Die Spieler von Feyenoord Rotterdam können die 0:10-Klatsche nicht fassen.
Größer als die Wut der Fans war nur noch ihre Traurigkeit. Am Morgen nach dem irrwitzigen 0:10 von Feyenoord Rotterdam gegen den PSV Eindhoven, den zweiten Erzrivalen neben Ajax Amsterdam, waren die Anhänger des niederländischen Fußball-Traditionsclubs noch immer fassungslos.
«Ich will es nicht glauben», war in der Hafenmetropole oft zu hören. «Hier herrscht allgemeine Bestürzung», sagte ein Rundfunkreporter. «Sonnenstrahlen haben Rotterdam geweckt, doch über Feyenoord hängen schwarze Wolken.»
«Einfältig, jämmerlich und schändlich», titelte die Zeitung «Volkskrant». In ihren leuchtend gelben Auswärtstrikots hätten die zumeist recht jungen Feyenoorder «mitleiderregend» gespielt, wie «Trottel in Gelb». Zweistellig hatte der Club noch nie verloren. Und selbst das bislang als schlimmste Niederlage geführte Spiel vom 18. September 1983 war nicht so demütigend. Damals kassierte Feyenoord von Ajax acht Tore, schoss aber zur Ehrenrettung wenigstens zwei.
Ganz anders die Stimmung im 110 Kilometer von Rotterdam entfernten Eindhoven. Fans des 1913 von Mitarbeitern des Weltkonzerns Philips gegründeten Clubs feierten die ganze Nacht. Der Triumph war zwar bereits der dritte 10:0-Sieg in der PSV-Vereinsgeschichte, aber er war durchaus sensationeller als die beiden ersten - 1973 gegen die Go Ahead Eagles und 1998 gegen den FC Volendam.
Nie war der Klassenunterschied zwischen dem PSV, dem 21-fachen Landesmeister (zuletzt 2008), und dem 14-fachen Meister aus Rotterdam (zuletzt 1999) derart groß wie Sonntag im Philips-Stadion. Anfangs hatte es nach einem normalen Match zwischen dem Tabellenführer und dem Team auf Rang 15 ausgesehen. Zwei unterschiedlich starke Mannschaften, die aber durchaus beide zu Recht in der Eredivisie spielen. Selbst nachdem Kevin Leerdam in der 34. Minute beim Stand von 0:1 Gelb-Rot sah, ließen die Rotterdamer bis zur Halbzeit nur ein weiteres Tor zu. Dann aber das Schützenfest mit im Durchschnitt einem PSV-Treffer alle fünf bis sechs Minuten.
Auch im Hause von Bayern-Coach Louis van Gaal, dessen Ehefrau Feyenoord-Fan ist, wurde die irre Partie ungläubig verfolgt. «Truus und ich haben das 0:10 von Feyenoord Rotterdam gegen Eindhoven angeschaut - Händchen in Händchen. Ich habe ihre Hand immer fester gedrückt. Und beim 6:0 habe ich dann gesagt, wir können besser ein anderes Spiel anschauen», sagte Louis van Gaal.
Sicher war misslich, dass Kapitän Leroy Fer schon früh mit einer Knieverletzung ausschied. Auch dass Feyenoord heute noch eine junge Mannschaft im Aufbau ist, mit durchaus guten Talenten, hielten die Sportberichterstatter dem Club zugute. Dennoch ist klar, dass nun die Trainerfrage gestellt ist. «Gleich nach dem Spiel habe ich meine Funktion zur Diskussion gestellt», sagte der 46-jährige Coach Mario Been, der seine Laufbahn bei Feyenoord 1982 als Mittelfeldspieler begonnen hatte. Keiner wollte reagieren, berichteten Insider. «In der Kabine herrschte Schweigen.»
Die Clubleitung hingegen äußerte sich eindeutig. Auf die Frage, ob der «Hammerschlag von Eindhoven» nicht ein «Misstrauensvotum der Spieler gegen den Trainer» gewesen sei, antwortete Clubdirektor Eric Gudde mit einem klaren «Nein». Been habe trotz allem das Vertrauen des Teams. «Wir sind an einem Tiefpunkt, aber wir haben die Kraft, da rauszukommen», fügte der Technische Direktor Leo Beenhakker hinzu.