In Genua verhinderte die Polizei nur mit größter Anstrengung einen Ausbruch der rund 1600 serbischen Fans und damit eine mögliche Panik im Stadion, die zu einer Tragödie wie im Brüsseler Heysel-Stadion hätte führen können. Dort waren 1985 beim Europacupspiel zwischen Juventus Turin und dem FC Liverpool bei einer Massenpanik 39 Menschen ums Leben gekommen. «In Genua hat die Polizei ein Blutbad verhindert», sagte Italiens Innenminister Roberto Maroni». «Als ich die Serben die Scheibe eintreten sah, die sie von den italienischen Fans trennt, bekam ich wirklich Angst», gab Italiens Nationalcoach Cesare Prandelli zu. Erst am frühen Mittwochmorgen hatte die Polizei die Situation unter Kontrolle. Aus Angst vor Brandgeschossen waren die Spieler beider Clubs nach dem Spielabbruch in der siebten Minute in die Kabinen geflüchtet. Das «Stadio Marassi» sah übel aus, verwüstet von Balkan-Hooligans, die die Randale von langer Hand geplant haben sollen. «Das waren Bestien und eher Milizionäre als Hooligans», kommentierte die «Gazzetta dello Sport». Den mutmaßlichen Anführer Ivan Bogdanov nahm die Polizei zusammen mit weiteren 16 Krawallmachern in der Nacht zum 13. Oktober fest, gegen 35 weitere wurde Anzeige erstattet. Die Beamten fanden den 29-Jährigen im Gepäckraum eines Fan-Busses. Sie identifizierten ihn anhand seiner Tätowierungen, die auf den Fernsehbildern zu sehen waren. Der Boss eines Fanclubs von Roter Stern Belgrad hatte im Stadion Sicherheitsnetze zerschnitten und zusammen mit anderen brennende Feuerwerkskörper und Rauchbomben auf Spielfeld und Tribünen geworfen. Schiedsrichter Craig Thomson brach die wegen der Ausschreitungen bereits mit 35-minütiger Verspätung angepfiffene Partie daraufhin ab. «Nur mit einer Kalaschnikow hätte man diesen Block noch einmal ruhig bekommen», meinte der entsetzte Präsident der italienischen Fußballtrainer, Marcello Nicchi. Italiens Verteidigungsminister Ignazio La Russa lobte den Polizei-Einsatz und kritisierte eine mangelnde Kooperation mit Belgrad. «Solche Fans hätten von der serbischen Regierung gestoppt werden müssen», betonte der Sport-Sicherheitsbeauftragte des Innenministeriums, Roberto Massucci. In Genua sei kein einziger serbischer Polizist gewesen, kritisierte er. Der serbische Verbandspräsident Tomislav Karadzic offenbarte dagegen, die italienische Polizei vorher gewarnt zu haben. Italienische Behörden haben die Hinweise, dass knapp 400 rechtsextremistische und gewaltbereiten Randalierer auf dem Weg nach Genua seien, offenbar unterschätzt. Serbische Fans hatten bereits nach der 1:3-Pleite ihrer Mannschaft am vergangenen Freitag gegen Estland randaliert. «Die größte Schande in der Geschichte des serbischen Sports» schrieb die Zeitung «Politika», das auflagenstärkste Blatt «Vecernje Novosti» verurteilte den «Horror». Der serbische Fußball sei in Genua gestorben. Der gebürtige Montenegriner Karadzic vermutet politische Motive hinter den Ausschreitungen. «Dies war kein Angriff auf unser Team, sondern auf unseren Staat», sagte Karadzic. Auch die serbische Regierung sprach von politischer Sabotage: «Offensichtlich will jemand beweisen, dass Serbien weder bereit noch reif für Europa ist»,sagte Slobodan Homen, Staatssekretär im Justizministerium. Dass die Randalierer in Genua vor allem Torwart Vladimir Stoikovic ins Visier nahmen, sei nur ein Ablenkungsmanöver gewesen, meinte der Verbandsboss. Der Wechsel des einstigen Roter-Stern-Keepers zum Lokalrivalen Partizan Belgrad habe die Fans nicht wirklich aufgebracht. Stoikovic wurde dennoch schon vor dem Spielerhotel mitten in Genua attackiert und weigerte sich daraufhin zu spielen. «Er zitterte vor Angst», berichtete der schockierte Prandelli. Gianluca Zambrotta sprach von «einem sehr traurigen Moment für den Fußball». Der für Inter Mailand spielende Serbe Dejan Stankovic kam unter Tränen in die Kabine der «Azzurri» und entschuldigte sich.
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