und jedes einzelne ist entscheidend, wobei wir auf einige sehr harte Gegner treffen werden», sagte der Real-Coach Zidane nach dem hart erkämpften 2:1 (1:0) am Samstag beim heimstarken Team von Athletic Bilbao.

65 Punkte weist Real auf und liegt damit weiter zwei Punkte vor dem Erzrivalen Barca, dazu haben die Madrilenen noch ein Nachholspiel in der Hinterhand. Gegen Bilbao war der vierte Sieg des spanischen Fußball-Rekordmeisters aus den vergangenen fünf Partien aber ein hartes Stück Arbeit. Karim Benzema (24.) und Casemiro (68.) trafen für die Gäste, für die Basken hatte Aduriz nur drei Minuten zuvor (65.) den kurzzeitigen Ausgleich erzielt.

Barcelona gewann am Sonntagabend mit 4:2 gegen den FC Valencia. Der Franzose Eliaquim Mangala (29.) brachte die Gäste im Camp Nou überraschend in Führung, Barca-Leihgabe Munir bezwang kurz vor der Pause Barcelona-Torhüter Marc-André ter Stegen erneut. Luis Suarez (35.), Lionel Messi mit einem Doppelpack (45./Foulelfmeter/53.) und André Gomes (89.) trafen für Barcelona.

Beide Real-Tore hatte Weltfußballer Cristiano Ronaldo vorbereitet. Dem letzten Treffer ging eine Ecke von Weltmeister Toni Kroos voraus. «Real zerstört den Zauber von Athletic im San-Mamés-Stadion», titelte die Zeitung «El País» am Sonntag.

Mit Blick auf die bevorstehenden WM-Qualifikationsspiele betonte der Coach: «Kaum ein Spieler bekommt Zeit, um sich auszuruhen. Einige müssen sogar in sehr bedeutsamen Spielen antreten, aber da ist nichts zu machen.» Unter anderem spielt Kroos am kommenden Sonntag mit der deutschen Elf in Aserbaidschan und Ronaldo empfängt am Samstag mit Portugals Auswahl Ungarn. Spanien spielt bereits am Freitag gegen Israel. 

«Wenn die Spieler dann zurückkommen, haben wir neun Spiele in 25 Tagen, und dann geht es wirklich um was», sagte Zidane. So muss Real etwa am 12. April zum Champions-League-Klassiker in München antreten, sechs Tage später steigt bereits das Rückspiel. «Dafür brauchen wir alle unsere Spieler – aber ich werde natürlich keinem Nationaltrainer sagen, er soll irgendjemanden auf die Bank setzen.»