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Ex-Barça-Boss Laporta droht Prozess

Barcelona (dpa) - 17.10.2010, 14:41 Uhr

Joan Laporta ist für Forderungen bis zu 25 Millionen Euro versichert.
Joan Laporta ist für Forderungen bis zu 25 Millionen Euro versichert.

Ex-Barça-Boss Joan Laporta droht unter dem Vorwurf des Missmanagements beim spanischen Fußballmeister ein Gerichtsprozess.

In einer in Spanien bislang einmaligen Entscheidung votierten die Mitglieder des hochverschuldeten FC Barcelona mit 29 Stimmen Mehrheit dafür, den früheren Clubchef (2003-2010) zu verklagen. Der Antrag bekam 468 Ja- und 439 Nein-Stimmen.

Der 48-jährige Laporta und sein Vorstand sollen wegen nicht deklarierter Verluste von knapp 48 Millionen Euro in dessen Amtszeit zur Rechenschaft gezogen werden. Dazu zählen Ausgaben für Luxusrestaurants oder Flüge im Privatjet. Laporta schien zu ahnen, dass etwas auf ihn zukommen könnte: Er schloss eine Versicherung ab, die ihn mit bis zu 25 Millionen Euro vor etwaigen Forderungen schützt.

«Das ist die schwierigste Entscheidung in der Geschichte des Clubs», sagte Laportas Nachfolger Sandro Rosell, der sich wie 112 weitere Mitglieder der Stimme enthielt. Er warf seinem Vorgänger eine «Kultur des Verschwendens» vor. Es gebe aber keinerlei Indizien dafür, dass Laporta oder jemand aus dem Vorstand in die eigene Tasche gewirtschaftet habe, hieß es.

Rosell hatte nach Laportas Abgang im Juni eine neue Buchprüfung beantragt. Diese brachte ans Licht, dass der Verein von Weltfußballer Lionel Messi weitaus tiefer in den roten Zahlen steckt als bislang bekannt war.


Allein im vergangenen Geschäftsjahr habe der Club einen Verlust von 79,6 Millionen Euro gemacht, sagte der neue Vereinspräsident. Sein Vorgänger hatte dagegen einen Gewinn von 11,1 Millionen Euro angegeben. Der Club werde drei Jahre brauchen, um sich finanziell zu sanieren, sagte Rosell weiter.

So haben sich nach Angaben der Buchprüfer die Nettoschulden des FC Barcelona während der Amtsführung Laportas in den vergangenen zwei Jahren auf rund 430 Millionen Euro verdoppelt. In der vorigen Saison hatte der Club rund 100 Millionen Euro für Neuzugänge ausgegeben.

Fast 70 Millionen Euro verschlang allein die Verpflichtung des Schweden Zlatan Ibrahimovic, der jedoch bei den Katalanen nicht glänzen konnte. Er wurde schließlich für sehr viel weniger Geld an den AC Mailand abgegeben. Alles in allem habe dieses Geschäft Barça einen Verlust von 37,2 Millionen Euro beschert, erklärten die Buchprüfer. Ibrahimovics Manager habe acht Millionen Euro Honorar kassiert. 26,5 Millionen Euro gingen bei Immobiliengeschäften verloren - es sollen Grundstücke mit einem Überpreis von mehr als 200 Prozent gekauft worden sein -, weitere knapp sechs Millionen beim clubeigenen Fernsehsender.

Die fast 48 Millionen Euro nicht deklarierter Schulden beinhalten laut der neuen Clubführung 2,6 Millionen Euro für Privatdetektive, mit denen Laporta angeblich seine Gegenspieler - einschließlich Rosell - ausspionieren ließ. Fast 320 000 Euro wurden im vergangenen Jahr für Restaurants oder Geschenke von der Kreditkarte des Vorstandes abgebucht, davon 53 000 Euro von Laportas Leibwächter.

Trotz der hohen Schulden hatte der FC Barcelona im Mai für 40 Millionen Euro Nationalstürmer David Villa vom FC Valencia geholt. Luft verschaffte sich Barça mit einem 155 Millionen Euro schweren Kredit. «Dieser garantiert uns wirtschaftliche Solidität», sagte Rosell. «Wir müssen optimistisch in die Zukunft schauen», forderte er. Das Ziel sei ein Umsatz von 500 Millionen Euro im Jahr.

Sein Vorgänger Laporta, dessen Amtszeit Ende Juni abgelaufen war, ist inzwischen in die Politik gegangen. Als Kandidat bei den Regionalwahlen tritt er für die Unabhängigkeit Kataloniens ein. Unter seiner Führung hatte Barça zweimal die Champions League und viermal die spanische Meisterschaft gewonnen.

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