Klinsmann nach Medien-Informationen neuer Cheftrainer

Klinsmann nach Medien-Informationen neuer Cheftrainer
Jürgen Klinsmann freut sich nach der Preisverleihung auf dem Sportpresseball.

Hamburg (dpa) – Nach Informationen der «Süddeutschen Zeitung» soll Jürgen Klinsmann Cheftrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und damit Nachfolger von Rudi Völler werden.

Wie das Blatt weiter berichtet, plant der Deutsche Fußball-Bund (DFB) außerdem mit Oliver Bierhoff als Manager und Holger Osieck als Co-Trainer des Auswahlteams. Zu dieser Lösung habe Klinsmann dem DFB seine Zusage gegeben.

Übernimmt Klinsmann den Cheftrainer-Posten, wäre dies eine Parallele zu Rudi Völler. Der populäre Ex-Nationalspieler und Torjäger wurde 2000 als damalige Verlegenheitslösung zum Verantwortlichen der Nationalelf berufen und gewann Anerkennung und Profil.

Das Angebot des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), künftig eine bedeutende Rolle bei der Führung der Nationalmannschaft zu spielen, hat Klinsmann angenommen: «Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass ich dem DFB helfe, unabhängig von der Funktion.» «Ich habe der Nationalmannschaft und dem DFB viele zu verdanken, die Nationalmannschaft war für mich immer wie eine zweite Familie. Vor allem in der Zeit, in der ich im Ausland gespielt habe», sagte der Ex-Nationalspieler in einer Stellungnahme.

Klinsmann reagierte damit auf die DFB-Information, wonach er sich in New York mit DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder und DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt getroffen habe. «Wir hatten in New York fünf Stunden lang ein konstruktives und offenes Gespräch, in dem die Situation der deutschen Nationalmannschaft analysiert wurde. Ich habe dabei nochmals meine Bereitschaft erklärt, aktiv bei der Gestaltung und der Umsetzung neuer Strukturen mitzuarbeiten», sagte Klinsmann. «Wir haben vereinbart, die Gespräche fortzusetzen.»

Die vierköpfige Trainerfindungs-Kommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit Mayer-Vorfelder, Schmidt, Franz Beckenbauer und DFL-Chef Werner Hackmann war zum dritten Mal in Frankfurt/Main zusammengetroffen. Einzelheiten über die Verabredungen und die Position, die Klinsmann bei der Bildung der Nationalmannschaft für eine erfolgreiche WM 2006 in Deutschland zugedacht ist, wurden zunächst nicht bekannt.

Man wolle «die Verhandlungen zur Nachfolge von Teamchef Rudi Völler und Bundestrainer Michael Skibbe zügig zu einem Ende bringen», ließ DFB-Presssprecher Harald Stenger lediglich verlauten. Doch allein die Tatsache, dass der DFB das Treffen in New York öffentlich machte, wies auf ein Engagement Klinsmanns hin. Bisher galten nach den Absagen von Ottmar Hitzfeld und Otto Rehhagel die beiden Ausländer Guus Hiddink (Niederlande) und Morten Olsen (Dänemark) als aussichtsreichste Trainer-Kandidaten.

Der in Los Angeles lebende Klinsmann hatte sich nach dem Scheitern der deutschen Nationalmannschaft bei der EM in Portugal und Völlers Rücktritt als heftigster Kritiker des DFB hervorgetan. «Das Bild, das der DFB abgibt, ist einfach jämmerlich», hatte der 39-Jährige geäußert – und die Schaffung eines Manager-Postens gefordert. «Im Prinzip muss man den ganzen Laden auseinander nehmen.»

Angesprochen auf seine eigenen Ambitionen, hatte er ausweichend geantwortet. «Der ein oder andere Querdenker von außen, DFB-Verantwortliche und die besten Leute der Liga sollten sich an einen Tisch setzen und die Dinge knallhart durchdiskutieren.» Erst danach «baut man die Strukturen, für die man sich die passenden Leute sucht». Dieser Aufforderung ist die DFB-Spitze nun offenbar nachgekommen.

Für ein Engagement Klinsmanns spricht auch, dass er als Adidas-Repräsentant tätig ist. Der Sportartikel-Hersteller aus Herzogenaurach ist seit Jahrzehnten erster Sponsor der Nationalmannschaft. Seit Ende seiner Karriere 1998 lebt der gebürtige Schwabe mit seiner Familie in Los Angeles und hatte sich seitdem vom deutschen Fußball weit entfernt. Er kümmerte sich in einer von ihm 1995 gegründeten Stiftung um benachteiligte Kinder und Jugendliche.

Höhepunkt seiner Laufbahn waren die Titelgewinne bei der WM 1990 in Italien und bei der EM 1996 in England, wo er das Team als Kapitän anführte. In der Bundesliga spielte er für den VfB Stuttgart (1984- 89) und Bayern München (1995-97). Im Ausland war der polyglotte Schwabe für Inter Mailand (1998-92), den AS Monaco (1992-94), Tottenham Hotspurs (1994-95, 1998) und Sampdoria Genua (1997) aktiv.